Regionalverkehr im Winter

Kürzere Züge sorgen für massiven Frust

Bald minus 17 Grad. Eis, Schnee, eingefrorene Weichen. Als Benutzer des ÖPNV wird es gerade zur Frost- und zur Frustprobe.

Author - Stefan Tappert
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Kurz danach stiegen noch einmal so viele Menschen ein
Kurz danach stiegen noch einmal so viele Menschen einStefan Tappert

Schlechtes Wetter kann passieren. Winter ist keine Überraschung. Aber was nicht passieren sollte, ist,  dass der öffentliche Nahverkehr in dieser Lage zur täglichen Mutprobe wird.

Mehr Frost, weniger Wagen beim Regio

Züge fallen aus. Regelmäßig. Und die, die dann tatsächlich kommen, rollen gern mal in verkürzter Wagenlänge ein. Bestes Beispiel: die RE7. Jeden Tag ein neues Abenteuer. Man weiß nie: Kommt sie? Kommt sie halb? Oder kommt sie gar nicht – und man darf am Bahnsteig philosophisch werden, wie sich die Verkehrswende eigentlich anfühlen soll.

Die Folge ist kein Chaos aus Ignoranz, sondern aus schlichter Überfüllung. Menschen stehen die komplette Fahrt, Schulter an Schulter, Atemwolken im Gesicht. Auf den Bahnsteigen wird nicht gedrängelt, weil alle so rücksichtslos wären, sondern weil schlicht kein Platz mehr ist. Wer nicht schnell genug ist, bleibt stehen. Im Frost. Und wartet auf die nächste Hoffnung mit offenem Ausgang.

Kürzere Regionalbahnen sorgen für massiven Frust bei Reisenden.
Kürzere Regionalbahnen sorgen für massiven Frust bei Reisenden.www.imago-images.de

Eine Mitfahrgarantie gibt es nicht

Und genau hier wird’s absurd: Seit Jahren wird der öffentliche Personennahverkehr als Rückgrat der Verkehrswende beschworen – völlig zu Recht. Aber wie soll man Menschen überzeugen, vom Auto umzusteigen, wenn man morgens Lotto spielt? Heute Sitzplatz? Heute Stehplatz? Heute gar kein Zug? All das erfährt man, wenn überhaupt, im letzten Moment.

Es geht nicht um Bahn-Bashing. Wirklich nicht. Es geht um Logik. Wenn die wettertechnischen und verkehrlichen Umstände ohnehin maximal angespannt sind – warum kürzt man dann noch Züge? Warum nimmt man ausgerechnet dann Kapazität raus, wenn sie am dringendsten gebraucht wird?

Winter kann man nicht abstellen. Aber Planungslosigkeit schon.
Verkehrswende heißt Verlässlichkeit – nicht Durchhalteparolen im Schneesturm.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Stecken Sie auch im morgendlichen Gedränge? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com