Der Jahnsportpark wird 2023 umgebaut. Spätestens dann haben wohl gleich mehrere Berliner Klubs ein dickes Stadion-Problem.

Alle Jahre wieder – Berlin und seine Fußballstadien. Ein schier endloses Kapitel an Aufregern. Ob vom Westend und Hertha BSC bis nach Köpenick und dem 1. FC Union, überall gibt es Probleme. Nach den Wirren um die Spielstätte für Drittliga-Aufsteiger Viktoria 89 könnte die Hauptstadt diesen Sommer auf den nächsten Stadionzoff zusteuern, falls die Regionalligisten Berliner AK oder der BFC Dynamo aufsteigen sollten. Denn der Jahnsportpark wird im Sommer 2023 – nach langem Hin und Her – seine Pforten vorerst schließen. Der KURIER gibt einen Überblick.

Lesen Sie auch: Horoskop für Freitag, den 28. Januar 2022: So wird Ihr Tag – laut Ihrem Sternzeichen >>

Blickpunkt Olympiagelände: Herthas nachvollziehbarer Kampf für ein neues, reines Fußballstadion erfährt, wenn überhaupt, nur halbherzige Unterstützung aus der Berliner Landespolitik. Dabei wollen die Blau-Weißen alles selber bezahlen. Vorangekommen ist das Projekt nicht wirklich, seitdem der Klub im März 2017 (!) die Pläne für einen Neubau im Olympiapark vorstellte. Seit Jahren zieht sich das Thema wie Kaugummi. Zuletzt gab es immerhin etwas Bewegung.

Lesen Sie auch: Corona-Schock! Millionen digitaler Impfzertifikate laufen jetzt ab – Ihres auch? Was Sie jetzt tun können! >>

Der neue Senat soll nicht mehr den ausrangierten Flughafen Tegel und den Schützenfestplatz in Reinickendorf als Standort favorisieren. Vielmehr sei man auch im Roten Rathaus davon überzeugt, dass der Olympiapark mit seiner vorhandenen Infrastruktur, insbesondere der Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, die wohl beste Option sei. Hertha-Manager Fredi Bobic sagte zuletzt dem KURIER: „Positiv ist, dass wir schon vor der Wahl von den entsprechenden Entscheidungsträgern positive Signale empfangen haben, damit wir es schaffen, diesen Bock umzustoßen.“ Gleichzeitig streitet Hertha aktuell mit der Olympiastadion Berlin GmbH (gehört dem Land) um einen Corona-Nachlass bei der Stadionmiete.

Union wartet vergeblich auf Klarheit

Blickpunkt Alte Försterei: 2017 stellten die Köpenicker ihr Projekt einer Stadionerweiterung auf rund 37.000 Plätze vor. Soll knapp 30 Millionen Euro kosten und wird von Union mit Krediten selber gestemmt. Aber die Genehmigungen lassen weiter auf sich warten. Es geht um verkehrstechnische Probleme. Der S-Bahnhof Köpenick muss bis 2026 zu einem Regionalbahnhof umgebaut werden. Eine andere Straßenbahntaktung ist auch erforderlich. Womöglich mit Aufmarschgleisen und Wendeschleifen. Die Ostumgehung ist auch ein schon ewig andauerndes und ungelöstes Kapitel. Und von den notwenigen Lärmschutzgutachten muss man gar nicht erst anfangen. Union hoffte für dieses Jahr vergeblich auf Klarheit.

Blickpunkt Jahnsportpark: Die 1952 eröffnete Spielstätte auf dem historischen Grund des Exers steht vor dem Aus. Vergangenen Sommer wurden hier der BFC Dynamo und die VSG Altglienicke rausgeschmissen, weil ein Abriss und kompletter Neubau im Raum stand. Der BFC zog ins Sportforum, die VSG logiert derzeit fern ihrer Heimat in Herthas Amateurstadion. Lokalkolorit kommt so nicht zum Tragen. Ökologisch sinnvoll ist so ein Exil auch nicht. Vollends in den Allerwertesten getreten fühlten sich beide Vereine, als auf einmal Drittliga-Aufsteiger Viktoria   im Jahnsportpark eine Spielgenehmigung bekam, weil der Abriss nun erst 2023 steigen soll. American Football findet dort nur statt, weil der Investor der Viktoria auch Besitzer von Berlin Thunder ist.

BFC und BAK müssten mit Viktoria verhandeln

Der Senat war fein raus, weil die Kosten von rund 1,5 Millionen Euro komplett von der Holding übernommen wurden. Auch für die neue Flutlichtanlage mit mindestens 800 Lux. Für alle anderen Klubs wurde der Jahnsportpark, bei dem das Tribünengebäude nicht genutzt werden darf, geschlossen. So musste auch Lichtenberg 47 für die Hinrunde in der Regionalliga noch weiter nach Westen ziehen, im Poststadion spielen, weil im Zoschke umgebaut werden musste. Sollten der BFC Dynamo oder der BAK am Ende der Spielzeit aufsteigen, müssten sie mit Viktorias Investor handelseinig werden. Im Raum steht eine hohe sechsstellige Summe als Beteiligung für nur eine Spielzeit. 2023 ist Schluss. Dann steht auch Viktoria ohne geeignete Heimspielstätte da.

Blickpunkt Sportforum: Da wird es fast abstrus. Mühsam wurde hier im Sommer dafür gesorgt, dass der BFC Dynamo eine regionalligataugliche Spielstätte bekam. Das alte Flutlicht aus dem Prenzlauer Berg fand hier zwar eine neue Heimat, aber es entspricht nicht den Anforderungen der 3. Liga. Investiert wird ins Sportforum trotzdem. Im Sommer wird der Rasen abgetragen und eine Drainage verlegt. Kostenpunkt bis zu 150.000 Euro. So weit so gut.

Doch warum nicht gleich Nägel mit Köpfen machen und, wenn der Rasen schon einmal weg ist, gleich eine Rasenheizung – Drittligabedingung – einbauen. Kostet rund 350.000 Euro. Beim Flutlicht kämen noch einmal 600.000 bis 800.000 Euro dazu, da eine Aufrüstung der bestehenden Anlage technisch nicht möglich ist. Das heißt, das Sportforum wäre für rund 1,5 Millionen und ein paar Zerquetschte dauerhaft drittligatauglich zu machen. Wobei mit Eigenleistung seitens der Dynamo-Anhänger sich bestimmt noch Kosten sparen ließen.

Sportforum billiger als Jahnsportpark

Alles Peanuts im Vergleich zu dem auf 120 Millionen Euro taxierten Abriss des Jahnsportparks und des barrierefreien Neubaus an derselben Stelle. Die Stadionkapazität wäre selbst bei einer Reduzierung für die neue Spielklasse ausreichend. Nur noch Platz für 5000 Fans ist der neue Standard.

Besser geht es eigentlich nicht. Ein Ausweichstadion für die Zeit des Neubaus des Jahnsportparks wäre damit auch gefunden für die Stadt. Wird hier am falschen Ende gespart? Berlin könnte im Sommer vor dem nächsten Stadionzoff stehen.

Lesen Sie hier mehr Sportnachrichten >>