Held von Melbourne

Wolfgang Behrendt gestorben: Er holte als Erster Olympia-Gold für die DDR

Trauer um eine Berliner Sport-Legende: Der erste Olympiasieger der DDR ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Sein Gold-Coup von 1956 bleibt unvergessen.

Author - Sebastian Karkos
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Wolfgang Behrendt spielt 2005 zur Eröffnung der Max-Schmeling-Ausstellung in Bad Saarow auf seiner Trompete. Box-Legenden wie Axel Schulz (l.) und Henry Maske (2.v.r.) sowie Trainer  Manfred Wolke (r.) hören zu.
Wolfgang Behrendt spielt 2005 zur Eröffnung der Max-Schmeling-Ausstellung in Bad Saarow auf seiner Trompete. Box-Legenden wie Axel Schulz (l.) und Henry Maske (2.v.r.) sowie Trainer Manfred Wolke (r.) hören zu.Mausolf/Imago

Es ging ihm schon länger nicht mehr gut. Mitte Juni feierte er seinen 90. Geburtstag. Wie jetzt erst bekannt wurde, lebt Wolfgang Behrendt nicht mehr. Der erste DDR-Olympiasieger starb am 22. Juni 2026.

Gold des Melbourne-Helden kam 1956 überraschend

Der Boxer holte 1956 bei den Olympischen Spielen in Melbourne völlig überraschend Gold im Bantamgewicht (bis 54 Kilogramm) – mit gerade einmal 20 Jahren. Im Endkampf besiegte er den zuvor ungeschlagenen Südkoreaner Song Soon-chun mit 2:1-Richterstimmen.

Der Berliner war bis zu seinem Tod der letzte noch lebende Olympiasieger der ersten gesamtdeutschen Mannschaft von 1956. Er sagte einmal: „Ich bin der einzige Goldmedaillengewinner, dem jemals von zwei deutschen Präsidenten gratuliert wurde.“ Es waren Wilhelm Pieck (DDR) und Theodor Heuss (Bundesrepublik).

Wolfgang Behrendt mit 20, der Boxer zeigt stolz seiner Goldmedaille aus Melbourne.
Wolfgang Behrendt mit 20, der Boxer zeigt stolz seiner Goldmedaille aus Melbourne.Camera 4/Imago

Als er im Dezember 1956 aus Australien nach Berlin zurückkehrte, wurde der gelernte Maschinenschlosser begeistert empfangen: „Es ging in offenen Autos von Schönefeld bis in die Stalinallee. Überall Leute am Straßenrand! Abends sind wir zur FDJ gefahren, Unter den Linden. Da gab es einen Empfang für uns. Und nachts auf dem Heimweg biege ich in die Gubitzstraße und denke, ich guck’ nicht richtig: Himmel und Menschen vor der Haustür! Ick musste ’rin und ans Fenster: die Medaille zeigen.“

Acht Olympia-Spiele begleitete er mit der Foto-Kamera

Der Mann mit der echten Berliner Schnauze blieb dem Sport auch nach seiner aktiven Zeit verbunden: als Fotograf. Für das Neue Deutschland fotografierte Behrendt bei acht Olympischen Spielen sowie zahlreichen Welt- und Europameisterschaften. Auch die Friedensfahrt begleitete er mit seiner Kamera: insgesamt 23-mal! Nach der Wende arbeitete er weiter als freier Fotograf.

Wolfgang Behrendt (l.) als Fotograf während der Olympischen Winterspiele 1980 in Lake Placid.
Wolfgang Behrendt (l.) als Fotograf während der Olympischen Winterspiele 1980 in Lake Placid.Werner Schulze/Imago

Er hatte zudem ein besonderes Hobby: Trompete spielen. Privat musste der frühere Boxer viele Schicksalsschläge verkraften. Seine Frau Monika, mit der er 56 Jahre verheiratet war, starb 2016. 2022 verlor er seinen Sohn Mario, der 1980 an den Olympischen Spielen in Moskau teilgenommen hatte. Ebenfalls als Boxer. Und ebenfalls im Bantamgewicht. Kurz vor seinem eigenen Tod starb auch sein jüngerer Sohn Heiko.

In seinen letzten Jahren zog sich Behrendt, der in Berlin-Schöneweide lebte, weitgehend zurück und mied die Öffentlichkeit.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Was haben Sie für Erinnerungen an Wolfgang Behrendt? Bitte schreiben Sie uns:leser-bk@berlinerverlag.com