Vor 80 Jahren wurde die DEFA gegründet, und sie war der erste Star der späteren DDR-Traumfabrik: Hildegard Knef (1925–2002). Für den ersten deutschen Nachkriegsfilm „Die Mörder sind unter uns“ stand sie als Hauptdarstellerin im Frühjahr 1946 vor der Kamera. Es war die Geburt eines Weltstars, der auch bei der DEFA eine glanzvolle Karriere hätte hinlegen können. „Doch Hilde mochte das DDR-Regime nicht“, sagt Witwer Paul von Schell (85) im exklusiven KURIER-Interview.
Hildegard Knef: Wie sie zur DEFA kam
25 Jahre lang verheiratet. Bis zu ihrem Tod (2002) war Hildegard Knef mit Paul von Schell zusammen. Es berührt ihn, dass man jetzt zum 80. DEFA-Jubiläum noch immer an seine Hilde erinnert. An eine großartige Berliner Schauspielerin und Sängerin, die im vergangenen Dezember 100 Jahre alt geworden wäre.
Sie war gerade 20, als Hildegard Knef für den ersten DEFA-Film vor der Kamera stand. „Dabei war sie eigentlich noch Schauspielschülerin“, sagt Paul von Schell. Denn Hildegard Knef, ausgebildete Trickfilmzeichnerin, hatte noch vor Kriegsende die Ufa-Filmschule in Babelsberg besucht. Die Ausbildung war streng genommen noch nicht beendet.

Nach dem Krieg lag der Potsdamer Stadtteil mit seinem berühmten Filmstudio in der sowjetischen Besatzungszone. Aus den einstigen Ufa-Ateliers machten die Sowjets die erste Filmfabrik im Nachkriegsdeutschland – die DEFA. Doch bevor sie am 17. Mai 1946 gegründet wurde, begann im März bereits Regisseur Wolfgang Staudte mit den Dreharbeiten für den ersten DEFA-Film „Die Mörder sind unter uns“.
Ein Film, der mit der braunen Zeit abrechnen sollte: Vor allem die Hauptdarsteller sollten nicht mit der Nazi-Vergangenheit in Zusammenhang gebracht werden. „Wolfgang Staudte ging unter anderem zu Boleslaw Barlog, dem Intendanten des Schloßpark-Theaters, um nach unverbrauchten Gesichtern zu suchen. Und dort fand er Hilde“, sagt von Schell.

Wie gesagt, ihre Ausbildung war noch nicht beendet. Aber Hildegard Knef stand schon auf einer Theaterbühne. „Man hatte bereits damals ihr Ausnahmetalent erkannt“, sagt von Schell. „So etwas wie sie gab es kein zweites Mal in Deutschland. Hilde wollte Schauspielerin werden. Es war ihr Ziel. Und sie zog es durch. Mit Erfolg.“
Erster DEFA-Film: Das Anschauen war Pflicht in den USA
Warum sich Wolfgang Staudte für Hildegard Knef entschied? Paul von Schell sagt: „Sie hatte nicht das zuckersüße Gesicht, das man von den Ufa-Stars kannte. Ihr schlichtes, schönes Aussehen, wie sie so in dem Film durch das zerbombte Berlin ging, war genau richtig. Ihr Gesicht stand stellvertretend für die damaligen Trümmerfrauen, die nach dem Krieg begannen, das Land wieder aufzubauen.“

„Die Mörder sind unter uns“ machte Hildegard Knef deutschlandweit bekannt – und auch international. „Was kaum einer weiß: Der Film galt in den USA als Insidertipp“, erzählt Paul von Schell. „Ihn sich anzuschauen, war damals an amerikanischen Filmschulen sogar Pflicht. Vor allem Schauspielstudentinnen mussten ihn sich ansehen. Hilde war zeitlebens stolz auf diesen Film.“
Hildegard Knef: Darum verließ sie die DEFA
Und doch kehrte sie der DEFA den Rücken. Ein Grund war die Liebe zu dem US-Kontrolloffizier Kurt Hirsch, den sie 1947 heiratete und mit dem sie in die USA auswanderte. Die Ehe hielt nur fünf Jahre.
Dafür drehte sie Filme. Sie ist neben Gregory Peck in dem Hollywood-Klassiker „Schnee am Kilimandscharo“ (1952) zu sehen. Mit „Die Sünderin“ (1951) oder „Jeder stirbt für sich allein“ (1976) schrieb Hildegard Knef (west)deutsche Filmgeschichte.
Sie wurde als erster deutscher Filmstar nach dem Krieg gefeiert. Sie spielte am Broadway, war eine der erfolgreichsten deutschen Chansonetten. „In allem, was sie gemacht hat, war sie immer hundertprozentig bei der Sache. Hilde schaute immer nach vorn und wollte weiterkommen. Darum blieb sie auch nicht bei der DEFA“, sagt Paul von Schell.
DEFA-Star Hilde Knef: Darum mochte sie die DDR nicht
„Sie liebte die Freiheit“, sagt ihr letzter Mann. „Hilde hasste Diktaturen. Sie wollte nicht dort sein, wo Menschen unterdrückt werden. Darum besuchte sie auch nicht die DDR. Sie mochte die Menschen, aber nicht das System, in dem sie lebten.“ Zumal der Weltstar auch glaubte, dass sie in der DDR seitens der Oberen gar nicht erwünscht war, wie Paul von Schell erklärt.
„Ihre Lieder wurden im Radio nicht gespielt. Ihre Platten gab es nicht“, sagt er. „Auch Hildes Buch ‚Der geschenkte Gaul‘ erschien nicht in der DDR. Möglicherweise, weil sie in ihren Lebenserinnerungen auch das sowjetische System in der damaligen Besatzungszone kritisierte.“ Es schien, als wolle man in der DDR nicht mehr an den ersten DEFA-Star erinnern.



