Es wäre so traurig

Wal Timmy wird ertrinken! Rettung war für Hope das Ticket in den Tod

Wal Timmy ist frei. Und doch hat der Meeressäuger die Tortur noch lange nicht überstanden. Denn im Meer lauern viele Gefahren.

Author - Florian Thalmann
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Wal Timmy lag über Wochen in einer frei gespülten Kuhle vor der Insel Poel. Im offenen Meer könnten für ihn nun Orcas zum Problem werden.
Wal Timmy lag über Wochen in einer frei gespülten Kuhle vor der Insel Poel. Im offenen Meer könnten für ihn nun Orcas zum Problem werden.Philip Dulian/dpa, Harald LAnge/imago

Die Geschichte von Wal Timmy oder, wie ihn manche nennen, Wal Hope – sie ist mit seiner vermeintlichen Rettung noch nicht vorbei! Seit Samstag ist der Meeressäuger in der Nordsee unterwegs, nach dem Transport wurde er dort freigelassen. Doch das Interesse an Timmy reißt nicht ab: Viele hoffen nun, dass er den Weg zurück in den Atlantik findet. Und dass er die Tortur überlebt. Davon sind Experten nämlich nicht überzeugt. Im MDR erklärte eine Wildtier-Expertin, dass Timmy vermutlich ertrinken wird – und dass die Rettungsaktion für den gestrandeten Wal wahrscheinlich ein Ticket in den Tod war.

Wal Timmy wurde jetzt in der Nordsee freigelassen

Am vergangenen Dienstag wurde der Wal Timmy, der zuvor Wochen in der Ostsee vor der Insel Poel auf einer Sandbank gelegen hatte, in eine Barge manövriert. Anschließend brachte ein Schlepper das Tier in Richtung Nordsee. Die Freilassung des Wals im tiefen Wasser könnte eigentlich eine gute Nachricht sein. Wenn viele Experten nicht davon überzeugt wären, dass Timmy die Tortur noch nicht überstanden hat.

Im MDR äußerte sich jetzt etwa Alexandra Dörnath, eine Tierärztin, die auf Wildtiere spezialisiert ist. Noch während der Rettungsaktion kritisierte sie das Vorhaben. „Das ist im Nordatlantik ein Ticket in den Rachen der Orcas. Wenn er in der Nordsee landet, dann wird er vielleicht einfach von selbst untergehen wie ein Stein und ertrinken“, sagte sie. Sie hielt Wal Timmy für stark geschwächt und betonte: „Dass der sich hat Gurte anlegen lassen, an denen der auch noch gezogen wurde, beweist, dass der schon hochgradig angeschlagen ist.“

In einer Barge wurde Wal Timmy von der Ostsee in die Nordsee gebracht. Doch mit seiner Freilassung ist der Meeressäuger, der auch unter dem Namen Hope bekannt ist, noch lange nicht sicher.
In einer Barge wurde Wal Timmy von der Ostsee in die Nordsee gebracht. Doch mit seiner Freilassung ist der Meeressäuger, der auch unter dem Namen Hope bekannt ist, noch lange nicht sicher.Christoph Reichwein/dpa

Vor allem Orcas können Timmy gefährlich werden: Die Schwertwale sind die Hauptfeinde von Walen und jagen sogar große Arten wie Blauwale oder Pottwale. Sie haben es dabei vor allem auf geschwächte Tiere abgesehen. Orcas werden deshalb sogar als „Killerwale“ bezeichnet – schon historische Walfänger beobachteten, wie die schwarz-weißen Wale in Gruppen größere Arten jagten. Wenn Timmy im Atlantik auf Orcas treffen sollte und sich bis dahin nicht erholt hat, könnte das also seinen Tod bedeuten. Und alles wäre umsonst gewesen.

Walforscher hält die Rettung für Geldverschwendung

Die Tierärztin ist nicht die Einzige, die die Rettung des Wals für problematisch hält. Auch Walforscher Peter T. Madsen äußerte sich in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sehr negativ über die Rettungsaktion. „Er wird so oder so sterben, da bin ich mir sicher“, sagt er über Timmy. „Wenn sie ihn freilassen, strandet er irgendwo anders und stirbt schließlich.“ Auch er glaubt nicht, dass Timmy im offenen Meer große Überlebenschancen hat. „Denn er ist krank.“

Wal Timmy in der Barge. Am Samstag verließ er den schwimmenden Untersatz in der Nordsee, ist jetzt in Freiheit.
Wal Timmy in der Barge. Am Samstag verließ er den schwimmenden Untersatz in der Nordsee, ist jetzt in Freiheit.Jens Schwarck/dpa

Um zu überleben, müsse das Tier fressen. „Dieser Wal schwimmt sehr langsam und ist erschöpft. Die Art, wie Buckelwale fressen, ist aber sehr energieintensiv“, sagt Madsen. „Dass das in diesem Fall funktionieren wird, kann ich mir nicht vorstellen.“ Die Rettungsaktion kritisiert er als Geldverschwendung – und betont, dass man mit dem Geld in Deutschland vermutlich eine ganze Art hätte retten können, beispielsweise eine Vogel- oder eine Mäuseart. Die Rettungsaktion sei außerdem Tierquälerei.

Wird Wal Timmy im offenen Meer überleben?

Unklar ist, wie es Timmy im Moment geht. Zwar wurde an dem Wal vor seiner Freilassung ein Peilsender angebracht. Aber: Dieser sendet nur sehr unregelmäßig. Wenn Werte beim Rettungsteam ankamen, seien diese gut gewesen, heißt es in einem Bericht von Bild.

Karin Walter-Mommert, die die Rettung mitfinanzierte, bezeichnete die Vitalwerte des Tiers mit „alles im grünen Bereich“. „Wenn das die nächsten 14 Tage so weitergeht, sind wir glücklich“, sagte sie. Auch danach ist der Wal noch lange nicht endgültig gerettet – doch mit jedem Tag steigen die Chancen, dass sich Timmy erholt.

Was halten Sie davon, dass und wie der Wal Timmy gerettet wurde? Schicken Sie uns Ihre Meinung per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!