Wetter immer verrückter

Eiseskälte im Anmarsch, doch neue Prognosen machen stutzig

Noch immer hängt das Kältehoch über Osteuropa fest. Aber: Kann man den Prognosen noch trauen? Jetzt deutet sich eine Überraschung an.

Author - Florian Thalmann
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Kommt der Winter noch einmal mit voller Kraft - oder steht doch der Frühling vor der Tür? Das wird sich erst in ein paar Tagen zeigen.
Kommt der Winter noch einmal mit voller Kraft - oder steht doch der Frühling vor der Tür? Das wird sich erst in ein paar Tagen zeigen.Jens Kalaene/dpa

Wer am Dienstagmorgen das Haus verlassen hat, den erwartete ein wahrer Kälteschock! Bibbertemperaturen im zweistelligen Minusbereich sorgten für Arktis-Feeling sogar auf den Straßen Berlins. Dazu noch ein kalter Wind: Die Eiseskälte war kaum auszuhalten! Dazu die massive Glätte auf den Straßen. Das Eis, das einfach nicht verschwinden will. Da fragen sich viele: Ist das nur ein Vorgeschmack auf die Auswirkungen des Kältehochs über Osteuropa – und wie schlimm wird es noch?

Eiseskälte über Osteuropa hält sich hartnäckig

Seit Wochen schon überschlagen sich die Prognosen, denn über Osteuropa hält sich ein hartnäckiges Kältehoch. Dessen Ausläufer erreichten schon Deutschland – vor allem der Nordosten bekommt aufgrund der Nähe zu Russland die extreme Eiseskälte deutlich zu spüren. Ein vollkommen anderes Bild hingegen im Südwesten Deutschlands: Die Region ist maximal weit entfernt vom Kältehoch, weshalb die Werte hier teilweise schon beinahe im frühlingshaften Bereich liegen.

Da zittern viele nicht nur aufgrund der Kälte, sondern fragen sich auch: Wie schlimm wird es noch? „Der kalte Nordosten ist deutlich zu kalt für die aktuelle Jahreszeit“, erklärte jetzt Meteorologe Dominik Jung von wetter.net. Im Südwesten das komplette Gegenteil – hier ist es sogar zu warm für die aktuelle Jahreszeit. „Und das bleibt auch erstmal so: Aus Osteuropa strömen weiterhin kalte Luftmassen in den Osten und Norden von Deutschland. Und aus dem Westen kommen die milderen Luftmassen Richtung Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Baden-Württemberg an.“

Berlin kämpft mit Eis und Frost: Am Dienstag wurden viele am Morgen von der extremen Kälte überrascht.
Berlin kämpft mit Eis und Frost: Am Dienstag wurden viele am Morgen von der extremen Kälte überrascht.Fabian Sommer/dpa

Aktuell soll sich am Wetter wenig ändern. Nach den Bibber-Temperaturen am Dienstag wird es auch am Mittwoch kalt. „Wer den Vorfrühling sucht, findet ihn im Südwesten bei Sonnenschein und bis zu 10 Grad – und wer den Winter sucht, findet ihn im Nordosten“, sagt Dominik Jung. „Bei minus 5 Grad und dichten Wolken bleibt es hier eisig kalt.“ Auch am Donnerstag wird es bitterkalt, dazu kann es sogar wieder regional etwas Schnee geben. Im Nordosten könnte es etwas milder werden, die Temperaturen nur leicht unter den Gefrierpunkt fallen. Das Wochenende bleibt dann ganz ähnlich – milde Werte im Südwesten, frostiger Winter im Nordosten.

Kälte oder Frühling? Bis Mitte Februar passiert nicht viel

Auch die Ensembleprognosen zeigen: Bis Mitte Februar passiert beim Wetter nicht viel. Der Nordosten könnte sich zwischendurch leicht aufwärmen, aber nur kurz. Allerdings muss man die Hoffnung auf einen Wetterwechsel noch nicht aufgeben: Auch im Osten zeigt sich in den Vorhersagen eine sehr breite Streuung. Zwar ist zu sehen, dass zahlreiche Vorhersage-Läufe Temperaturen unter dem Gefrierpunkt zeigen, allerdings liegen auch viele über der Null-Grad-Marke.

Die extreme Kälte bringt auch Glätte mit sich - und die macht in Berlin vielen zu schaffen.
Die extreme Kälte bringt auch Glätte mit sich - und die macht in Berlin vielen zu schaffen.Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Was das konkret bedeutet, erklärt Wetter-Experte Dominik Jung. Von Tag zu Tag werden die Ensembleprognosen abhängig vom Wettermodell frühlingshafter – und lassen nach den zahlreichen Kälteankündigungen einen neuen Trend erkennen. „Das Mittel bleibt eigentlich meist im positiven Bereich – bis zum 18. Februar“, erklärt der Meteorologe mit Blick auf das amerikanische GFS-Modell.

Ensembleprognosen deuten krasse Wende beim Wetter an

Die Prognosen können auch irritieren. Beispiel Mitteldeutschland: Zwar gibt es noch Vorhersageläufe, die hier tief in den Minusbereich rauschen, doch der Mittelwert liegt über dem Gefrierpunkt. Deutet sich hier etwa die krasse Wende an - und steht doch schon der Frühling vor der Tür? Nicht unbedingt.

Denn anders sieht es beim Europäischen Wettermodell aus: „Das sieht es in der Mitte Deutschlands deutlich anders.“ Bis zu minus 20 Grad sind hier möglich. Das reiche aus, um den Mittelwert in den frostigen Bereich zu ziehen. Kommt nun also eine neue Eiszeit oder doch der Frühling? „Es ist immer noch ziemlich unsicher“, sagt der Meteorologe.

Was halten Sie vom aktuellen Wetter und den Prognosen? Schicken Sie uns Ihre Meinung per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!