Es gibt eine Liste auf Wikipedia, auf der kann man nachzählen, wie viele Kinos es einst in Köpenick und Treptow gab. 48! Manche hatten nur kurz geöffnet, andere verschwanden schon vor mehr als 100 Jahren. Aber der heutige Großbezirk war mal ein großer Kino-Standort. Doch schaut man sich heute um: Alles ist nur noch ein Trauerspiel. Erst am Wochenende schloss das CineStar Treptower Park für immer. Jetzt hat Treptow-Köpenick noch vier ständige Kinos.
Wer in Berlin-Schmöckwitz an der Stadtgrenze zu Brandenburg wohnt, muss eine halbe Weltreise auf sich nehmen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt man bis ins Kino Casablanca in Adlershof 51 Minuten, bis in den Astra Filmpalast in Johannisthal 56 Minuten.
Seit 1990 verschwanden viele Traditionskinos
Schon im Jahre 2000 wurde festgestellt: Einwohner des flächenmäßig größten Berliner Bezirks müssen nicht selten 20 Kilometer und weiter fahren, um ins Kino zu kommen.
Seit 1990 sind viele einstmals beliebte Kinos von der Landkarte verschwunden. Das Capitol in Adlershof. 1990 geschlossen. Jetzt gibt es an der Stelle noch die Pizzeria Capitol. Die Forum-Lichtspiele in Köpenick. Das einstmals größte Kino des Bezirks wurde 2002 abgerissen und durch ein Seniorenheim ersetzt.
Die UT-Lichtspiele in Oberschöneweide. 1992 geschlossen. Der Nachnutzer war ein Drogeriemarkt. Das Kino in der Sternwarte am Treptower Park. 1995 geschlossen, auch weil das 1500 Meter entfernte und verkehrsgünstiger gelegene CineStar schon in Vorbereitung war. Vorbei, jetzt ist auch das Multiplex-Kino dicht. Wie es heißt, will der Grundstückseigentümer hier ein Hotel mit 198 Zimmern hineinbauen.

Wenn man ehrlich ist: Das Kino-Sterben hat schon zu DDR-Zeiten begonnen. Einst gab es fast in jedem Ortsteil ein Lichtspielhaus – ins Kino konnte man zu Fuß gehen. Als Kind bestaunte ich in Grünau immer den Schriftzug Europa gleich hinter der Eisdiele Anett in der Büxensteinallee. Ein Kino mit 400 Plätzen, das schon 1961 schloss. Nur der alte Werbeschriftzug ist heute noch zu sehen.
In der DDR wurden viele Ortsteilkinos geschlossen
Dicht gemacht wurden zu DDR-Zeiten auch die Ortsteilkinos Alter Krug-Lichtspiele in Müggelheim (1955), Apollo-Theater in Köpenick (1955), Elysium in Niederschöneweide (1965), Avo-Lichtspiele in Müggelheim (1960), Silvana in Baumschulenweg (1961), Corso-Lichtspiele in Altglienicke (1962), Lyra-Lichtspiele in Rahnsdorf (1962), Bali in Köpenick (1964), Elster-Lichtspiele in Bohnsdorf (1964), Capitol in Friedrichshagen (1967), Kamera-Lichtspiele in Wilhelmshagen (1967), Lichtpalast in Köpenick (1967) und das Gérard Philippe in Alt-Treptow (1979).
Vier ständige Kinos gibt es heute noch in Berlins flächenmäßig größtem Bezirk. Gut 288.000 Bewohner hat Treptow-Köpenick. Nur zwei Kinos haben die Wende überdauert, zwei neue sind dazugekommen.
Die Kino-Klassiker sind das Union in der Bölschestraße 69 (Friedrichshagen, 1913 eröffnet) und das Astra am Sterndamm 69 (Johannisthal, seit 1928).

Das Casablanca, 1994 in der Adlershofer Friedensstraße 12 eröffnet, nutzt allerdings einen geschichtsträchtigen Saal. Der war bereits seit 1912 Kino, das bis zur Schließung im Jahre 1958 Central-Lichtspiele hieß. Bis zur Wende nutzte der Kostümfundus des DDR-Fernsehens die Räume.
Nur noch ein Großkino in Köpenick
Nach der Schließung des CineStar am Treptower Park ist dem Bezirk ein Großkino geblieben. Das Kino in den Spreehöfen in der Wilhelminenhofstraße 89 (Oberschöneweide, 1998 eröffnet) – fünf Säle in ehemaligen Produktionshallen des VEB Berliner Metallhütten und Halbzeugwerke.




