Bundestrainer Julian Nagelsmann (38) setzte bei der Weltmeisterschaft ursprünglich auf eine „Blockbildung“: Sieben Profis wurden vom FC Bayern nominiert, vier aus Dortmund. Mit der dem WM-Aus für Lennart Karl schrumpfte die Anzahl der Bayern-Profis. Doch Bayern- und BVB-Profis bilden das Gerüst – ein Modell, das schon 1974 im DDR-Team funktionierte. Seinerzeit kamen sieben Akteure von Carl Zeiss Jena und vier vom 1. FC Magdeburg.
Buschner setzt bei der WM 1974 auf Jena und Magdeburg
Damit stellten beide Klubs vor 52 Jahren also die Hälfte des Nationalteams. „Das hatte natürlich etwas mit Georg Buschner zu tun, der ja 1970 die Nationalmannschaft übernommen hat“, erinnert sich Kurbjuweit, der in den 1970ern zu den Stützen des Jenaer Fußballs und der Nationalmannschaft gehörte.
„Buschner kannte die Jenenser, wusste, was zu erwarten ist. Und Magdeburg hat natürlich mit dem Europapokalsieg 1974 auf sich aufmerksam gemacht. Da schaut man natürlich, wen man noch einbauen kann“, erinnert sich der gebürtige Sachse im KURIER.
1970 lockte ihn Buschner von Stahl Riesa nach Thüringen. Ein Jahr fungierte Buschner als Jena-Coach und Nationaltrainer in Personalunion – und die beste Phase des DDR-Fußballs begann. Mittendrin: Kurbjuweit. Olympia-Teilnahmen 1972 (Bronze) und 1976 (Gold), dazwischen die WM 1974 in der Bundesrepublik – Kurbjuweit war bei allen Turnieren dabei und prägte die goldenen Jahre mit.

Erinnert sich der frühere Verteidiger an die 74er-Endrunde, denkt er an den 1:0-Sieg gegen die Bundesrepublik. Kurbjuweit: „Hamburg bleibt unvergessen – als Berti Vogts in unsere Kabine kam und Trikots tauschen wollte, was uns eigentlich verboten war.“ Der heute 75-Jährige bekam das Hemd von Uli Hoeneß und ließ es sich nach der Wende auch unterschreiben.
Die DDR trifft in der Zwischenrunde auf Brasilien, Holland und Argentinien
Aber während Hoeneß sich am Ende des Turniers Weltmeister nennen durfte, saß die DDR schon zu Hause. Denn nach dem Sieg gegen die Bundesrepublik ging es für die DDR-Auswahl als Gruppenerste in jene Zwischenrunde, in der die Gegner Brasilien, Holland und Argentinien warteten.

Die Bundesrepublik traf auf Jugoslawien, Schweden und Polen. Der scheinbar leichtere Weg ins Endspiel? Kurbjuweit: „Auf dem Weg zum Spiel gegen die BRD erfuhren wir im Bus, dass wir schon für die Zwischenrunde qualifiziert sind. Wir haben uns riesig gefreut. Aber im Nachhinein denke ich: Vielleicht hat niemand die Lage komplett nüchtern bewertet. Wir haben nicht darüber nachgedacht, ob es vielleicht besser gewesen wäre, nicht Gruppensieger zu werden.“
Seine Überlegung: „Niemand hat versucht, strategisch zu denken und den zweiten Schritt vorzubereiten. Die Holländer mit Cruyff waren überragend. Brasilien auch stark, ja. Aber die Polen zum Beispiel, die lagen uns eigentlich immer.“

Nach den Partien gegen Brasilien (0:1), Holland (0:2) und Argentinien (1:1) war das Turnier für die DDR beendet. Was niemand ahnen konnte: Es blieb bei diesem einen WM-Auftritt der DDR. Nie wieder gelang die Qualifikation für eine WM-Endrunde. Nicht 1978, nicht 1982, auch nicht 1986 oder 1990. Kurbjuweit sieht es nüchtern: „Vielleicht hat am Ende die Qualität gefehlt. Das zeigen die Ergebnisse. Die DDR war im Fußball keine große Nummer, obwohl sie in anderen Sportarten sehr erfolgreich war.“

Kurbjuweit beendete seine aktive Karriere 1984 nach einem einjährigen Abstecher beim HFC Chemie. Seine größten Erfolge: drei Siege im FDGB-Pokal (1972, 1974 und 1980) mit Jena. Und 1981 die Final-Teilnahme im Europapokal der Pokalsieger (1:2 gegen Tiflis). In seiner Vita stehen neben 66 Länderspielen auch 55 Europapokalspiele für Jena – ein Rekord wohl für die Ewigkeit. Ab 1985 trainierte er vier Jahre die Oberliga-Elf von Carl Zeiss, ehe eineinhalb Jahre beim Rivalen Rot-Weiß Erfurt folgten.
Kurbjuweit war in Jena „Mädchen für alles“
In den Folgejahren kehrte er zu Carl Zeiss zurück. Kurbjuweit wurde zum „Mädchen für alles“ beim Traditionsverein: Trainer (erste und zweite Mannschaft), Präsident, sportlicher Leiter. Kurbjuweit hat seine Spuren an den Kernbergen hinterlassen, auch wenn er Jena vor zehn Jahren verlassen hat. Seit 2016 lebt er in Berlin – genau wie seine Kinder Kristin und Tobias. Sein Sohn ist in seine Fußstapfen getreten und trainiert seit einem Jahr die Frauen von Hertha BSC.

Blickt Kurbjuweit auf seine Spieler- und Trainerlaufbahn zurück, dann sagt er: „Mein Leben war geprägt durch den Fußball. Ich war Fußballer, ohne dass ich die ganz großen Fähigkeiten mitgebracht hätte. Daher bin ich auch sehr stolz drauf.“




