Osten

Warum Brandenburg noch immer nach DDR-Strukturen ackert

Die Landwirtschaft hat sich historisch aus den LPG der DDR entwickelt – mit großen Flächen pro Betrieb.

Author - Sharone Treskow
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Melker einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) im November 1976.
Melker einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) im November 1976.Rust/Imago

Brandenburgs Landwirtschaft steht an einem Wendepunkt: Während die Zahl der Betriebe dramatisch sinkt, erlebt die Spargelernte einen nie da gewesenen Boom. Hinter diesem Fleiß steckt ein Stück DDR-Geschichte.

Der Schwund von Brandenburgs Landwirtschaft

Immer weniger Bauern, immer größere Höfe: In Brandenburg schrumpft die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe seit Jahren. Gab es 1998 noch fast 8000 Höfe, sind es heute nur noch gut 5200 – ein Rückgang um rund ein Drittel. Der Trend ist eindeutig.

Der Grund ist nicht nur wirtschaftlicher Druck. Kleine Betriebe haben es schwer, die Konkurrenz ist hart, die Einnahmen oft knapp. Dazu kommt ein demografisches Problem: Viele Hofchefs gehen in Rente, Nachfolger fehlen. „Es scheiden mehr Betriebsinhaber aus, als nachkommen können“, sagt der Brandenburger Bauernverband zu RBB24.

Gerstenernte in der Uckermark. 5200 landwirtschaftliche Betriebe gibt es derzeit in Brandenburg.
Gerstenernte in der Uckermark. 5200 landwirtschaftliche Betriebe gibt es derzeit in Brandenburg.Christian Thiel/Imago

Auch auf den Feldern und in den Ställen arbeiten immer weniger Menschen. Anfang der 90er-Jahre waren noch rund 84.000 Beschäftigte in der Landwirtschaft tätig, heute sind es knapp 32.000. Gerade einmal 2,8 Prozent aller Erwerbstätigen in Brandenburg arbeiten noch in diesem Bereich – viele davon nur saisonal.

Brandenburgs Landwirtschaft bis heute ein Erbe der DDR

Trotzdem wird hier sehr effizient gearbeitet. Brandenburgs Bauern bewirtschaften fast 1,3 Millionen Hektar Land. Ein einzelner Betrieb kommt im Schnitt auf rund 240 Hektar – fast viermal so viel wie der Bundesdurchschnitt. In Bayern oder Baden‑Württemberg liegen die Flächen pro Hof bei nicht einmal 40 Hektar.

Der Grund liegt in der Geschichte: Brandenburgs Landwirtschaft ist bis heute ein Erbe der DDR. Viele der heutigen Großbetriebe sind aus den Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) hervorgegangen. Während im Westen meist kleine Familienhöfe über Generationen weitergegeben wurden, blieb im Osten die Großstruktur erhalten: effizient, aber personalarm.

LPG Papstdorf 1973. Beratung des Melker-Kollektivs mit dem Parteisekretär. Von links nach rechts: Hartmut Kaiser (Parteisekretär), Annelies Walter, Wolfgang Heidrich, Gisela Dünnebier (Parteigruppenorganisator).
LPG Papstdorf 1973. Beratung des Melker-Kollektivs mit dem Parteisekretär. Von links nach rechts: Hartmut Kaiser (Parteisekretär), Annelies Walter, Wolfgang Heidrich, Gisela Dünnebier (Parteigruppenorganisator).Hans-Dieter Opitz/Imago

Wirtschaftlich spielt die Landwirtschaft für Brandenburg trotzdem eine vergleichsweise große Rolle. Mit rund 1,4 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung liegt ihr Anteil über dem Bundesdurchschnitt – deutlich höher als in vielen westlichen Ländern.

Kurz gesagt: Auf Brandenburgs Feldern wird modern produziert, aber nach Strukturen, die vor Jahrzehnten entstanden sind. Die DDR ist Geschichte, aber auf dem Acker wirkt sie bis heute nach.

18.700 Tonnen Spargel in Brandenburg geerntet

Obwohl die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Brandenburg schrumpft, wird vor allem ein Gemüse weiterhin in riesigen Mengen angebaut – und gefuttert: Spargel! 18.700 Tonnen wurden im Jahr 2025 geerntet. Diese Menge hat sich in den vergangenen 25 Jahren mehr als verdreifacht: Im Jahr 2000 waren es „nur“ 5700 Tonnen.

Die Spargelernte ist ein wichtiges Geschäft in Brandenburg.
Die Spargelernte ist ein wichtiges Geschäft in Brandenburg.Bernd Friedel/Imago

Nach wie vor ist der Apfel das wichtigste Obst, doch seine Bedeutung schwindet zunehmend: Während im Jahr 2001 noch 33.200 Tonnen Äpfel auf 1765 Hektar geerntet wurden, waren es 2025 nur noch 16.600 Tonnen auf 750 Hektar. Zwar stieg der Ertrag pro Hektar im Laufe der Jahre, insgesamt stehen jedoch deutlich weniger Äpfel zur Verfügung.

Die meiste Anbaufläche geht jedoch für Getreide drauf: rund 500.000 Hektar, etwa die Hälfte der Ackerfläche. Das Verhältnis der wichtigsten Getreidesorten hat sich allerdings verschoben: Lange waren die Ernteergebnisse für Winterweizen und Winterroggen vergleichbar. Nun wird deutlich weniger Roggen angebaut, zugunsten von Winterweizen und -gerste.

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