Vorbild Potsdam

Preisschock Verpackungssteuer: Kommt sie bald auch nach Berlin?

Potsdam führt ab Juli 2026 eine Verpackungssteuer zur Müllreduzierung ein. Wie es in Berlin an der Front aussieht.

Author - Sharone Treskow
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To-go-Becher für Kaffee und Co. sind praktisch, sorgen aber für ein Müllproblem. Deshalb fordert Berlin eine Verpackungssteuer.
To-go-Becher für Kaffee und Co. sind praktisch, sorgen aber für ein Müllproblem. Deshalb fordert Berlin eine Verpackungssteuer.Dasha Petrenko/Imago

Sie fliegen überall in Berlin herum: Starbucks-Becher, Dönerboxen, McDonald’s-Tüten. Wie soll man es bloß schaffen, den ganzen Verpackungsmüll zu reduzieren? Hier gibt es wohl nur eine Antwort: Es muss wehtun – finanziell. In Potsdam kommt jetzt tatsächlich eine Verpackungssteuer. Warum nicht auch in Berlin?

Potsdam führt Verpackungssteuer ein

Zum 1. Juli 2026 tritt in Potsdam die Verpackungssteuer in Kraft. Stadtverordnete haben beschlossen, dass Einweggeschirr und Einwegverpackungen mehr kosten müssen. Das Ziel: mehr Sauberkeit und weniger Müll in Potsdam.

Für nicht wiederverwendbare Verpackungen, Einweggeschirr und Einwegbesteck sind differenzierte Steuersätze vorgesehen: Für Einwegverpackungen wie Becher, Teller oder Schalen soll ein Steuersatz von 0,50 Euro je Einheit gelten, für Einwegbesteck ein Steuersatz von 0,20 Euro je Einheit.

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Verpackungsmüll ist ein großes Problem in Berlin. Er liegt einfach überall.Horst Galuschka/Imago

Bei der Ausgestaltung der Satzung habe sich die Landeshauptstadt Potsdam an den Erfahrungen anderer Städte orientiert. So erhebt Tübingen seit Anfang 2022 eine Verpackungssteuer. In den Folgejahren führten weitere Kommunen vergleichbare Regelungen ein, darunter Konstanz im Jahr 2025 sowie Freiburg im Breisgau zu Beginn des Jahres 2026.

Formell zahlt die Verpackungssteuer der Betrieb. Faktisch zahlt sie aber meist der Kunde, weil Betriebe die Steuer sehr wahrscheinlich über Preisaufschläge weiterreichen. Das zeigt sich auch in Freiburg und Co., wo der To-go-Becher beim Bäcker plötzlich 50 Cent mehr kostet.

Auch Berlin will die Steuer, traut sich aber nicht alleine

50 Cent mehr für jeden Kaffee zum Mitnehmen, für jede Dönerbox. Kommt diese Preiserhöhung auch auf Berlin zu? Der KURIER hat bei der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt nachgefragt. Ein Sprecher erklärt: „Berlin will bei einer kommunalen Verpackungssteuer keinen Alleingang. Berlin unterstützt die Einführung einer bundesweiten Bezahlpflicht für To-go-Verpackungen.“

Aus diesem Grund habe Berlin zweimal erfolgreich einen Antrag in die Umweltministerkonferenz (UMK) eingebracht, um die Mehrwegnutzung in Deutschland zu steigern.

Berlin will auch eine Verpackungssteuer einführen, jedoch nicht alleine.
Berlin will auch eine Verpackungssteuer einführen, jedoch nicht alleine.Gottfried Czepluch/Imago

„Unter anderem fordern wir, dass der Bund eine Regelung bundesweit einführen soll, dass To-go-Verpackungen nicht mehr kostenlos abgegeben werden dürfen“, so der Sprecher weiter. „Dies könnte auch über eine freiwillige Vereinbarung des Bundesumweltministeriums mit den entsprechenden Verbänden erreicht werden, wie es bereits bei den Einwegplastiktüten praktiziert wurde.“

Darüber hinaus plane Berlin derzeit die Einrichtung eines Dialogformates „Runder Tisch“ mit der Zielsetzung einer partnerschaftlichen Suche nach praktikablen Lösungen zur Verminderung der Einwegnutzung in Berlin.

Das wären die Vorteile für Berlin

Berlin will also gegen den ganzen Verpackungsmüll vorgehen, traut sich aber nicht alleine, Zähne zu zeigen. Dabei wären die Vorteile enorm. Auch Freiburg meldete nach Einführung der To-go-Steuer deutliche Rückgänge an Müll.

Potsdam gibt jährlich rund 950.000 Euro für Müllentsorgung aus – die Steuer soll diese Kosten fairer verteilen und den Haushalt entlasten. Potsdam rechnet ab 2027 mit rund einer Million Euro pro Jahr Mehreinnahmen. Berlin könnte – aufgrund der Größe – sogar deutlich mehr generieren.

Kritik an dem Modell Verpackungssteuer

Aber: Die Erfahrungen aus Freiburg zeigen deutlich, dass eine Verpackungssteuer vor allem für Betriebe zu einer spürbaren finanziellen Belastung werden kann. Branchenverbände warnen vor massiven Preissteigerungen, die am Ende bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern landen würden – in Berlin könnte ein kleiner Kaffee durch die Steuer beispielsweise über 50 Prozent teurer werden.

Dazu kommt ein hoher bürokratischer Aufwand: Betriebe müssten jede einzelne Einwegverpackung erfassen, dokumentieren und abrechnen, was besonders kleine Cafés, Imbisse und Bäckereien stark belasten würde. Auch für die Stadt selbst wäre die Steuer mit erheblichem Verwaltungsaufwand verbunden, da Kontrolle und Durchsetzung zusätzliche Kapazitäten erfordern.

Gegen die Verpackungssteuer spricht, dass am Ende die Berliner mehr für ihren Coffee to go bezahlen würden.
Gegen die Verpackungssteuer spricht, dass am Ende die Berliner mehr für ihren Coffee to go bezahlen würden.Sabine Gudath/Imago

Hinzu kommt das Risiko eines „kommunalen Flickenteppichs“, da unterschiedliche Regelungen in Berlin und dem angrenzenden Brandenburg für Filialbetriebe und Lieferdienste schwer handhabbar wären. Verbände befürchten außerdem, dass neue Abgaben Investitionen verzögern oder verhindern könnten – ein Problem, das in Potsdam bereits angesprochen wurde und in wirtschaftlich angespannten Zeiten auch für Berlin relevant wäre.

Wie ist Ihre Meinung zu dem Thema: Sollte Berlin eine Verpackungssteuer einführen? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.