Er ist noch nicht fertig und trotzdem schon eine Berühmtheit. Jeder schaut auf den Wolkenkratzer neben dem Galeria-Kaufhaus am Alexanderplatz hoch, um zu sehen, wie er den Berliner Fernsehturm schluckt. Doch der wirkliche Wahnsinn tobt ganz oben! Um ihn zu erleben, muss man aber 146 Meter rauf auf die höchste Baustelle am Platz und darf vor allem keine Höhenangst haben!
Wolkenkratzer am Alex: Besuch beim Fernsehturm-Killer
Das KURIER-Team hat keine Angst und darf rauf auf den Wolkenkratzer. Mit dabei: Hans-Jürgen Bendel, der den Bau für den Bauherrn Commerz-Real leitet.
Bauhelm auf, Warnweste und Sicherheitsschuhe an – doch bevor es nach oben geht, ist ein Sicherheitsscheck notwendig. Erst vor Wochen haben es junge Männer geschafft, auf den Baukran zu klettern, um ein Instagram-Video zu drehen.

Wir klettern nicht. Wir benutzen einen der beiden Außenfahrstühle des Alex-Wolkenkratzers, die wie riesige Blechbüchsen aussehen. Mit diesen Lifts, die eine Last von 3,5 Tonnen befördern können, werden unter anderem die letzten Fensterteile für die noch nicht verglasten Etagen der Turmspitze transportiert. Bei unserer Fahrt steigen Bauleute ein, die zu ihren Arbeitsplätzen wollen.

„Etwa 250 Menschen arbeiten derzeit auf der Baustelle“, sagt Projektleiter Bendel. „Bald werden es 500 Leute sein, wenn die Innenausbauarbeiten beginnen.“ Woher sie kommen? Etwa aus Frankfurt/Main, aus der deutschen Metropole, in der Wolkenkratzer zum Stadtbild gehören.
Mit sieben Metern pro Sekunde aufs Wolkenkratzer-Dach
Am Alex-Wolkenkratzer geht es nun mit dem Lift mit einem Tempo von sieben Metern pro Sekunde zur Spitze des Wolkenkratzers. Leicht ruckelig fühlt sich die Fahrt an, die mit einem Wow-Effekt in der 34. Etage endet.
Denn kaum ist die Lifttür geöffnet, ist ein alter Bekannter wieder da! In der 34. Etage des „The Berlinan“-Turms spuckt der Wolkenkratzer den Fernsehturm aus. Zum Greifen nah und noch viel schöner steht das Berliner Wahrzeichen vor uns.

Doch der atemberaubende Anblick ist mit Vorsicht zu genießen. Wie gesagt, die Fenster fehlen noch. Absperrungen sichern die freien Stellen. Und die Bauleute, die da oben sind, haben Wichtigeres zu tun, als auf den Fernsehturm zu schauen.
Oder auf der Gegenseite zu sehen, wie neben dem Hotel Park Inn der zweite Wolkenkratzer des französischen Unternehmens Covivio in die Höhe wächst.

Vor der aufregenden Berlin-von-oben-Kulisse werkeln die Bauarbeiter nicht nur daran, dass dort bald Fenster eingebaut werden. Sie fertigen eine der aufregendsten Dachterrassen der Stadt mit dazugehörigen Konferenz- und Eventräumen. Jede Menge technische Teile stehen schon auf der Plattform der 34. Etage bereit, die unter anderem in Belüftungssystemen Verwendung finden.
Der Blick von der künftigen Dachterrasse: Man sieht auf die Museumsinsel, auf den Reichstag bis hin zur City-West mit dem Kudamm und dem Funkturm. Ostseits fällt der Blick auf das Scheunenviertel, den Prenzlauer Berg bis weit in das brandenburgische Umland, wenn es das Wetter erlaubt.
Bendel ist stolz auf die Bauleute und was sie geleistet haben. In nur 18 Monaten hätten sie das Gebäude in die Höhe gezogen. Ein Rekord.
Wolkenkratzer am Alex: Keine Wohnungen, nur Büros
Im Wolkenkratzer werden nur Menschen arbeiten. „In dem Turm entstehen keine Wohnungen, sondern Büros. Es werden nur Firmen einziehen“, sagt Projektleiter Bendel. „Die Vermarktung läuft.“ Insgesamt soll eine Fläche von 40.000 Quadratmetern vermietet werden.

Seit dem Richtfest im Januar läuft in den Etagen der Innenausbau der Büros auf Hochtouren. Sie entstehen quasi um den Innenkern des Wolkenkratzers herum, in dem sich Räume für technische Anlagen, Toiletten und die Zugänge zu den sechs Fahrstühlen und der Fluchttreppe im Wolkenkratzer befinden. Zwei weitere Aufzüge gibt es im anschließenden Sockelbau.

Noch bieten die Büroflächen, in denen es auch Küchen geben soll, einen trostlosen Anblick. Auch das werden die Bauarbeiter ändern, die in den nächsten Monaten auf den 34 Etagen viel zu tun haben.
Wolkenkratzer am Alex: Im Mai 2027 ist Eröffnung
Jede Menge Leitungen müssen verarbeitet und Fußbodenplatten verlegt werden. Spezialdecken werden in den Etagen montiert, die für eine automatische Belüftung, Kühlung oder Beheizung der Büroräume sorgen sollen.

„Das ist in etwa die Basisausstattung“, sagt Projektleiter Bendel. „Die eigentliche Ausgestaltung geschieht nach den Wünschen der künftigen Mieter.“ In der Regel werden pro Etage ein bis zwei Unternehmen einziehen.

Wer dort nicht arbeitet, bekommt einen Einblick in das Innere des ersten Alex-Wolkenkratzers nur über den siebengeschossigen Sockelbau. Er grenzt an das Galeria-Warenhaus an. Im Gebäude entstehen Restaurants, Geschäfte und eine Dachterrasse. Das zehn Meter hohe Erdgeschoss dient als Eingangsportal für Besucher und diejenigen, die in dem Büroturm arbeiten.



