Olympia-Bronze 1972, die WM 1974 und schließlich Olympia-Gold 1976 – die erfolgreichste Zeit erlebte der Ost-Fußball in den 1970er-Jahren. Bei allen drei Turnieren stand Georg Buschner als Trainer an der Außenlinie. Macht ihn das zum besten Fußballtrainer, den die DDR je hatte?
Für Buschner ist der Olympiasieg 1976 der größte Erfolg des DDR-Fußballs
Geht es nach Buschner selbst, ist die Frage schnell beantwortet: „Die haben vor mir und nach mir nie wieder etwas gewonnen. Ich war der beste Fußball-Trainer der DDR“, sagte er einmal. „Für mich ist der Olympiasieg 1976 der mit Abstand größte Erfolg. Für andere war es der 1:0-Sieg gegen die Bundesrepublik bei der WM 1974.“
Heute wäre Buschner, von Freunden „Schorsch“ genannt, 100 Jahre alt. Sein Wirken beeinflusste später viele andere Trainer. Wie Lothar Kurbjuweit (75), einst sein Spieler in Jena und über zehn Jahre in der Nationalmannschaft.
Fragt man den 66-fachen Auswahlspieler, sagt er: „Georg Buschner hat viel Wert auf Athletik gelegt. Seine Meinung war: Bis etwa 25 Jahre kann ich einen Spieler fußballerisch verbessern, danach geht es vor allem über Athletik. Das war seine Grundeinstellung.“ Und in den 1970ern das Erfolgsgeheimnis der DDR-Nationalmannschaft! Kurbjuweit: „So konnte man sich am schnellsten in die europäische Spitze spielen. Disziplin, Kraft, Schnelligkeit – alles, was dazugehört.“

Der Rostocker Gerd Kische (74), der als Ziehsohn Buschners galt, erinnert sich: „Er war seiner Zeit voraus, wusste genau, was er wollte – einmal väterlich, dann knallhart. Zuckerbrot und Peitsche. Er war eine Autoritätsperson, hochintelligent.“
Geboren in Gera, entwickelte sich Buschner („Ich war kein Fußballer, ich war Verteidiger“) im Oberligateam des SC Motor Jena sogar zum DDR-Nationalspieler (sechs Partien). Bekannt wurde der Sportwissenschaftler jedoch als Trainer.
Buschner macht Jena dreimal zum Meister und formt daraus die DDR-Nationalelf
Dreimal (1963, 1968 und 1970) feierte Buschner mit Jena die Meisterschaft. Sein FC Carl Zeiss stellte das Gerüst der Nationalelf: Ob Weise, Vogel, Irmscher, Kurbjuweit oder die Brüder Ducke – Buschner setzte auf seine Jungs. 1970 übernahm er das Nationalteam, im ersten Jahr fungierte er sogar in Doppelfunktion. Damit war 1971 Schluss – und der Aufstieg der DDR begann. Gern legte er sich mit den Polit-Oberen an, denen Buschner, Spitzname „der Graf“, zu selbstbewusst war. Kische: „Er hat die Funktionäre immer ‚Lattenhorcher‘ genannt. Das kam nicht gut an.“
„Die DDR-Elf“, meinte Buschner, „war die einzige Nationalmannschaft der Welt, die gegen ihre Führung spielen musste. Wir waren eine ungeliebte Nationalmannschaft.“
Unter Buschner gab es mehrere Höhepunkte, doch letztlich konnte er das Niveau der Mannschaft nicht dauerhaft halten. So blieb die WM-Teilnahme 1974 die einzige der DDR. Nach einem 2:3 gegen Polen 1981 wurde er rausgeworfen. Von seinem Aus erfuhr er aus dem West-Fernsehen. Zuvor hatte ihm ein Arzt wegen Herzproblemen geraten, kürzerzutreten. Am Ende brachte es Buschner auf stolze 115 Länderspiele (60 Siege, 33 Unentschieden, 22 Niederlagen). Seine Trainingsmethoden waren zwar umstritten, aber letztlich erfolgreich. Die Station als Nationaltrainer blieb für ihn die letzte.





