Für Fans von Wal Timmy ist es eine schreckliche Meldung – und viele warten gespannt, ob die schreckliche Vermutung Gewissheit wird: Experten gehen davon aus, dass der Meeressäuger nach seiner Freilassung in der Nordsee inzwischen verstorben sein könnte. Der genaue Aufenthaltsort von Timmy ist unklar – und im Meeresmuseum in Stralsund glaubt man, dass Timmy nicht genug Kraft hatte, um im tiefen Wasser des Meeres lange zu überleben. Während die Spekulationen bei vielen tiefe Trauer auslösen, wurde zu DDR-Zeiten anders mit Walen umgegangen. Damals machte man aus ihrem Fleisch sogar Rouladen!
Rouladen aus Walfleisch, gekauft bei der HO
Da Wale unter das Artenschutzrecht fallen, ist Walfleisch in Deutschland verboten – auch der Import wird bestraft. Wer also beispielsweise Wal-Salami aus dem Urlaub in Norwegen mitbringt, bekommt an der Grenze ernsthafte Probleme, wenn er erwischt wird. In der tiefsten DDR-Zeit war das anders: Damals wurde Walfleisch gegessen, war vor allem in den Nachkriegsjahren immer wieder erhältlich. Es kam laut Überlieferung von den Walfängern der Sowjetunion, landete dann auch bei der HO.
Das zeigt unter anderem ein alter Zeitungsartikel aus der Tageszeitung „Freie Erde“, der am 16. Dezember 1957 erschien – und den der „Nordkurier“ im Jahr 2024 aus dem Archiv holte. Hier wird das Essen einer Familie geschildert, die Rouladen isst – und zwar mitten in der Woche. „Mutti tut geheimnisvoll, aber alle lassen es sich gut schmecken. Vati denkt nur an das Wirtschaftsgeld“, heißt es.

Doch es wurde nicht etwa teures Rindfleisch für die Rouladen verwendet, sondern Wal! Das enthüllte die angesprochene Mutti aber erst nach dem Essen. „Mutti hat in der HO-Fischverkaufsstelle das frisch aus dem Kühlhaus eingetroffene Walfleisch gekauft und diese schöne Mahlzeit daraus gezaubert.“ Der Artikel stellte auch die Theorie auf, dass man alle Fleischgerichte auch als Walfleisch herstellen könne. Ob das wirklich stimmt, kann heute natürlich nicht mehr geprüft werden.
Walfleisch findet sich sogar in DDR-Kochbüchern
Doch in der DDR scheint Walfleisch tatsächlich ein Thema gewesen zu sein, denn es findet sich als Zutat sogar in Kochbüchern wieder. Das beste Beispiel ist das Buch „Wir kochen gut“, das zu den Standard-Werken für Hobbyköche und -köchinnen gehörte. „Das Fleisch wird tief unter der Speckschicht herausgeschnitten“, heißt es in dem Buch. Dem Fleisch hafte deshalb kein Trangeschmack an. Auch sonst macht das Buch Werbung für das Fleisch des Meeressäugers. Kalorien-, Vitamin- und Mineralstoffgehalt seien dem Rindfleisch sehr ähnlich.

Außerdem sei viele Proteine enthalten. „Es hat einen bemerkenswert hohen Gehalt an vollwertigem Eiweiß und ist mager“, heißt es in dem Buch. Das Walfleisch gab es laut „Wir kochen gut“ tiefgefroren. „Wichtig ist bei allen Walfleischgerichten, dass reichlich Speck und kräftiges Gewürz verwendet werden.“ Die Leser konnten es gleich ausprobieren – unter anderem beim Walfleischgulasch. Wir verraten Ihnen das Rezept, wie es in dem Kochbuch aus der DDR zu finden war.
So kochte man in der DDR Walgulasch
Als Zutaten wurden 200 g Zwiebeln, 65 g Speck Salz, Paprikapulver, Kümmel, Wasser, 3 Esslöffel Tomatenmark, 125 ml Joghurt und etwas Mehl eingesetzt. Die Hauptzutat war aber das Walfleisch – 600 Gramm wurden für eine Ladung Gulasch gebraucht. Zwiebeln und Speck wurden angeschwitzt, dann das in Würfel geschnittene Walfleisch zugegeben und alles angebraten. Das Gulasch würzte man mit Paprika, Salz und Kümmel.
Dann kamen Tomatenmark und Wasser hinzu, anschließend wurde das Gulasch mit einem Mix aus Mehl und Joghurt abgebunden. „Dieser Gulasch kann auch je zur Hälfte mit Wal- und Schweinefleisch bereitet werden“, rät das Kochbuch. Statt Joghurt könne man auch saure Sahne verwenden – und statt Paprika und Kümmel Knoblauch oder Majoran zum Würzen des deftigen Gerichtes nutzen.

Bemerkenswert sind auch die Walfleischrouladen, die hier angeboten werden. Dafür bestrich man in Scheiben geschnittenes Walfleisch mit Senf und belegte sie mit Speck, Zwiebeln und Gurken – die Zubereitung lief also so wie bei einer normalen Rinderroulade. Dann wurde alles gebunden oder mit Spießen fixiert und angebraten, bevor man aus Suppengrün, Tomatenmark und Wasser eine Soße zubereitete. In dieser mussten die Rouladen garen. Die Soße wurde im Anschluss mit Mehl abgebunden.
Kein Wunder, dass es in der Elbe keine Wale gibt
Aus heutiger Sicht blickt man eher kritisch auf diesen Umgang mit den Meeressäugern – doch damals waren die Zeiten einfach andere. Das sieht man auch daran, dass jahrelang tote Wale als Attraktionen durchs ganze Land gefahren wurden.






