Es ist ein optimistisches Vorhaben: Das Berliner Start-up Wedium will eine gleichnamige Kurzvideo-Plattform starten und so TikTok, Instagram und Co. vom Markt vertreiben. Was sie anders machen wollen als die erfolgreichen Social-Media-Riesen – und warum man auf ihre Plattform umsteigen sollte.
Eine Alternative zu TikTok? Diese Berliner versuchen es
„Keine Milliardäre, keine Tech-Bros, keine Zyniker, keine abgehobenen Freaks oder Transhumanisten – wir sind Eltern, Unternehmer, Angestellte, Programmierer, Designer, Medienschaffende, Medienexperten und Medienkonsumenten“, stellen sich die Köpfe von Wedium vor. Wohl ein unverhohlener Seitenhieb gegen Tech-Milliardär Elon Musk, dem die Plattform X (ehemals Twitter) gehört.

CEO Dr. Nele Meissner und Co. sagen: „Wir sind eine Gruppe von Menschen aus der Mitte der Gesellschaft, die es nicht mehr ausgehalten hat, dass Social Media in den Händen von amerikanischen und chinesischen Tech-Konzernen liegt, die unsere Demokratie bedrohen.“
Was Wedium besser machen will
„Wer heute in sozialen Medien unterwegs ist, weiß, dass die Bezeichnung im Grunde nicht mehr zutrifft, denn sozial ist das nicht“, betonen sie weiter. Stattdessen findet man online vor allem Populismus und Desinformation, Cybergrooming, Cybermobbing und Cyberstalking und Fake News.
Außerdem süchtig machende und die Ränder stärkende Algorithmen. „Echten Austausch mit echten Menschen sucht man oft vergeblich, denn mehr als 50 Prozent der User sind eben keine echten Menschen, sondern Bots“, betonen die Wedium-Gründer. Sie wollen es besser machen.
„Alle reden davon, dass Europa ein unabhängiges und sicheres soziales Netzwerk braucht, insbesondere für Heranwachsende, aber niemand tut was“, so Wedium. „Um dem Gefühl der Hilflosigkeit zu entkommen, haben wir einfach angefangen. Jetzt gründen wir ein soziales Netzwerk.“
Warum Social Media für Teenager gefährlich ist
Social Media kann für Jugendliche gefährlich werden, weil die Plattformen starke psychische Wirkungen haben. Viele Jugendliche vergleichen sich ständig mit inszenierten Körperbildern, Luxusleben oder Erfolgen anderer. Das kann zu Selbstzweifeln, Stress, Perfektionsdruck und sogar Depressionen führen. Besonders problematisch: Likes und Kommentare wirken wie kleine Belohnungen im Gehirn – und machen Jugendliche anfällig für Suchtverhalten, ständige Bildschirmzeiten und Schlafmangel.

Zudem sind Jugendliche online oft Risiken ausgesetzt, die sie in ihrer Tragweite noch nicht vollständig einschätzen können. Dazu gehören Cybermobbing, anonyme Beleidigungen, sozialer Ausschluss oder das schnelle Verbreiten peinlicher Inhalte. Ein einziger verletzender Post kann innerhalb von Minuten viral gehen und großen emotionalen Schaden anrichten. Viele junge Nutzer geraten dadurch in Situationen, aus denen sie allein kaum wieder herauskommen.
Außerdem können Jugendliche leicht mit gefährlichen Inhalten in Kontakt kommen: Fake News, extreme Ideologien, Selbstgefährdungstrends oder fragwürdige Challenges verbreiten sich besonders schnell. Gleichzeitig nutzen Fremde oder Betrüger soziale Netzwerke, um Vertrauen aufzubauen und Jugendliche zu manipulieren. All diese Faktoren machen Social Media zu einem Raum, in dem Jugendliche zwar viele Chancen haben – aber auch erheblichen Schutz und Aufklärung brauchen. Auch das will Wedium besser machen.
Hier können Influencer richtig Kohle machen
Online ist Wedium noch nicht, aber schon in einer fortgeschrittenen Gründungsphase. Doch wenn es so weit ist: Wie wollen sie genügend Nutzer auf ihre Plattform holen? Warum sollte man zu Wedium wechseln? Das Start-up verspricht, Video-Creator üppig an den Werbeeinnahmen des Netzwerks zu beteiligen.
Ganz im Gegenteil zu Instagram. Hier sind bezahlte Kooperationen die Haupteinnahmequelle für Influencer. Instagram zahlt kaum für Views, aber Marken zahlen für Reichweite.



