Es ist eines der umstrittensten Berliner Bauprojekte überhaupt. Am Bahnhof Warschauer Straße soll ein 167 Meter hoher Wohnturm entstehen. Das Projekt hat nicht überall Freunde. Das ist Mittwochabend bei der Einwohnenden-Versammlung an der Corinthstraße in Friedrichshain zu spüren.
Senat und Bezirk sind unterschiedlicher Meinung
Unter anderem zu Gast: Bausenator Christian Gaebler (SPD) und der Bezirksstadtrat für Bauen, Florian Schmidt (Grüne). Der eine für das Mega-Projekt, der andere dagegen.
Zur Erinnerung: Im April 2025 entzog der Senat dem Bezirk die Zuständigkeit für das Vorhaben. Zur Begründung hieß es damals, es liege ein „übergeordnetes Gesamtinteresse des Wohnungsbaus“ vor. Der Bezirk sah darin einen massiven Eingriff in seine Planungshoheit.
Das neue Wohnhaus in der Rudolfstraße wird das Gesicht des gesamten Bezirks verändern. Zwangsläufig bei dieser Größe. Der Wohnturm würde in der Hauptstadt nur vom Neubau des Estrel Towers (176 Meter) in Neukölln übertroffen. Zum Vergleich: Das Park‑Inn‑Hotel am Alexanderplatz misst 125 Meter.

Das Gebäude soll 52 Etagen haben. Geplant hat das Projekt die Berliner Atrium Development Group GmbH, das Architektenbüro Henning Larsen mit Hauptsitz in Kopenhagen übernimmt die Umsetzung. Florian Schmidt spricht von einem „Spekulationsobjekt“ und einem „Luxusturm“. Wohnungen in dem Hochhaus werde sich wohl kaum ein durchschnittlicher Berliner leisten können.
30 Prozent der Wohnungen sind gefördert
Als „Ausgleich“ wird der Investor auch sozial geförderte Wohnungen anbieten – im Sockelbau. Insgesamt sollen knapp mehr als 1000 Wohnungen entstehen, 30 Prozent davon gefördert. Vorgesehen sind Ein‑ bis Sechs‑Zimmer‑Wohnungen. Christian Gaebler sagt dazu: „Wir schaffen bezahlbaren Wohnraum, querfinanziert durch das andere Projekt.“ Heißt: Das eine funktioniert nicht ohne das andere.

Das will der Großteil der rund 250 Anwesenden am Mittwoch jedoch nicht hören. Die Stimmung ist hitzig. Nicht zu überhören, dass einige allein gekommen sind, um ihrem Frust Luft zu machen, besonders während der Diskussionsrunde am Ende.
Der Senator kann die Kritik an dem Projekt nicht nachvollziehen und spricht von einem „Grundsatzhass Hochhaus“.

Bei vielen Anwohnenden herrscht Angst. Nicht nur vor der Größe des Projekts. Ihre Befürchtung: Steht der Wohnturm erst einmal, folgen weitere (Luxus‑)Hochhäuser. Die Folge: Verdrängung.
Zu dem Projekt gehört außerdem ein Hotel mit 225 geplanten Zimmern. Es handelt sich also um ein echtes Mega‑Vorhaben.



