Unsere WM-Helden

Martin Hoffmann: Der junge WM-Star, der DDR-Fußballgeschichte schrieb

Die DDR war nur 1974 bei einer WM dabei. Doch der Auftritt ist bis heute legendär. Zur WM 2026 erinnert der KURIER an die Ex-Helden. Heute: Martin Hoffmann.

Author - Sebastian Krause
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Martin Hoffmann ist mit seinen 19 Jahren der jüngste Spieler der DDR-Auswahl bei der WM 1974.
Martin Hoffmann ist mit seinen 19 Jahren der jüngste Spieler der DDR-Auswahl bei der WM 1974.imago/WEREK

Als Martin Hoffmann von DDR-Nationaltrainer Georg Buschner für die Fußball-WM 1974 nominiert wird, ist er schon froh, dabei zu sein. Das Turnier wird für den jungen Mann vom 1. FC Magdeburg aber eine Erfolgsgeschichte. Hoffmann ist in der Auswahl mit seinen 19 Jahren nicht nur jüngster Spieler, er wird auch zum Dauerläufer im Team. In allen sechs Spielen kommt er zum Einsatz.

Hoffmann trifft zur Führung gegen Chile

Hoffmann glückt sogar ein Tor. Im zweiten Vorrundenspiel gegen Chile im Olympiastadion schießt er das 1:0, am Ende reicht es nur zum Unentschieden. Mit Hoffmann als zuverlässige Stütze ziehen die DDR-Kicker aber ungeschlagen und nach dem spektakulären 1:0-Erfolg gegen die Bundesrepublik als Gruppensieger in die Zwischenrunde ein.

Hoffmann sieht bei der WM nur die Niederlande besser

Dort folgt dann nach Spielen gegen Brasilien (0:1), die Niederlande (0:2) und Argentinien (1:1) das Aus. Am Ende wird die DDR Sechster. „Gegen die Niederlande hatten wir beim 0:2 wirklich keine Chancen, ansonsten war bei der WM keine Mannschaft besser als wir. Wir waren auf Augenhöhe“, sagt Hoffmann anlässlich seines 70. Geburtstages im vergangenen Jahr dem „Nordkurier“.

DDR-Stürmer Martin Hoffmann schießt, bevor Arie Haan eingreifen kann.
DDR-Stürmer Martin Hoffmann schießt, bevor Arie Haan eingreifen kann.imago/Werner Schulze

Die Weltmeisterschaft in der BRD sei ein großes Erlebnis gewesen. Doch: „Am Ende war es aber auch nur eine Teilnahme“, sagt der flinke Flügelstürmer. Erfolgsprämie pro Spieler: 5000 West-Mark und 10.000 Ost-Mark.

Olympiasieg 1976 ist Hoffmanns größter Erfolg

Die WM ist für Hoffmann der zweite große Erfolg binnen weniger Monate. Kurz zuvor gewinnt er mit dem 1. FC Magdeburg sensationell in Rotterdam gegen den AC Mailand und Startrainer Giovanni Trapattoni den Europapokal der Pokalsieger.

Gegen die Niederlande hatten wir beim 0:2 wirklich keine Chancen, ansonsten war bei der WM keine Mannschaft besser als wir. Wir waren auf Augenhöhe.

Martin Hoffmann, Jüngster DDR-Spieler bei der WM 1974

Den größten Erfolg im Nationaltrikot feiert er zwei Jahre später bei den Olympischen Spielen in Montreal 1976. Im Finale besiegt die DDR die favorisierten Polen mit 3:1. Nach dem Tor von Hartmut Schade (7.) erzielt Hoffmann in der 14. Minute das 2:0. Der 2016 verstorbene Reinhard Häfner von Dynamo Dresden sorgt mit einem Solo in der 84. Minute für den Endstand.

Hoffmann an allen DDR-Erfolgen im Fußball beteiligt

„Das 3:1 war eine Erlösung und die Entscheidung“, sagt Hoffmann. Er ist damit der einzige Spieler, der am Europapokalsieg des 1. FC Magdeburg 1974, der WM-Teilnahme 1974 und dem Olympiasieg 1976 beteiligt ist. Nach Titeln ist er der erfolgreichste Fußballer der DDR.

