Im Alter von 88 Jahren

Trauer um Eberhard Riedel: Der alpine Superstar aus der DDR ist tot

Sein überraschender Sieg 1961 in Adelboden setzte Maßstäbe. Seine bescheidene Art hinterlässt ein bleibendes Erbe im deutschen Wintersport.

Author - Sebastian Krause
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Eberhard Riedel, der alpine Skirennfahrer aus der DDR, ist am Ostersonntag verstorben.
Eberhard Riedel, der alpine Skirennfahrer aus der DDR, ist am Ostersonntag verstorben.dpa

Trauer im Osten und im deutschen Sport. Eberhard Riedel ist tot. Der erfolgreichste alpine Skirennläufer der DDR ist am Ostersonntag nach „kurzer schwerer Krankheit im Alter von 88 Jahren friedlich eingeschlafen“. Das teilte sein Sohn Peter Riedel in einem Nachruf auf seiner Website mit.

Riedel schreibt 1961 alpine DDR-Geschichte

Für viele Wintersport-Fans bleibt Riedel der Mann, der 1961 alpine Geschichte schrieb. Völlig überraschend gewann er den Riesenslalom im Schweizer Adelboden – auf einer der berühmtesten und härtesten Pisten der Szene.

In Oberwiesenthal wächst eine Talentschmiede heran

Riedel nahm an gleich drei Olympischen Winterspielen teil: 1960 in Squaw Valley, 1964 in Innsbruck und 1968 in Grenoble. In Frankreich fuhr er im Slalom auf Platz 13 – seine beste olympische Platzierung.

Und doch erzählt sein Leben mehr als nur Zahlen. Während die Konkurrenz in den Alpen trainierte, kam Riedel aus dem Erzgebirge, aus Oberwiesenthal am Fichtelberg, wo sich in den 60ern eine alpine Talenteschmiede entwickelte. Riedel galt als Ausnahmeathlet, der sich mit Mut, Akribie und ungewöhnlichen Trainingsmethoden bis in die Weltspitze vorkämpfte.

Eberhard Riedel nahm dreimal an Olympischen Spielen teil. Hier ist er bei den Spielen 1964 in Innsbruck.
Eberhard Riedel nahm dreimal an Olympischen Spielen teil. Hier ist er bei den Spielen 1964 in Innsbruck.Horstmüller/imago

Privat drängt sich Riedel nicht in den Vordergrund

Riedel war ein DDR-Fahrer von Weltklasseformat, der die großen Namen seiner Zeit ärgerte. Trotz des Ruhms blieb er im Privaten offenbar genau so, wie ihn sein Sohn beschreibt. „Er war kein lauter Mensch, keiner, der sich in den Vordergrund drängte“, schrieb Peter Riedel.

„Er arbeitete, trainierte und kämpfte – still, konsequent und mit einem tiefen Respekt vor seinem Sport und seinen Mitstreitern.“ Nach der Einstellung der Förderung für den alpinen Skisport beendete Riedel seine Karriere. Es war ein Einschnitt, der in Oberwiesenthal bis heute als sportpolitische Zäsur gesehen wird. Denn der alpine Rennsport fiel damals aus der staatlichen Förderung, während andere Wintersportarten mit besseren Medaillenchancen höher priorisiert wurden.

Riedel trainiert kurzzeitig Jens Weißflog

Riedel blieb dem Sport dennoch treu: Nach seinem Studium in Leipzig war er als Trainer im Fußball und Skispringen aktiv. In Oberwiesenthal trainierte Riedel kurzzeitig den späteren Olympiasieger Jens Weißflog.

Sein Sohn Peter schilderte den Abschied sehr persönlich: „Ich habe mich im Krankenhaus noch von ihm verabschieden und ihm viele Sachen, die mir noch auf dem Herzen gelegen sind, sagen können“, schrieb Peter Riedel. Die Beerdigung werde im Rahmen der Familie stattfinden. Riedels ausdrücklicher Wunsch sei es gewesen, von Blumenspenden abzusehen und dafür den ASC Oberwiesenthal mit einer Spende zu unterstützen.

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