Am Sonntag werden wieder Blümchen, Pralinen und andere Geschenke überreicht – denn es ist Muttertag! Die einen kaufen einen frischen Strauß, die anderen verschenken einen gemeinsamen Restaurantbesuch mit Mutti. Und wer noch zu jung ist, um eigenes Geld zu verdienen, bastelt einen Gutschein für Hilfen im Haushalt. Auch in der DDR gab es den Muttertag, offiziell gefeiert wurde er aber nicht – denn hier beging man lieber den Frauentag am 8. März. Manche Mama wurde trotzdem beschenkt. Wir zeigen zehn Dinge, über die sich Mutti zum Muttertag in der DDR ganz bestimmt gefreut hätte!
Den Muttertag gab es in der DDR offiziell nicht
Der Ehrentag, an dem man Mama eine Freude macht: In der DDR kannte man ihn nur aus dem Westen. Denn hier feierte man lieber die Selbstständigkeit der werktätigen Frau, beging deshalb den Internationalen Frauentag am 8. März. Unser Kollege Norbert Koch-Klaucke erinnerte sich in einer sehr lesenswerten Kolumne schon einmal daran, dass manch einer den Tag nur aus dem Westfernsehen kannte, weil dort die Firmen wie heute kräftig die Werbetrommel rührten, um mögliche Geschenke zu vermarkten.
In der DDR hingegen feierte man den Muttertag nur inoffiziell. Und es war auch gar nicht so leicht: Blumen waren Mangelware, auch wenn sich viele Geschäfte auf den Wunsch der Bürger einstellten, am zweiten Sonntag im Mai mehr Blumen verschenken zu wollen. Mein Kollege schreibt davon, dass es vor allem Tulpen gab, dass sich Mutti im Notfall aber auch über die roten Arbeiternelken freute, die in Hülle und Fülle verfügbar waren. Andere berichten auch von bunten Gerberas, die billig zu züchten waren.
In der DDR wurde der Muttertag also nur im privaten Kreis begangen. Die einen mögen es schade finden, dass es ihn nicht offiziell gab, die anderen loben hingegen lieber, dass die DDR-Bürger an ihre Mütter dachten, auch wenn der Tag in der DDR eigentlich offiziell abgelehnt wurde. Aber: Was konnte man schenken in der DDR?
Wir haben uns unter anderem durch die Datenbank des DDR Museum Berlin gewühlt und zehn Dinge herausgesucht, mit denen man Mama hätte eine Freude machen können. Natürlich mit einem Augenzwinkern – viel Spaß beim Schwelgen in Erinnerungen!
Rührgerät RG 28: Ein Geschenk für die Ewigkeit
Der absolute Klassiker unter den Haushaltsgeräten der DDR: Das Rührgerät RG 28 ist noch heute Kult. Mit seiner typischen Farbe leuchtete es in vielen Küchen. Und auch heute ist es noch in Betrieb. Ein solches Gerät wäre also ein sehr nachhaltiges Geschenk gewesen – denn hier war „hält ein Leben lang“ kein leeres Versprechen.

Selbstgebastelte Perlenuntersetzer zum Muttertag
Wenn die Kleinen etwas basteln, freut sich jede Mama – und diese Perlenuntersetzer, die heute etwas aus der Zeit gefallen scheinen, hatten einen sehr praktischen Nutzen. Zum einen konnten sie überall eingesetzt werden, ob für das Bier im Garten, das Weinglas auf dem Wohnzimmertisch oder für die Vase auf dem Fensterbrett. Zum anderen konnte der Nachwuchs damit gleich etwas Sinnvolles aus dem Bastelset „Der kleine Perlenkünstler“ vom letzten Weihnachtsfest zaubern.

