Acht Jahre lang trug Lennart Moser das Trikot des 1. FC Union Berlin. 46 Pflichtspiele absolvierte der Torwart für die Nachwuchsmannschaften der Eisernen. Doch der große Traum von einem Profispiel im Stadion An der Alten Försterei blieb unerfüllt. In einem Interview mit dem Internetportal „Kickfieber“ spricht der 26-Jährige jetzt offen darüber, warum er keine Chance bei den Profis bekam – und liefert dabei einen bemerkenswerten Einblick in die Denkweise von Erfolgscoach Urs Fischer.
Drei Leihstation für Lennart Moser
Dreimal wurde Moser nach dem Ende seiner Zeit im eisernen Nachwuchs verliehen. Erst zu Energie Cottbus, dann zu Cercle Brügge und schließlich zur SG Austria Klagenfurt. Spielpraxis sammelte er ausschließlich fernab von Köpenick.
Dabei hatten die Verantwortlichen durchaus große Stücke auf ihr Eigengewächs gehalten. Vor der dritten Leihe verlängerte Union sogar noch einmal den Vertrag des damals 21-Jährigen. Der damalige Kaderplaner Oliver Ruhnert erklärte seinerzeit: „Wir haben stets betont, dass wir in Lennart großes Potenzial sehen und überzeugt sind, dass er in Zukunft eine wichtige Rolle spielen kann.“

Doch diese Zukunft fand Moser nicht bei Union. Nach seiner Zeit in Österreich verabschiedete sich der Torwart endgültig aus Berlin, wechselte zum belgischen Erstligisten KAS Eupen und wurde dort zur Nummer eins. Inzwischen steht er beim japanischen Erstligisten Fagiano Okayama unter Vertrag.
In einem Interview blickt Moser nun auf seine Union-Zeit zurück – und findet dabei deutliche Worte. „Wenn du bei Union aus der Jugend gekommen bist, hattest du eigentlich keine Chance“, sagt der Torwart rückblickend.
Besonders ein Gespräch mit Urs Fischer ist ihm bis heute in Erinnerung geblieben. „Er hat mir gesagt, dass ich einen super Job mache und er sich nicht beklagen könnte. Doch für ihn ist ein guter Torwart einer, der alt und erfahren ist. Da wusste ich, dass ich nicht spielen werde, solange Urs Fischer bei Union ist.“
Eine Aussage, die durchaus als Kritik verstanden werden kann – auch wenn Moser sie sachlich und ohne jede persönliche Spitze formuliert. Der Berliner spricht dabei ausdrücklich nicht nur von sich selbst. Als weiteres Beispiel nennt er Lennard Maloney. Auch der heutige Profi des 1. FSV Mainz 05 schaffte den Durchbruch nicht bei Union, sondern erst nach seinem Wechsel zum 1. FC Heidenheim.
Ironie der Geschichte: In Mainz arbeitet Maloney inzwischen wieder unter Urs Fischer. Mit 26 Jahren scheint er mittlerweile genau die Erfahrung mitzubringen, auf die der Schweizer schon bei Union besonderen Wert legte.

Wer auf Fischers Zeit in Köpenick zurückblickt, erkennt schnell ein Muster. Im Tor setzte der Schweizer fast ausschließlich auf erfahrene Profis. Erst war Rafal Gikiewicz die klare Nummer eins, danach Andreas Luthe, später Frederik Rönnow. Junge Torhüter spielten in seinen Planungen kaum eine Rolle.
Doch diese Herangehensweise beschränkte sich nicht nur auf die Torwartposition. Fischer galt nie als Trainer, der regelmäßig 18- oder 19-Jährige ins kalte Wasser warf. Sein Fußball basierte auf Stabilität, klaren Hierarchien, Erfahrung und Verlässlichkeit.
Und der Erfolg gab ihm recht. Unter Fischer stieg Union in die Bundesliga auf, etablierte sich im Oberhaus und qualifizierte sich anschließend für die Conference League, die Europa League und schließlich sogar für die Champions League. Die erfolgreichste Phase der Vereinsgeschichte entstand mit genau dieser Philosophie.
Für Talente wie Moser bedeutete das allerdings auch: Der Weg zu regelmäßigen Einsatzzeiten war extrem schwer. Trotzdem spricht heute wenig dafür, dass Union damals einen künftigen Bundesliga-Stammtorwart ziehen ließ. Mosers Karriere verlief ordentlich, aber bislang nicht auf einem Niveau, das Fischers Entscheidungen im Nachhinein eindeutig widerlegen würde.



