Soziale Medien

Dieses Berliner Start-up will TikTok plattmachen

Die Gründer betonen den Bedarf an einem sicheren sozialen Netzwerk für Jugendliche und echter menschlicher Interaktion.

Author - Sharone Treskow
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Eine Videoplattform ohne Bots mit gesunden Algorithmen – das haben sich die Gründer von Wedium vorgenommen. (Symbolfoto)
Eine Videoplattform ohne Bots mit gesunden Algorithmen – das haben sich die Gründer von Wedium vorgenommen. (Symbolfoto)William Perugini/Imago

Es ist ein optimistisches Vorhaben: Das Berliner Start-up Wedium will eine gleichnamige Kurzvideo-Plattform starten und so TikTok, Instagram und Co. vom Markt vertreiben. Was sie anders machen wollen als die erfolgreichen Social-Media-Riesen – und warum man auf ihre Plattform umsteigen sollte.

Eine Alternative zu TikTok? Diese Berliner versuchen es

„Keine Milliardäre, keine Tech-Bros, keine Zyniker, keine abgehobenen Freaks oder Transhumanisten – wir sind Eltern, Unternehmer, Angestellte, Programmierer, Designer, Medienschaffende, Medienexperten und Medienkonsumenten“, stellen sich die Köpfe von Wedium vor. Wohl ein unverhohlener Seitenhieb gegen Tech-Milliardär Elon Musk, dem die Plattform X (ehemals Twitter) gehört.

Von links: Sebastian Wilke, Andreas Hacker, Johannes Meissner, Dr. Nele Meissner und Lukas Backhaus – die Köpfe hinter Wedium.
Von links: Sebastian Wilke, Andreas Hacker, Johannes Meissner, Dr. Nele Meissner und Lukas Backhaus – die Köpfe hinter Wedium.© wedium GmbH 2026

CEO Dr. Nele Meissner und Co. sagen: „Wir sind eine Gruppe von Menschen aus der Mitte der Gesellschaft, die es nicht mehr ausgehalten hat, dass Social Media in den Händen von amerikanischen und chinesischen Tech-Konzernen liegt, die unsere Demokratie bedrohen.“

Was Wedium besser machen will

„Wer heute in sozialen Medien unterwegs ist, weiß, dass die Bezeichnung im Grunde nicht mehr zutrifft, denn sozial ist das nicht“, betonen sie weiter. Stattdessen findet man online vor allem Populismus und Desinformation, Cybergrooming, Cybermobbing und Cyberstalking und Fake News.

Außerdem süchtig machende und die Ränder stärkende Algorithmen. „Echten Austausch mit echten Menschen sucht man oft vergeblich, denn mehr als 50 Prozent der User sind eben keine echten Menschen, sondern Bots“, betonen die Wedium-Gründer. Sie wollen es besser machen.

„Alle reden davon, dass Europa ein unabhängiges und sicheres soziales Netzwerk braucht, insbesondere für Heranwachsende, aber niemand tut was“, so Wedium. „Um dem Gefühl der Hilflosigkeit zu entkommen, haben wir einfach angefangen. Jetzt gründen wir ein soziales Netzwerk.“

Warum Social Media für Teenager gefährlich ist

Social Media kann für Jugendliche gefährlich werden, weil die Plattformen starke psychische Wirkungen haben. Viele Jugendliche vergleichen sich ständig mit inszenierten Körperbildern, Luxusleben oder Erfolgen anderer. Das kann zu Selbstzweifeln, Stress, Perfektionsdruck und sogar Depressionen führen. Besonders problematisch: Likes und Kommentare wirken wie kleine Belohnungen im Gehirn – und machen Jugendliche anfällig für Suchtverhalten, ständige Bildschirmzeiten und Schlafmangel.

Viele Jugendliche sind süchtig nach Social Media. (Symbolbild)
Viele Jugendliche sind süchtig nach Social Media. (Symbolbild)William Perugini/Imago

Zudem sind Jugendliche online oft Risiken ausgesetzt, die sie in ihrer Tragweite noch nicht vollständig einschätzen können. Dazu gehören Cybermobbing, anonyme Beleidigungen, sozialer Ausschluss oder das schnelle Verbreiten peinlicher Inhalte. Ein einziger verletzender Post kann innerhalb von Minuten viral gehen und großen emotionalen Schaden anrichten. Viele junge Nutzer geraten dadurch in Situationen, aus denen sie allein kaum wieder herauskommen.

Außerdem können Jugendliche leicht mit gefährlichen Inhalten in Kontakt kommen: Fake News, extreme Ideologien, Selbstgefährdungstrends oder fragwürdige Challenges verbreiten sich besonders schnell. Gleichzeitig nutzen Fremde oder Betrüger soziale Netzwerke, um Vertrauen aufzubauen und Jugendliche zu manipulieren. All diese Faktoren machen Social Media zu einem Raum, in dem Jugendliche zwar viele Chancen haben – aber auch erheblichen Schutz und Aufklärung brauchen. Auch das will Wedium besser machen.

Hier können Influencer richtig Kohle machen

Online ist Wedium noch nicht, aber schon in einer fortgeschrittenen Gründungsphase. Doch wenn es so weit ist: Wie wollen sie genügend Nutzer auf ihre Plattform holen? Warum sollte man zu Wedium wechseln? Das Start-up verspricht, Video-Creator üppig an den Werbeeinnahmen des Netzwerks zu beteiligen.

Ganz im Gegenteil zu Instagram. Hier sind bezahlte Kooperationen die Haupteinnahmequelle für Influencer. Instagram zahlt kaum für Views, aber Marken zahlen für Reichweite.

Wedium will es mit den Social-Media-Giganten TikTok, Instagram und Co. aufnehmen. Wird ihnen das gelingen?
Wedium will es mit den Social-Media-Giganten TikTok, Instagram und Co. aufnehmen. Wird ihnen das gelingen?Samuel Boivin/Imago

TikTok hingegen beteiligt Creator direkt an Werbeeinnahmen, über das Creator‑Rewards‑Programm. Je nach Thema und Region liegen die Einnahmen meist bei 0,50 bis über 2 Euro pro 1.000 Videoaufrufen. Ein TikTok‑Video mit 1 Million Views kann also zwischen 500 und 2.000 Euro einbringen. Ob sich Wedium am Ende mehr für Influencer lohnen wird, wird sich noch zeigen.

Was Wedium sich vorgenommen hat, klingt schön und gut. Aber halten Sie das Vorhaben, eine neue Social-Media-Plattform erfolgreich zu starten, für realistisch? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.