Kaffee zum Muttertag? Bitte nicht Erichs Krönung!
In den 70er-Jahren erlebte die DDR eine handfeste Kaffeekrise, denn aufgrund einer Missernte schossen die Preise in die Höhe. Kaffee war teuer und nicht leicht zu bekommen, weshalb sich die DDR etwa den „Kaffee-Mix“ einfallen ließ. Der Mischkaffee mit einem Kaffeeanteil von nur 49 Prozent kam bei den Bürgern aber nicht gut an. Ein Päckchen echter Bohnenkaffee wäre damit ein tolles Geschenk gewesen.
Ein Schaukelstuhl – wenn’s sein muss, Marke Eigenbau
Auf die Frage nach einem Geschenk zum Muttertag antwortet eine KURIER-Kollegin sofort: „Ein Schaukelstuhl!“ Warum? Die seien in der DDR schwer zu bekommen gewesen, sagt sie. „Ich erinnere mich noch, dass ich mit meinem Vater in ein Möbelhaus in Berlin fuhr, weil es hieß, dort gebe es gerade welche. Dann schafften wir ihn mit der S-Bahn nach Oranienburg.“ Und wenn’s keinen echten gab, dann bastelte Man(n) einfach einen selbst – aus Wäscheklammern. Das beweist ein Relikt aus dem DDR Museum Berlin.

Pralinen: Der Geschenke-Klassiker war Bückware
Pralinen gehören vermutlich zu DEN Standard-Geschenken zum Muttertag. Doch obwohl aus Halle mit den Halloren Kugeln eine sehr beliebte Konfekt-Marke kam, waren sie Bückware. Heute liegen sie in etlichen Sorten in den meisten Supermärkten.
Likör aus der DDR: Bunt und süffig zum Muttertag
Ob „Kreuz des Südens“ oder „Sambalita“, ob „Santos“, „Eismint“ oder „Black Jane“: In der DDR wurde gern mal geschnäpselt, wenn man im Freundes- und Familienkreis zusammensaß. Warum also nicht eine Flasche Likör verschenken? Darüber hat sich Mutti sicher gefreut – und sich ab und an mal ein kleines Gläschen gegönnt. Wer heute noch DDR-Schnaps im Schrank hat, kann ihn übrigens noch trinken oder verkaufen. Denn der Alkohol aus Honeckers Zeiten ist in den meisten Fällen noch haltbar. Und im Internet wird DDR-Likör zu guten Preisen gehandelt.

Wolle zum Häkeln oder Stricken
In der DDR häkelten und strickten viele noch zum Zeitvertreib – und es gab mit der Zeitschrift „Modische Maschen“ sogar perfekte Anleitungen für die neueste Mode. Warum nicht mal Wollknäule verschenken? Zumindest all jene, die gern die Füße hochlegten und dann buchstäblich an der Nadel hingen, hätten daran ganz bestimmt ihre wahre Freude gehabt!

Einen Besuch in einem besonderen Restaurant
Mal schick weggehen mit Mutti? Das machte man auch in der DDR gern. Wenn, dann aber am liebsten in eines der Nationalitätenrestaurants, wie es sie etwa in der Berliner Karl-Marx-Allee gab. Café Moskau, Restaurant Budapest und Café Warschau zogen Hungrige an, für ganz besondere Anlässe war auch das Ganymed eine Anlaufstelle. Medien schrieben allerdings, dass ein Tisch hier genauso schwer zu bekommen war wie eine Ausreisegenehmigung aus der DDR.
Kosmetik für Mutti: Florena und ein Mascarograph
Auch über Kosmetik freute sich jede Mama. Wie wär’s zum Beispiel mit dem Geschenkset „Schwarzer Samt“ von Florena? In feinster Verpackung, ausgelegt mit schwarzem Samt und Seide, fand sich hier ein Parfum in einer Glasflasche und ein Stück edle Seife. Kostenpunkt: 20 Mark. Da kam man mit einem „Mascarographen“, der DDR-Version der Wimperntusche in Stift-Form, schon etwas günstiger.

Feinstrumpfhose fürs Bein, gern auch aus dem Westen
Für das schicke und geschmeidige Bein freute sich manche Frau über Feinstrumpfhosen. Die waren in der DDR zwar zeitweise sehr gut und einfach zu bekommen, lagen in Massen in den Geschäften. Störend war hier der hohe Preis. Von ein paar Mark für einfachere Modelle ging es rauf bis um die 30 Mark für besonders hochwertige Strumpfhosen.
Mit dem durchschnittlichen Lohn waren die edleren Modelle also ein echtes Luxusprodukt. Und wer es dann noch schaffte, West-Strumpfhosen zu organisieren, war sicher sowieso Muttis Liebling …




