Im Osten Deutschlands ist die Back-Tradition zu Hause – ganz besonders in Thüringen. Wer guten Blechkuchen sucht, muss ohne Frage einen Ausflug in das Bundesland machen. Vor allem eine Stadt ist für ihren Blechkuchen bekannt: Weida! Hier wird sogar jedes Jahr beim „Weidschen Kuchenmarkt“ die Weidsche Kuchenfrau gewählt. Die amtierende Titelträgerin ist am Freitag auf dem Riverboat zu Gast. Aber: Warum gibt es in Weida in Thüringen den besten Blechkuchen?
In Weida in Thüringen gab es früher eine Brotbank
Das Backen blickt in der Stadt Weida in Thüringen auf eine lange Tradition zurück – und hängt mit einer echten Besonderheit zusammen. In Weida gab es früher eine sogenannte Brotbank – das war ein markantes Gebäude, in dem die Bäckermeister der Stadt gemeinsam ihre Produkte verkauften. Die Brotbank war die einzige in Thüringen und lag an der Handelsstraße ins obere Vogtland und nach Böhmen.
„Die Existenz einer Brotbank ermöglichte den Bäckern den schnelleren Absatz der Waren und erleichterte dem Stadtrat die bessere Verkaufskontrolle“, heißt es auf der Website der Stadt Weida. Die Brotbank versorgte auch viele Reisende mit Brot, Semmeln und Gebäck. Aber nicht nur dafür kannte man die Stadt. „Weida war im ganzen Umland bekannt für seinen schmackhaften Kuchen“, sagte die amtierende Weidsche Kuchenfrau Ines Gerdes-Wolter der Thüringischen Landeszeitung.
Herrlich ist auch die Geschichte, wie damals die Backwaren verkauft wurden. Gegen Geld wurde der sogenannte „Bänkenmann“ damit betraut, die Bäckerinnung stellte ihn ein. Es gab einen Stand, hinter dem sich die Fächer der einzelnen Bäcker befanden, in denen sie ihre Waren präsentierten. Der Kunde wählte das aus, was er haben wollte. „Wollte der Kunde bezahlen, so streckte der Bänkenmann einen langen Holzlöffel aus und nahm in diesem das Geld in Empfang.“
Weida bekam den Spitznamen „Kuchen-Weide“
Die Weidaer Brotbank wurde irgendwann abgerissen, an der Stelle ein Wohnhaus errichtet. Aber: Den Ruf hatte die Stadt aus Thüringen trotzdem weg. „Weidaer Kuchen und Brot waren über die Jahrhunderte hinweg im weiten Umkreis berühmt, die Kunde von der Güte der Weidaer Backwaren wurde immer weiter in die Ferne getragen“, heißt es bei der Stadt. „So überdauerte der Begriff ,Kuchen-Weide‘ alle Zeiten.“ Noch heute hat Weida diesen Spitznamen weg.

Ines Gerdes-Wolter hatte den Titel bereits im Jahr 2026 inne, hat das Amt beim vergangenen Weidaer Kuchenmarkt im Herbst 2025 ein zweites Mal gewonnen – und wird die Weidaer Kuchentradition am Freitagabend auf das Riverboat bringen, dort sicher auch von den tollen Hefekuchen aus Thüringen berichten. Der Weidsche Kuchenmarkt ist dem Gebäck gewidmet, wurde schon im Jahr 1994 ins Leben gerufen. Dort wird jedes Jahr auch ein Backwettbewerb veranstaltet, aus dem am Ende die amtierende Kuchenfrau hervorgeht.
Die Regeln: Jedes Jahr werden drei Blechkuchen gefordert, zwei Pflicht-Kuchen und ein Kür-Kuchen. Die Themen werden vorgegeben, heißen beispielsweise „Kokos auf Hefe“ oder „Apfel auf Hefe“. Die Kuchen von Ines Gerdes-Wolter waren laut dem Bericht der Zeitung auch schon vorher sehr bekannt im Ort. Der Grund: Sie öffnete in ihrem Garten im Ort Wünschendorf seit 2019 jedes Jahr im Sommer das kleine „Carportcafé“, eine Idee, die entstand, als es ausgerechnet im Wohnort der Kuchenfrau kein Café gab.
In Thüringen fehlt beim Kuchen der Nachwuchs
Doch auch in der Kuchenstadt ist nicht alles immer süß: Laut Berichten haben die Weidschen Kuchenfrauen auch mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen. Der MDR berichtete deshalb sogar von einer Veranstaltung namens „Piccolo und Kuchen“, bei der Kuchenfans aus Weida versuchten, Lösungen für das Problem zu finden.
Laut Bettina Gunkel von der Stadt Weida, die den alljährlichen Kuchenmarkt organisiert, fehlen aber nicht nur junge Leute, sondern auch „die goldene Mitte“, sagte sie. Denn die meisten Kuchenfrauen aus Weida seien über 80 Jahre alt.

Die Backtradition ist in ganz Thüringen weit verbreitet, der traditionelle Blechkuchen überall ein Thema, während in anderen Regionen Deutschlands eher Torte zur Tradition gehört. Besonders bekannt sind in Thüringen auch die sogenannten Festtagekuchen.
Zu jedem Anlass wird Kuchen auf großen Blechen gebacken, meist sogar mehrere Sorten auf einem einzigen Blech. Der Grund: Traditionell gilt man als geizig, wenn nicht mindestens zehn Sorten Kuchen vorgewiesen werden können.
Die besten Rezepte für Blechkuchen aus Thüringen
Bei großen Festen werden in Thüringen auch heute teilweise noch Backfrauen ernannt, die sich um die Versorgung mit Kuchen kümmern. Und: Vor allem auf kleineren Dörfern ist es üblich, dass die Gäste bei Feiern nach dem Ende Kuchen mit nach Hause nehmen.
Wer nun Lust auf Kuchen hat, findet übrigens auch im Berliner KURIER tolle Rezepte aus Thüringen: Wir haben ein paar leckere Ideen für Sie zusammengestellt, vom Butter-Zucker-Kuchen bis hin zum leckeren Mohnkuchen aus Rudolstadt.