„Die Polen waren bei der WM 74 Dritter geworden, mit der Truppe spielten sie auch bei Olympia. Wir haben ein Riesenspiel gemacht“, erzählt er dem „Nordkurier“.

Olympia-Auswahl besser als WM-Auswahl der DDR

Weggefährten von damals sagen sogar, dass die DDR mit ihrer Olympia-Mannschaft bei der WM 1974 mindestens ins Halbfinale gekommen wäre. „Vielleicht ist das so, bei Olympia waren dann ja Spieler wie Hans-Jürgen Dörner und Reinhard Häfner dabei“, sagt Hoffmann.

Danach wird der Olympiasieger vom Vorsitzenden des DDR-Ministerrats, Willi Stoph, in Berlin empfangen. Der Lohn: Für jeden Spieler gibt es den Vaterländischen Verdienstorden in Silber und eine Urlaubsreise mit der Familie nach Kuba.

Knieverletzung zwingt Hoffmann zum Karriereende

Dass es vom Vorsitzenden des Staatsrats Erich Honecker für jeden Spieler sogar ein Haus gibt, bestreitet er. „Das ist Unsinn. Wir haben den Orden gekriegt, aber nicht mal aus seinen Händen“, sagt er dem „Tagesspiegel“.

Martin Hoffmann hat in seiner aktiven Karriere nur für den 1. FC Magdeburg gespielt und ist dort eine Vereinslegende.
Martin Hoffmann hat in seiner aktiven Karriere nur für den 1. FC Magdeburg gespielt und ist dort eine Vereinslegende.imago/Axel Kammerer

Nach FIFA-Lesart bestreitet Hoffmann 62 Länderspiele. Das letzte davon im Mai 1981 beim 5:0 gegen Kuba. Für den 1. FCM spielt er noch ein paar Jahre weiter. Sein letztes Pflichtspiel absolviert er am 19. Oktober 1985 gegen Carl Zeiss Jena. Eine schwere Knieverletzung, die er sich 1982 zugezogen hatte, zwingt ihn in der darauffolgenden Saison, seine Fußballschuhe an den Nagel zu hängen.

1. FC Magdeburg ist sein Herzensverein

Kurz darauf erwirbt er das Sportlehrerdiplom an der DHfK Leipzig. Damit beginnt seine Trainerkarriere beim 1. FC Magdeburg, also bei dem Verein, dem er stets die Treue hält.

Wir waren richtige Straßenfußballer, so wie man das von früher noch kennt, haben jeden Tag gebolzt.

Martin Hoffmann, zu seinen Anfängen als Fußballer

Fast nahtlos sattelt er zum Trainer um, vorerst im Nachwuchsbereich. Von 1988 bis 1993 arbeitet er als Nachwuchs- und Assistenztrainer bei den Magdeburgern. Von 1994 bis 1996 sowie von 2002 bis 2003 ist er Cheftrainer der 1. Männermannschaft. Und von 2000 bis 2002 übt er die Funktion des Co-Trainers unter Eberhard Vogel und Achim Steffens aus.

Trainerkarriere endet ohne großen Durchbruch

2003 übernimmt er die U19-Mannschaft des Vereins, mit der er 2007 und 2010 in die Junioren-Bundesliga aufsteigt. Nach der Saison 2012/13 beendete er seine Trainertätigkeit, in der der ganz große Durchbruch ausblieb. „Es ist mein Verein und das wird er immer sein“, sagt der ehemalige Weltklasse-Stürmer dem „Nordkurier“.

Angefangen hat alles in Gommern. Dort wächst Martin Hoffmann auf, dort spielt er das erste Mal Fußball, dort ist er heute Ehrenbürger. „Wir waren richtige Straßenfußballer, so wie man das von früher noch kennt, haben jeden Tag gebolzt“, blickt er zurück. Die BSG Aktivist Gommern ist für den damals Siebenjährigen der erste Verein. Zwei Jahrzehnte später wird aus ihm einer der erfolgreichsten Fußballer der DDR-Geschichte.

Welche Erinnerungen haben Sie an Martin Hoffmann? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com