Seine Band wird Ende des Jahres 50. Er selbst ist 75 Jahre alt geworden. Zwei Gründe, warum Wolfgang Niedecken gerade mächtig in Erinnerungen schwelgt. Auch über seine Zeit, als er mit seiner Kölsch-Rockband BAP in der DDR war. Da ging es damals nicht nur um das geplatzte Konzert im Palast der Republik. Im KURIER-Gespräch erzählt Niedecken exklusiv, dass er 1984 ein unerwartetes Aufeinandertreffen mit der Volkspolizei hatte. Beinahe wäre er verhaftet worden.
BAP-Chef Wolfgang Niedecken erinnert sich an die DDR
Wir treffen Niedecken am Sony-Center nahe des Potsdamer Platzes. Es herrscht geschäftiges Treiben zwischen den Hochhäusern. Vor 35 Jahren war hier noch eine riesige Brache. Ein Todesstreifen mit Panzersperren und der Berliner Mauer, die das Land, die Stadt in zwei Hälften teilte.
Etwa 800 Meter weiter befindet sich das Brandenburger Tor. Ganz in der Nähe, auf der Ostseite Berlins, hatte Wolfgang Niedecken damals ein unerwartetes Treffen mit der DDR-Volkspolizei.

Januar 1984. BAP gehört zu den angesagtesten Bands im Westen Deutschlands. Auch in der DDR ist die Kölner Truppe auf Erfolgskurs. Bei der staatlichen Plattenfirma Amiga erscheint das Mega-Album „Vun drinne noh drusse“.
Nun sollen BAP auch in der DDR spielen – 14 Konzerte in 13 Städten. Am 14. Januar 1984 sollte die erste Show im Palast der Republik stattfinden.

„Zwei Nächte vor dem Konzert kamen wir in Ost-Berlin an“, sagt Wolfgang Niedecken. Die Band steigt im Hotel Unter den Linden ab. Nach dem Einchecken wollen Wolfgang Niedecken und der Percussionist auf dem Pracht-Boulevard Unter den Linden noch mit dem Hund des Musikers Gassi gehen.
Sie haben ein Ziel. „Zum nahen Brandenburger Tor wollten wir einen Spaziergang machen“, sagt Niedecken. „Von West-Berlin aus hatten wir damals ja nur die Rückseite sehen können. Nun wollten wir auch einmal die Vorderseite des Brandenburger Tors bestaunen.“ Klingt alles nach einem harmlosen Spaziergang.
DDR-Polizei stoppte BAP-Chef vorm Brandenburger Tor
Doch das war es eben nicht. „Wir waren gerade an der damaligen sowjetischen Botschaft, als neben uns ein Polizeiwagen der DDR auftauchte und unseren Spaziergang stoppte“, sagt Niedecken. „Die Beamten fragten uns, was wir hier machen würden. Dann wollten sie unsere Papiere sehen. Wir hatten ja keine Ahnung, dass wir uns schon fast im Sperrgebiet in Richtung Mauer befanden.“

Niedecken erzählt, wie er versuchte, den Volkspolizisten die Situation zu erklären. „Sie wussten nicht, wen sie vor sich hatten. Sie haben uns gar nicht erkannt. Ich sagte ihnen, dass wir von der Band BAP sind und im Palast der Republik spielen werden.“
Die Kontrolle nahm zum Glück ein friedliches Ende. „Das war schon eine unangenehme Situation. Man muss sich das mal vorstellen, dass wir beinahe verhaftet worden wären, nur weil wir das Brandenburger Tor einmal von der richtigen Seite aus sehen wollten.“
Kritik an Fan-Lied: BAP sagt DDR-Tour ab
Vielmehr unangenehmer und schlimmer war dann das, was am Tag darauf folgte. Die DDR-Kulturfunktionäre hatten sich den Text des BAP-Liedes „Deshalv spill mer he“ („Deshalb spielen wir her“) genau unter die Lupe genommen. Den Song hat die West-Band extra für ihre Fans aus dem Osten geschrieben.

Im Song singen sie über den damaligen Rüstungswahnsinn in Ost und West, und sie kreiden auch dem DDR-Regime („Clique der Volksvertreter“) diesen an. Klar, das Lied passte den DDR-Funktionären nicht. BAP sollte das Lied aus dem Programm nehmen.
Das wollte die Band nicht. Am Ende reiste BAP ab. Für die Westrocker mussten dann die Puhdys im Palast der Republik als Ersatz auftreten.


