BAP feiert in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag. Da werden bei Band-Chef Wolfgang Niedecken (75) Erinnerungen wach. Auch an die geplante DDR-Tour, die 1984 platzte. Jetzt erzählt Wolfgang Niedecken dem KURIER, was damals wirklich geschah, und warum er aus dieser Zeit sogar noch ein ganz besonderes Souvenir aus Ost-Berlin hat.
Der BAP-Chef und ein ganz besonderes DDR-Souvenir
Alles fängt mit einem 20 Jahre alten Foto aus dem KURIER-Archiv an. Es zeigt den BAP-Sänger in der Reception des Hotels „Unter den Linden“ im Februar 2006.
Der Grund seines damaligen Besuches: Er wollte noch einmal die Herberge sehen, bevor sie damals für den Neubau eines Bürohauses abgerissen wurde. Denn in diesem legendären Interhotel waren BAP abgestiegen, als sie im Januar 1984 in der DDR spielen wollten.
Auf dem Foto von 2006 ist zu sehen, wie Niedecken sich einen Hotelschlüssel anschaut. „Genauso einen habe ich auch noch zu Hause“, sagt der BAP-Frontmann heute. „Wir sind damals so schnell abgereist, dass ich vergaß, den Zimmerschlüssel abzugeben.“ Wie es dazu kam, erzählt der Musiker natürlich auch.

Es ist Januar 1984. BAP zählt zu den populärsten Bands im Westen Deutschlands. Auch in der DDR feiert die Kölner Gruppe große Erfolge. Bei der staatlichen Plattenfirma Amiga erscheint das Erfolgsalbum „Vun drinne noh drusse“.
Nun ist geplant, dass BAP auch in der DDR auftritt – 14 Konzerte in 13 Städten. Am 14. Januar 1984 sollte der Auftakt im Palast der Republik bei der Veranstaltung „Rock für den Frieden“ in Berlin über die Bühne gehen.
Die wahren Gründe, warum BAP nicht in der DDR spielte
„Für die Tour haben wir extra einen neuen Song geschrieben – für unsere Fans in der DDR“, sagt Niedecken. „Deshalv spill mer he“ („Deshalb spielen wir hier“) heißt das Lied, und es handelt davon, wie sich BAP freut, nun auch vor ihren Fans im Osten Deutschlands auftreten zu können.
Die erste Version von „Deshalv spill mer he“ war eigentlich harmlos, hätte auch nicht die DDR-Kulturfunktionäre verärgert, meint Niedecken. Alles schien bestens zu sein.
Doch wie das DDR-Regime wirklich tickte, erfährt BAP dann Wochen vor der Tour bei einem Auftritt in der DDR-Fernsehjugendsendung „rund“. „Das war in Magdeburg. Wir sollten drei Playback-Stücke spielen und ein Interview geben“, sagt Niedecken.

Was für die Band völlig neu ist: „Man machte mit uns Interviewproben“, sagt Niedecken. „Der Moderator versuchte immer wieder, uns in eine ganz bestimmte Ecke zu drängen.“
Fragen wurden gestellt, die sich auch um den damaligen Rüstungswahnsinn in Ost und West drehten. Von BAP hätte man gerne gehört, dass die sowjetischen Nuklearraketen (SS20) Friedensraketen sind und die Pershing der Amerikaner nicht.
„Solche einstudierten Interviews kann man mit mir nicht machen“, sagt Niedecken. „Ich glaube, die DDR-Funktionäre hatten uns falsch eingeschätzt. Sie dachten, BAP wäre so eine Art DKP-Polit-Rock-Band, die sich ganz einfach vor den Karren spannen lässt. Wir haben uns hereingelegt gefühlt.“
BAP-Chef: „Wir fühlten uns von der DDR hereingelegt“
BAP spielt drei Songs in der TV-Sendung. Das Interview gibt es aber am Ende nicht. Doch der Fernsehauftritt hat Folgen. „Daheim in Köln haben wir aufgrund der Erfahrungen in Magdeburg unseren Song ,Deshalb spielen wir hier‘ umgeschrieben“, sagt Niedecken.
Die Neufassung prangert deutlich das DDR-Regime an. „Das an die Clique, die sich Volksvertreter nennt: Uns bekommt ihr vor keinen offiziellen Karren gespannt“, heißt es.
Die Band macht klar, dass sie auch nicht die einseitige Friedenspolitik der DDR unterstützt. Im Gegenteil: In dem Lied werben BAP für die Friedensbewegung aus den oppositionellen Kirchenkreisen in der DDR, deren Motto „Schwerter zu Flugscharen“ ist.
Kritischer BAP-Song passte den DDR-Funktionären nicht
Der neue Song wird auf einem Vorbereitungskonzert für die DDR-Tour in der Bundesrepublik gespielt. „Wir wussten, dass im Publikum auch zwei DDR-Kulturfunktionäre sitzen. Da wir den Song auf Kölsch sangen, konnten sie den Text nicht verstehen. Keiner von uns hat damit gerechnet, dass das alles noch Konsequenzen haben würde.“

Doch als BAP im Januar 1984 im Hotel „Unter den Linden“ in Ost-Berlin ankommt, wollen am Vorabend des ersten DDR-Konzertes die Kulturfunktionäre ganz genau wissen, um was es in dem neuen BAP-Song geht. Der Tipp? Der Text wird ins Hochdeutsche übersetzt.
„Die Funktionäre wollten, dass wir das Lied aus dem Programm nehmen. Das wollten wir aber nicht. Im Hotel gab es lange Gespräche mit den Funktionären. Doch wir gaben nicht nach, reisten ab“, sagt Niedecken.
Statt BAP standen am Abend die Puhdys auf der Bühne im Palast der Republik. „Für die Puhdys war das auch keine einfache Situation“, sagt Niedecken. Vor allem müssen sich die Ostrocker anhören, wie ein Moderator nicht gerade freundlich dem Saalpublikum erklärt, warum BAP nicht in der DDR spielt. „Wir dachten, wir hätten Freunde zu uns eingeladen“, tönt der Moderator.
Doch BAP ziehe es vor, nun „nicht unter dem Symbol des Friedens“ zu spielen. Einige Passagen liest er von einem Zettel ab, auf dem die vordiktierte Staatsmeinung zu dem Eklat steht.




