Gute Nachrichten für Bahnreisende: Ab 1. Mai fährt wieder ein Zug ohne Umsteigen von Berlin nach Kopenhagen. Nach Jahren der Pause gibt es damit erneut eine direkte Verbindung zwischen den beiden Hauptstädten. Doch die Euphorie wird schnell gebremst: Die Fahrt dauert länger als früher – sogar länger als zu DDR‑Zeiten. Wie kann das sein?
Täglich von Berlin nach Kopenhagen
Die Tschechische Bahn (ČD) startet gemeinsam mit der Deutschen Bahn (DB) und den Dänischen Staatsbahnen (DSB) eine direkte, tägliche Verbindung von Prag über Dresden, Berlin und Hamburg bis nach Kopenhagen.

Der moderne Zug der tschechischen Bahn wird täglich verkehren – und sieben Stunden und 42 Minuten unterwegs sein.
Es war einmal der Ostsee-Express
Zu DDR‑Zeiten war die Strecke Berlin–Kopenhagen eine Prestige‑Verbindung. Die Züge der Deutschen Reichsbahn fuhren von Berlin über Rostock direkt nach Warnemünde, rollten dort auf eine Eisenbahnfähre und setzten nach Gedser in Dänemark über.
Danach ging es weiter nach Kopenhagen – schnell, ohne große Umwege. Insgesamt war die Reise mit sieben Stunden und 17 Minuten 25 Minuten kürzer als heute.

Im September 1995 endete der Eisenbahnfährbetrieb zwischen Gedser und Warnemünde, der Ostsee-Express wurde eingestellt. Seitdem müssen Züge einen deutlich längeren Weg nehmen: über Hamburg, Flensburg, Jütland, Fünen und Seeland. Der Weg ist, schlicht gesagt, ein Umweg – auch mit modernen Fahrzeugen.
Reichsbahn hatte Vorrang – unsere Fernzüge nicht
Hinzu kommt: Die Reichsbahn fuhr damals auf politisch priorisierten Korridoren. Internationale Verbindungen hatten Vorrang, Grenz‑ und Sicherheitsverfahren waren vereinfacht, der Fahrplan staatlich durchgesetzt.
Heute sieht das anders aus. Die Bahn muss sich in ein komplexes europäisches Netz einfügen. Güterzüge, nationale ICE‑Trassen und regionale Verkehre haben oft Vorrang. Internationale Fernzüge laufen mit – haben aber selten Spitzenpriorität.


