In Sachen Vielfalt herrscht bei Hertha BSC Einigkeit: Hertha-Präsident Kay Bernstein (M.) posiert mit Finanz-Boss Ingo Schiller, Geschäftsführer Thomas E. Herrich, Vizepräsident Fabian Drescher und Paul Keuter, Mitglied der Geschäftsführung, (v. l.) vor der Geschäftsstelle.
In Sachen Vielfalt herrscht bei Hertha BSC Einigkeit: Hertha-Präsident Kay Bernstein (M.) posiert mit Finanz-Boss Ingo Schiller, Geschäftsführer Thomas E. Herrich, Vizepräsident Fabian Drescher und Paul Keuter, Mitglied der Geschäftsführung, (v. l.) vor der Geschäftsstelle. City-Press/Florian Pohl

Er ist noch keine Woche im Amt, und doch hat man bei Hertha BSC das Gefühl, dass verdammt viel in Bewegung ist. Eine  Aufbruchstimmung spürt auch Kay Bernstein (41) selbst nach seiner Wahl zum Hertha-Präsidenten. Vorbei soll die Zeit des Gegeneinanders und des Chaos sein. Damit die blau-weißen Träume wahr werden, wird Bernstein sogar zum Gärtner. Dass er bei vielen Themen wohl besser mit dem Presslufthammer vorankommen würde, weiß der Ex-Ultra und heutige Unternehmer allerdings auch. 

„Jedem Herthaner muss man jetzt eine Gießkanne geben, damit dieses Pflänzchen der Hoffnung im Graben der Zerrissenheit blüht und wir daraus unsere Energie mitnehmen für die kommenden Aufgaben“, erklärte Bernstein fast schon poetisch im ZDF-Morgenmagazin am Donnerstag.

Dafür will der neue Präsident alle vereinen. Am Abend vor seinem TV-Auftritt, bei dem Bernstein in einer blauen Hertha-Jacke und mit einem freundlichen „Ha Ho He“ vor die Kameras trat, hatte er seine erste Sitzung mit seinem neuem Präsidium. Bernstein: „Die letzten Jahre waren durchaus von Unprofessionalität und Chaos geprägt. Jetzt haben wir ein paar Tage hinter uns. Es dreht sich, es wird positiv wahrgenommen, was sich bei Hertha BSC wandelt.“

Hertha BSC: Kay Bernstein will ein Präsident für alle sein

Kay Bernstein und der ehemalige Aufsichtsratsboss Dr. Torsten-Jörn Klein tauschten sich auf der Mitgliederversammlung am Sonntag aus. Jetzt gilt es, gemeinsam für Hertha BSC zu arbeiten.
dpa/Britta Pedersen
Kay Bernstein und der ehemalige Aufsichtsratsboss Dr. Torsten-Jörn Klein tauschten sich auf der Mitgliederversammlung am Sonntag aus. Jetzt gilt es, gemeinsam für Hertha BSC zu arbeiten.

Diese Aufbruchstimmung spüre auch Lars Windhorst, wenngleich Herthas 374-Millionen-Investor lieber Bernsteins Gegenkandidaten, CDU-Mann und Füchse-Boss Frank Steffel, als neuen Präsidenten begrüßt hätte. Daraus wurde nichts, weil Steffel die Mitglieder auf der Mitgliederversammlung wenig begeisterte.

Bei Bernstein, der 54 Prozent der Stimmen erhielt, war das anders. Bernstein spricht von einem „Votum der Mitglieder für einen inhaltlichen Neustart“. Auch diejenigen, die ihn nicht gewählt haben, wolle er „natürlich nicht vergessen. Denen gilt es, die Hand auszustrecken, um nach meinem Wunsch möglicherweise ein Präsident für alle Herthaner zu sein.“

Hertha BSC: Kay Bernstein will „100 Tage abtauchen“

Er werde ein „nahbarer“ Präsident sein, bekräftigte Bernstein, und mit den Fans reden, um den „Blickwinkel der Kurve“ zu verstehen. Bernstein: „Der Wunsch an Nahbarkeit und Zusammenkommen ist riesengroß auf allen Ebenen. Das kann ich vorleben und das werde ich vorleben.“

Nun werde das Präsidium aber erst mal 100 Tage „abtauchen“ und sich „auf die wesentlichen Dinge konzentrieren“. Es gehe nun darum, „dass wir im Präsidium ein Team werden“. Der Grund: Bernstein will alle, also Aufsichtsrat, Geschäftsstelle, Sportchef Fredi Bobic und Windhorst mit ins Boot holen, erklärte: „Ich will Vertrauen aufbauen. Wir haben Baustellen mehr als die Stadt Berlin.“

Hertha BSC: Kay Bernstein kündigt Veränderungen an

Die Grabenkämpfe, die den Klub zuletzt fast die Bundesliga-Zugehörigkeit gekostet hätten, will Bernstein ganz schnell hinter sich lassen. Er möchte zusammenführen, was unter seinem im Mai zurückgetretenen Vorgänger Werner Gegenbauer zerbrochen war.

Lesen Sie auch: Fettes Millionen-Minus: Hertha-Boss Fredi Bobic – harter Kampf mit den Altlasten >>

Nach den 100 Tagen, die Anfang Oktober vorbei sein werden, läuft die Bundesliga bereits wieder, wenn Bernstein eine erste Bestandsaufnahme zu veröffentlichen plant. Angesprochen auf mögliche Veränderungen für Fans beim Stadionbesuch schloss er diese explizit nicht aus. „Das ist eine Frage, wie wir das mit dem Präsidium in den nächsten Wochen machen“, sagte er: „Aber ich denke schon, dass sich an der ein oder anderen Stelle ein bisschen was ändern kann und wird.“

Lesen Sie hier mehr über Hertha BSC >>