Bezüglich E-Scootern teilt sich Berlin in zwei Lager: Die einen lieben sie und nutzen sie fleißig. Für den schnellen Weg zur Arbeit, wenn mal ein Bus ausgefallen ist. Doch viele Kritiker der blitzschnellen Zweiräder sind nur noch genervt, weil die E-Scooter gerne mal im Weg herumfliegen. Das Land Berlin hat bis 2023 eine Besserung versprochen. Doch mit einem Kniff könnte das Problem schon viel früher behoben werden.
So könnte sich das E-Scooter-Problem automatisch lösen
Noch gut ein Jahr, dann könnte Schluss sein mit dem E‑Scooter‑Chaos auf Berlins Gehwegen. Zumindest hofft das der Fußgängerverband Fuss, der den Countdown bereits laufen lässt. Hintergrund sind die Sondernutzungsgenehmigungen für Miet‑E‑Scooter, die am 31. März 2027 auslaufen.
„Es braucht keine neuen Genehmigungen. Dann wäre am 1. April 2027 das Problem gelöst“, sagt Verbandssprecher Roland Stimpel der Berliner Zeitung. Damit bringt die Fußgängerlobby eine radikale Lösung ins Spiel, die es bereits in Städten wie Paris gegeben hat: ein komplettes Aus für die Leihroller.

Als Mindestforderung verlangt der Verband, dass künftig nur so viele Fahrzeuge zugelassen werden, wie in klar markierte Abstellstationen passen würden. Von den derzeit rund 40.000 E‑Scootern in Berlin bliebe dann nur ein Bruchteil übrig.
E-Scooter bleiben umstritten und sorgen für Streit
Die Diskussion um die elektrischen Tretroller erreicht damit einen neuen Höhepunkt. Befürworter sehen in den bis zu 20 Kilometer pro Stunde schnellen Zweirädern ein wichtiges Element der Verkehrswende für kurze Wege in der Stadt.
Der Branchenverband Plattform Shared Mobility verweist auf stark steigende Nutzungszahlen: „Seit 2021 hat sich die Nutzung deutschlandweit mehr als verdoppelt – von 46,7 Millionen auf 117 Millionen Fahrten, ein Zuwachs von 150 Prozent“.
Auch beim Thema Sicherheit sieht der Verband die Lage differenziert. Zwar stieg die Zahl der leicht verletzten E‑Scooter‑Fahrer in Berlin im Jahr 2025 auf 871, ein Plus von 41 Prozent, insgesamt lag die Unfallzahl bei 1378. Gemessen am gesamten Verkehrsaufkommen machten E‑Scooter dennoch nur einen kleinen Teil des Unfallgeschehens aus. Entscheidend für mehr Sicherheit seien „klar geführte, geschützte Infrastruktur“.
Die Kritiker bleiben skeptisch. Für die innerstädtische Mobilität seien E‑Scooter kaum relevant, die negativen Auswirkungen für Fußgänger jedoch erheblich, argumentiert Fuss. Nach Zahlen des Verkehrssenats würden mit privaten und geliehenen E‑Scootern nur 0,1 Prozent aller Wege in Berlin zurückgelegt. „Sie werden im Schnitt nur 11 Minuten pro Tag gefahren, stehen und liegen also die übrigen 1429 Minuten oft hinderlich im Weg“, rechnet Stimpel vor.
Senat plant neue Strategie und stößt auf Kritik
Die Berliner Senatsverwaltung will den Konflikt mit einer angekündigten Sharing‑Strategie entschärfen. Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) setzt auf mehr Ordnung und Sicherheit durch ein neues Stationssystem. Künftig sollen Leihfahrten nur noch an festen Mobilitätsstationen begonnen und beendet werden dürfen – ein sogenannter „Hub‑only‑Ansatz“.

Die Zahl der baulichen Stationen soll dabei deutlich steigen: von derzeit 500 auf bis zu 3000. Ergänzend plant die Verwaltung virtuelle Stationen, die allerdings weder markiert noch beschildert sind und nur über Apps gefunden werden können.
Genau das sorgt bei der Fußgängerlobby für Kritik. In Frohnau und Hermsdorf gebe es bereits rund 100 solcher virtueller Stationen. Oft seien Gehwege dort extrem schmal, in einem Fall nur 85 Zentimeter. Zudem lägen viele Stationen auf grobem Pflaster, was Nutzer „geradezu zum illegalen Fahren auf Gehwegen einlädt“.
Lösung erst bis 2035? Das geht den Kritikern zu langsam
Der Senat verweist dagegen auf einen breiten Beteiligungsprozess mit 57 Organisationen. Ziel seien mehr Ordnung und Sicherheit, insbesondere für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Von einem vollständigen Verbot will man nichts wissen, auch wenn „Gefährdungen durch unachtsames Abstellen“ eingeräumt werden.
Allerdings steht die Umsetzung unter einem Finanzvorbehalt: Im Mobilitätsausschuss wurden die beantragten jährlichen vier Millionen Euro auf symbolische 1000 Euro gekürzt. Zudem geht aus Senatsunterlagen hervor, dass das komplette Stationsnetz erst bis 2035 aufgebaut werden soll – während der Streit um die E‑Scooter auf Berlins Straßen bereits jetzt eskaliert.




