Das große Tagebuch von Union Berlin gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Offiziell feiert der 1. FC Union Berlin in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag. Doch die Wurzeln des Klubs reichen deutlich weiter zurück. Bis ins Jahr 1906, als in Oberschöneweide jener Verein gegründet wurde, aus dem sich über viele Stationen, Namenswechsel und politische Epochen hinweg die heutige Union-Tradition entwickelte.
Fast 1000 Tagebuch-Einträge führen durch diese Zeitreise
Genau deshalb spannt dieses außergewöhnliche Buch den Bogen nicht nur über sechs Jahrzehnte 1. FC Union, sondern über mehr als 120 Jahre Fußball- und Vereinsgeschichte. Fast 1000 Tagebuch-Einträge führen durch diese Zeitreise. Autor Frank Thomas schreibt von den Anfängen auf den Spreewiesen über die Vizemeisterschaft des SC Union Oberschöneweide 1923, den Pokalsieg 1968, die turbulenten DDR-Jahre und die existenzbedrohenden Krisen nach der Wende bis hin zu den magischen Bundesliga- und Europapokalnächten der Gegenwart.
Das Besondere dabei: Die Geschichte wird nicht in langen Kapiteln erzählt. Jeder Eintrag steht für einen konkreten Tag. Mal reichen wenige Zeilen, manchmal gibt es etwas mehr Hintergrund. Die meisten Texte sind kürzer als eine WhatsApp-Nachricht – und genau das macht ihren Reiz aus. Man liest einen Eintrag, dann den nächsten, bleibt an einem Foto hängen und entdeckt plötzlich einen QR-Code. Ein kurzer Scan genügt, und die Erinnerung setzt sich in Bewegung. Aus einer Buchseite wird ein Erlebnis. Plötzlich ist man nicht mehr nur Leser, sondern Zeitzeuge.
Ein Buch mit kleinen Geschichten und kuriosen Episoden
Dabei geht es nicht nur um große Siege und berühmte Namen. Natürlich fehlen weder das „Bluten für Union“, der Stadionbau mit Tausenden freiwilligen Helfern, die legendären Derbys noch der historische Aufstieg in die Bundesliga. Doch ebenso viel Raum erhalten die kleinen Geschichten, die kuriosen Episoden und jene Momente, die vielleicht nie in Statistiken auftauchen, aber bis heute weitererzählt werden.
Drei echte Union-Legenden geben dem Werk zusätzlich einen besonderen Rahmen. Kapitän Christopher Trimmel spricht davon, die Historie des Vereins „immer wieder nacherlebbar“ zu machen. Publikumsliebling Torsten Mattuschka beschreibt die Verbindung zwischen Mannschaft und Fans als „wohl einmalig in Deutschland“. Und Kult-Torwart Wolfgang Matthies erinnert daran, wie wichtig es sei, solche Erinnerungen für kommende Generationen zu bewahren. Genau das ist der Anspruch dieses Buches.
Rund 500 Fotos treffen auf 222 QR-Codes
Besonders spannend: Die Macher haben verstanden, dass ein Vereinsbuch im Jahr 2026 mehr sein muss als bedrucktes Papier. Deshalb verbindet das Tagebuch klassische Buchkultur mit digitalen Möglichkeiten. Rund 500 Fotos treffen auf 222 QR-Codes, die zu historischen Fernsehbildern, Zeitzeugenberichten, seltenen Archivaufnahmen oder emotionalen Fanperspektiven führen. Geschichte wird dadurch nicht nur dokumentiert, sondern hörbar, sichtbar und erlebbar gemacht.
So entsteht keine klassische Chronik, sondern eine multimediale Zeitreise durch die Geschichte eines der außergewöhnlichsten Fußballvereine Deutschlands.
In den kommenden Tagen veröffentlicht der Berliner Kurier exklusiv Auszüge aus „Das große Tagebuch von Union Berlin“. Wir erinnern an große Triumphe, dramatische Abstiege, spektakuläre Rettungsaktionen, bewegende Schicksale und jene Momente, die den Klub geprägt haben. Dazu gibt es historische Fotos und ausgewählte QR-Codes, die die Geschichten noch einmal lebendig werden lassen.

Denn die Geschichte von Union Berlin besteht nicht nur aus Ergebnissen und Tabellen.
Wer vor allem nach Zahlenkolonnen, Rekordlisten und vollständigen Statistiken sucht, wird dafür andere Nachschlagewerke finden. Dieses Buch verfolgt einen anderen Ansatz. Es will Erinnerungen bewahren. Es will längst vergangene Momente wieder sichtbar machen. Es will Geschichten erzählen, die man vielleicht vergessen hatte – oder die man nie gekannt hat.
Und genau darin liegt seine besondere Stärke. Das Tagebuch trägt den Untertitel „Eine Zeitreise durch 120 Jahre“. Diese Reise beginnt genau jetzt:
17. Juni 1906: 15 Schüler aus den drei Vereinen Preußen, Vorwärts und Frisch Auf versammeln sich im Kaffee-Lokal „Großkopf“ in der Luisenstraße 17 (heutige Plönzeile 41), um den Sport-Club Olympia Oberschöneweide ins Leben zu rufen.
10. Februar 1907: Als Abteilung Oberschöneweide, IV. Mannschaft, treten die Jungs dem Berliner Thorball- und Fußball-Club Union 92 bei. Der Club war 1905 deutscher Titelträger und ist noch heute auf der Meisterschale verewigt.

30. April 1911: Mit 15 Siegen und nur einer Niederlage (3:4 in Rixdorf) erspielt sich Union Oberschöneweide souverän Platz eins in der 3. Stadtklasse und feiert den Aufstieg in Klasse 2. In der darauffolgenden Spielzeit folgt dann als Staffelsieger sogar der Durchmarsch in die 1. Klasse Berlins.
1914-1918: Ein Großteil der Vereinsmitglieder wird während des Ersten Weltkrieges einberufen, viele von ihnen müssen ihr Leben lassen. Die irregulären Bedingungen der Kriegsspielzeiten bremsen die Entwicklung, dennoch wird der SC Union 1917 Vizemeister der Verbandsliga.
7. März 1920: Nach monatelangen Umbauarbeiten kann Union erstmals ein Pflichtspiel (Foto) auf der Sportanlage Sadowa (Alte Försterei) austragen. 2000 Besucher sehen das 1:1 gegen den BTuFC Viktoria.

21. April 1923: Oberschöneweide sichert sich durch den Berliner Meistertitel (3:1 u. 1:1 gegen BFC Vorwärts 1890) den Einzug in die Endrunde um die Deutschen Meisterschaft, in der den Unionern sensationell der Einzug ins Finale gelingt.

10. Juni 1923: Das Deutsche Stadion in Berlin-Grunewald, damals die größte Sportstätte des Landes, ist überfüllt. Einige der 64.000 Zuschauer klettern in den letzten Reihen auf Leitern, um einen Blick auf den Rasen erhaschen zu können. Dort ist Überraschungs-Finalist SC Union Oberschöneweide gegen den HSV allerdings klar unterlegen. 0:3. Das Programmheft kostet aufgrund der Inflation 1000 Papiermark.




