Betreiber heizt nicht

Eiseskälte – erster Händler schmeißt in der Arminiusmarkthalle hin

Ausgerechnet die Geflügel-Oase räumt ihren Posten in der traditionsreichen Arminiusmarkthalle in Moabit. Jetzt droht der komplette Totentanz.

Author - Stefanie Hildebrandt
Teilen
Bodo aus Wedding musste beim Essen in der Arminiusmarkthalle in Moabit zuletzt die Jacke anbehalten.
Bodo aus Wedding musste beim Essen in der Arminiusmarkthalle in Moabit zuletzt die Jacke anbehalten.Stefanie Hildebrandt

In der traditionsreichen Arminiusmarkthalle in Moabit herrscht seit Monaten Eiszeit – und das nicht nur im übertragenen Sinne. Händler berichten dem KURIER von Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, Besucher bleiben weg, Umsätze brechen ein. Jetzt zieht der erste langjährige Standbetreiber die Reißleine. Die Geflügel-Oase zieht aus.

Ausgerechnet der Stand, an dem sich noch die meisten Besucher tummelten, ein Magnet, räumt nun die Vitrinen leer.

Die Geflügel-Oase ist seit 1996 ein Anlaufpunkt für frisches Geflügel, Wild und exotische Fleischsorten, nach 30 Jahren zieht man nun die Reißleine. Vorbei ist es auch mit dem günstigen Mittagstisch, der immer viel Publikum anlockte.

Wo bis zuletzt Hähnchenkeule und Klöße über den Tisch gingen, herrscht nun gähnende Leere. Der Grund: Die Kundschaft blieb wegen der anhaltenden Kälte zuletzt fast komplett aus. Statt rund 200 Menschen am Tag kamen nur noch etwa 50 vorbei. Wer will schon mit Mantel und Mütze am Tisch unter einem  kleinen Heizstrahler sitzen?

Heiz-Streit spitzt sich zu – Halle seit Monaten eiskalt

Amed und Fatme aus Moabit kamen gern in die Geflügel-Oase, um einen Kaffee zu trinken.
Amed und Fatme aus Moabit kamen gern in die Geflügel-Oase, um einen Kaffee zu trinken.Stefanie Hildebrandt

Geschäftsführer André Oelrich, der die Filiale in der Markthalle Neun in Kreuzberg leitet, sieht ein strukturelles Problem: Immer weniger klassische Lebensmittelstände, immer mehr Gastronomie sind in der Halle angesiedelt.  Übrig seien „nur noch der Käsehändler, der Brotstand und der Fleischer“, sagte er dem Tagesspiegel. Viele Kunden kämen schlicht nicht mehr zum täglichen Einkauf.

Der Konflikt um die Temperatur in der Halle schwelt schon seit Beginn des Winters. Die Zunft AG, Eigentümerin der 1891 erbauten Halle, hat die Heizung abgestellt, will auf erneuerbare Energien  umstellen.

Händler berichteten, dass seit Oktober 2025 nicht mehr ausreichend geheizt werde. Spätestens mit Beginn des Frostes in Berlin um Weihnachten herum wurde es sehr ungemütlich in der Halle. 

Der Hallenbetreiber Christoph Hinderfeld hingegen verwies gegenüber dem KURIER auf drastisch gestiegene Fernwärmekosten, die sich „mehr als verdoppelt“ hätten. Man wolle nicht mehr zum Dach hinausheizen, stattdessen wollte Hinderfeld punktuell heizen und  rund 100 Infrarotlampen installieren lassen. Doch geschehen ist kaum etwas.

Händler heizen selbst – mit Generator

Thomas Forcher, einer der Betreiber mehrerer Stände wie Hofladen, Alimentari e vini, Fischladen und Smoke & Barrel, sagt dem Tagesspiegel: Bisher gebe es „lediglich vier Infrarotlampen“ – zusätzlich zu denen, die Händler selbst mitgebracht hätten.
Erträglich sei es nur, weil er auf eigene Kosten einen Generator organisiert habe, der die Halle notdürftig erwärme.

Politik schimpft über Zustände in der Markthalle

Auch aus der Politik erhalten die frierenden Händler Rückendeckung: Der Moabiter Grünen-Abgeordnete Taylan Kurt hält die Situation für untragbar. Messungen ergaben Temperaturen zwischen 1 und 10 Grad – eindeutig zu kalt für Arbeitsplätze. Kurt fordert jetzt einen Runden Tisch, um Vertrauen und Kommunikation zwischen Eigentümer und Händlern wiederherzustellen.

Kurt betont, dass die Arminiusmarkthalle mehr sei als ein Ort zum Einkaufen: „Wir wollen eine Halle in Moabit, die ein attraktives Angebot für alle Einkommensschichten ist. Die Halle ist mehr als eine Markthalle, sondern auch ein wichtiger Begegnungsort.“

Kennen Sie die Situation in der Markthalle? Und was halten Sie von den Zuständen? Schicken Sie uns Ihre Meinung an leser-bk@berlinerverlag.com!