Die seinerzeitigen Macher beim 1.FC Union zu Zeiten von Bluten für Union. Nur Oskar Kosche (2.v.l.) ist heute noch in Amt und Würden bei den Eisernen. Foto: imago images/Contrast

Berlin - Es ging ums Ganze. 16 Jahre ist das jetzt her und Dirk Zingler war noch Wirtschaftsratsboss und nur Sponsor, nicht Präsident. Union stand nach dem Zweitliga-Abstieg vor dem Exitus. Nur die Kampagne „Bluten für Union“ rettete den Klub vor dem Aus. 1,46 Millionen Euro galt es damals aufzutreiben. Peanuts angesichts heutiger Summen. Doch die Angst vor dem neuerlichen Aus durch die Corona-Krise ist da. Sie ist real. Und ließ über die Fans quasi eine Neuauflage von Bluten für Union entstehen.

Frage nicht, was dein Verein für dich, frage dich, was du für deinen Verein tun kannst. Getreu diesem bei John F. Kennedy entlehnten Motto handelten sie jetzt. In einem Aufruf, der von über 60 Fanklubs unterschrieben worden ist,   appelliert die Anhängerschaft   an die Treuesten der Treuen, sich gerade zu machen.

Es geht um die Dauerkartenbesitzer bei den Eisernen, die mit 11500 Saisontickets über die Hälfte der Stadiongänger an einem Spieltag stellen. Die – so die Bitte, keine Forderung der Unterzeichner – sollen angesichts der Notlage aus Liebe zu ihre Klub auf eine Rückerstattung ihrer bereits gezahlten Spieltagesabonnements verzichten.

Fünf Heimspiele fehlen Union in der Kasse

Rund 700.000 Euro würde das bringen! In Unions Etatansatz stehen Einnahmen aus dem Ticketing für die gesamte Spielzeit von 4,688 Millionen Euro. Das sind etwas mehr als 275 000 Euro pro Spiel. Bei fünf noch ausstehenden Heimpartien entgehen dem Klub fast 1,4 Millionen Euro. Davon die Hälfte – und es wäre eher mehr als das – sind eben rund 700.000 Euro.

Und anders als 2004, als die Kohle durch das reale Blutspenden eher marginal und die mediale Aufmerksamkeit das große Ziel war, ist das jetzt Union von unten. Die Fans stehen Schulter an Schulter mit dem Klub und zeigen Solidarität. Eine Graswurzelbewegung also.

Damit nicht genug. Planspiele für virtuelle Geistertickets sind in der Mache. Es sollte bei den verrückten Eisernen keinen wundern, wenn Union bei den letzten fünf Heimspielen ein „Heimbereich ausverkauft“ melden könnte. Auch ohne einen einzigen Besucher im Stadion empfangen zu haben.

Union muss Krise überwinden

Wenn dann noch die TV-Gelder wieder fließen, sollte Union die Krise überwinden können. Obwohl man durchaus die Frage stellen kann, ob es wirklich sinnvoll war in den letzten Jahren alles in den Sport und wenig in die Schuldentilgung fließen zu lassen. Doch das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.