Brandenburgs Landwirtschaft steht an einem Wendepunkt: Während die Zahl der Betriebe dramatisch sinkt, erlebt die Spargelernte einen nie da gewesenen Boom. Hinter diesem Fleiß steckt ein Stück DDR-Geschichte.
Der Schwund von Brandenburgs Landwirtschaft
Immer weniger Bauern, immer größere Höfe: In Brandenburg schrumpft die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe seit Jahren. Gab es 1998 noch fast 8000 Höfe, sind es heute nur noch gut 5200 – ein Rückgang um rund ein Drittel. Der Trend ist eindeutig.
Der Grund ist nicht nur wirtschaftlicher Druck. Kleine Betriebe haben es schwer, die Konkurrenz ist hart, die Einnahmen oft knapp. Dazu kommt ein demografisches Problem: Viele Hofchefs gehen in Rente, Nachfolger fehlen. „Es scheiden mehr Betriebsinhaber aus, als nachkommen können“, sagt der Brandenburger Bauernverband zu RBB24.

Auch auf den Feldern und in den Ställen arbeiten immer weniger Menschen. Anfang der 90er-Jahre waren noch rund 84.000 Beschäftigte in der Landwirtschaft tätig, heute sind es knapp 32.000. Gerade einmal 2,8 Prozent aller Erwerbstätigen in Brandenburg arbeiten noch in diesem Bereich – viele davon nur saisonal.
Brandenburgs Landwirtschaft bis heute ein Erbe der DDR
Trotzdem wird hier sehr effizient gearbeitet. Brandenburgs Bauern bewirtschaften fast 1,3 Millionen Hektar Land. Ein einzelner Betrieb kommt im Schnitt auf rund 240 Hektar – fast viermal so viel wie der Bundesdurchschnitt. In Bayern oder Baden‑Württemberg liegen die Flächen pro Hof bei nicht einmal 40 Hektar.
Der Grund liegt in der Geschichte: Brandenburgs Landwirtschaft ist bis heute ein Erbe der DDR. Viele der heutigen Großbetriebe sind aus den Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) hervorgegangen. Während im Westen meist kleine Familienhöfe über Generationen weitergegeben wurden, blieb im Osten die Großstruktur erhalten: effizient, aber personalarm.

Wirtschaftlich spielt die Landwirtschaft für Brandenburg trotzdem eine vergleichsweise große Rolle. Mit rund 1,4 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung liegt ihr Anteil über dem Bundesdurchschnitt – deutlich höher als in vielen westlichen Ländern.
Kurz gesagt: Auf Brandenburgs Feldern wird modern produziert, aber nach Strukturen, die vor Jahrzehnten entstanden sind. Die DDR ist Geschichte, aber auf dem Acker wirkt sie bis heute nach.
18.700 Tonnen Spargel in Brandenburg geerntet
Obwohl die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Brandenburg schrumpft, wird vor allem ein Gemüse weiterhin in riesigen Mengen angebaut – und gefuttert: Spargel! 18.700 Tonnen wurden im Jahr 2025 geerntet. Diese Menge hat sich in den vergangenen 25 Jahren mehr als verdreifacht: Im Jahr 2000 waren es „nur“ 5700 Tonnen.



