Wohnungsbau

Berlins Hochhäuser: Bis hierhin soll Schluss sein

Wie hoch darf Berlin wachsen? Der Bausenator erklärt, warum die Stadt in die Höhe baut – und wo die Grenze liegt.

Author - Sebastian Karkos
Teilen
Wo jahrelang ein Parkplatz war, entsteht nun dieses Hochhaus an der Mollstraße 22 in Friedrichshain.
Wo jahrelang ein Parkplatz war, entsteht nun dieses Hochhaus an der Mollstraße 22 in Friedrichshain.WBM

Hoch, immer höher. Berlin wächst und benötigt daher Wohnraum. Deswegen wird viel in die Höhe gebaut. Vor allem im Zentrum der Hauptstadt.

WBM baut Ein- und Zweizimmerwohnungen

Wie an der Mollstraße in Friedrichshain. Mittwoch fand dort der offizielle Baustart eines Elfgeschossers statt. Auf einem ehemaligen Parkplatz baut die WBM bis Ende 2027 84 Ein- und Zweizimmerwohnungen. Die Hälfte davon ist staatlich gefördert.

Das Haus ist groß, fügt sich aber in die Gegend ein, in der bereits Zehn- und Elfgeschosser stehen. „Ich glaube, es ist ein gutes Beispiel dafür, wie man Flächen gut ausnutzt, ohne neu zu versiegeln, und dabei die vorhandene Infrastruktur nutzt“, so Bausenator Christian Gaebler (61, SPD), der beim Spatenstich mit anpackte.

Doch im Gespräch mit dem KURIER gibt er zu: „Ich bin auch kein Freund davon, beliebig überall Hochhäuser in den Himmel wachsen zu lassen. Aber ich glaube, wenn wir flächensparend bauen wollen, müssen wir natürlich in die Höhe bauen.“

Das Thema Nachverdichtung bleibt aktuell, auch wenn Gaebler warnt: „Wir haben bereits eine ganze Menge Nachverdichtungen vorgenommen. Deshalb werden die verfügbaren Flächen auch weniger – sie sind nicht beliebig. Und wir müssen schon darauf achten, dass nicht alles zu dicht zugebaut wird.“

Christian Gaebler (M.) Mittwoch bei der Grundsteinlegung an der Mollstraße.
Christian Gaebler (M.) Mittwoch bei der Grundsteinlegung an der Mollstraße.Sebastian Karkos

So wie in der Nähe der Mollstraße, am Alexanderplatz. Dort entstehen derzeit mehrere Hochhausprojekte, wie der Hines Tower (ca. 150 Meter), das Covivio-Hochhaus (133 Meter) oder The Berlinian (146 Meter). Es gibt nicht wenige, denen das zu hoch ist – auch, weil man von einigen Seiten den Fernsehturm gar nicht mehr sieht.

Gaebler: „Die Hochhäuser stehen ja nicht direkt um den Turm herum. Und wenn ich mir den Alexanderplatz anschaue, sehe ich den Turm natürlich weiterhin, weil das Alexanderhaus und das Berolina-Haus nicht überbaut werden und auf der anderen Seite ebenfalls kein Hochhaus entsteht. Ich glaube daher, diese Bedenken kann man den Leuten nehmen.“

Der Alex ist eine Wolkenkratzer-Baustelle: Vom The Berlinian-Hochhaus sieht man den Bau des Covivio-Hochhaus (l.) und den Standort des Hines-Tower auf der Freifläche neben Saturn.
Der Alex ist eine Wolkenkratzer-Baustelle: Vom The Berlinian-Hochhaus sieht man den Bau des Covivio-Hochhaus (l.) und den Standort des Hines-Tower auf der Freifläche neben Saturn.Norbert Koch-Klaucke

Klar ist: Höher wird es laut Gaebler am Alex nicht mehr. „Ich glaube, das bleibt in einem Bereich von etwa 120 bis 150 Metern. Das war ja auch das Ergebnis des damaligen städtebaulichen Wettbewerbs.“

Ein anderes kontroverses Hochhausprojekt im Bezirk ist der geplante Wohnturm an der Warschauer Straße. 167 Meter hoch soll er werden. Über 1000 Wohnungen sollen entstehen, 30 Prozent davon gefördert.

So sieht der Wohnturm an der Warschauer Straße aus, von Kreuzberg aus gesehen. Die Stadt wächst. Nach oben.
So sieht der Wohnturm an der Warschauer Straße aus, von Kreuzberg aus gesehen. Die Stadt wächst. Nach oben.Henning Larsen Architects

Gaebler ist ein Verfechter des Projekts und sagt: „Das Thema Hochhaus ist ja immer eines, über das auch ein bisschen ideologisch diskutiert wird. Das kann ich sogar ein Stück weit verstehen, weil es natürlich eine deutliche Veränderung ist. Andererseits muss man sagen: Ob ein Haus nun 120 oder 160 Meter hoch ist, merkt man, wenn man davor steht, überhaupt nicht.“

Der Senator fügt an: „Zu sagen, das Haus sei so hoch, und sich dann über 90, 120 oder 160 Meter zu ereifern – 90 Meter würden sie ja auch nicht gut finden.“

Der Wohnturm könnte das Gesicht in Friedrichshain verändern. Er würde zu den größten Gebäuden in Berlin zählen.
Der Wohnturm könnte das Gesicht in Friedrichshain verändern. Er würde zu den größten Gebäuden in Berlin zählen.Henning Larsen Architects

Aber: Der 167-Meter-Wohnturm ist auch eine Art Kompromiss. Gaebler: „Ob das nun so hoch sein muss oder nicht, sind natürlich immer wirtschaftliche Fragen. Wenn ich damit aber einen siebengeschossigen Sozialwohnungsbau ermögliche, ist das vielleicht ein Wert, den man für 360 Sozialwohnungen in Kauf nehmen muss. Ich glaube daher, das ist eine Diskussion, die man einfach aushalten muss. Und ich glaube, das wird eher die Ausnahme bleiben.“

Berlin knackt 2040 die 4-Millionen-Grenze

Aber Berlin wächst weiter. 2040 könnte die Vier-Millionen-Grenze erreicht werden. Deswegen muss weiter gebaut werden. Gaebler: „Wenn man sich andere Städte anschaut, die ebenfalls ein Flächenproblem haben – etwa Singapur –, dann sieht man, dass dort auch Hochhäuser gebaut werden. Dort gibt es zudem sehr innovative Überlegungen, wie Grünflächen, Regenwasser und Ähnliches integriert werden.“

Apropos Singapur: Gaebler nimmt Mitte Juni im hochverdichteten Stadtstaat am „World Cities Summit“ teil. Er sagt: „In Berlin haben wir traditionell eben nicht so viele Hochhäuser, und deshalb müssen wir damit, glaube ich, erst einmal Erfahrungen sammeln.“

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Wie sehen Sie den Hochhaus-Boom in der Hauptstadt?
Bitte schreiben Sie uns:
leser-bk@berlinerverlag.com