Blumengeschmückte Tafeln, fast 500 geladene Frauen, die herzlichsten Glückwünsche der Parteispitze. Im Festsaal des Hauses des Zentralkomitees am Marx‑Engels‑Platz (heute Schlossplatz) in Berlin wurde der 8. März in der DDR alljährlich mit großem Brimborium zelebriert.
Führung stellt Frauen als Leistungsträgerinnen dar
Stellvertretend standen dort Arbeiterinnen, Genossenschaftsbäuerinnen, Wissenschaftlerinnen, Lehrerinnen und Pflegekräfte im Rampenlicht. Frauen, die die Führung als „Leistungsträgerinnen der Gesellschaft“ herausstellte. Der Tag war Kampf- und Ehrentag, politische Bühne und gesellschaftliches Ritual zugleich.
Internationaler Frauentag wird 1921 auf den 8. März gelegt
Der 8. März ist ein Kind der frühen sozialistischen Frauenbewegung. Arbeiterinnen gründeten ihn als internationale Aktion für Gleichberechtigung, Frauenwahlrecht und Emanzipation.
1921 legte die zweite Internationale Konferenz kommunistischer Frauen in Moskau auf Vorschlag der bulgarischen Delegation den 8. März als Gedenk- und Aktionstag fest. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Der internationale Frauentag findet weltweit jährlich am gleichen Tag statt.

Frauentag ist in Deutschland unterschiedlich verankert
In Deutschland ist er rechtlich unterschiedlich verankert. Berlin hat den 8. März 2019 zum gesetzlichen Feiertag erklärt, Mecklenburg‑Vorpommern folgte 2023. In allen anderen Bundesländern bleibt er ein regulärer Arbeitstag.
Frauentag in der DDR zwischen Aufwertung und Auftritt
Kaum ein anderer Tag verband in der DDR politische Selbstdarstellung und gesellschaftliche Wertschätzung so eng. Betriebe bereiteten sich monatelang vor, Brigaden schmückten Werkhallen, für „Aktivisten der sozialistischen Arbeit“ gab es Auszeichnungen. Neben den Empfängen durch hohe Partei-Apparatschiks waren die traditionellen Frauentagsfeiern in den Betrieben zentraler Bestandteil des 8. März. In geselliger Runde bedienten Männer die Frauen, schenkten Kaffee oder Schnaps ein und tanzten mit den Kolleginnen.
Erich Honecker würdigte den Beitrag der Frauen zur Stärkung des Sozialismus. Seine Worte verband er mit Lob und einem Leistungsversprechen: „Die jetzt vorliegende Abrechnung der ersten vier Jahre des Fünfjahrplans zeigt, daß wir ein gewaltiges Stück bei der Verwirklichung der vom VIII. Parteitag beschlossenen Hauptaufgabe vorangekommen sind. Wir werden, wenn wir alle weiterhin tüchtig anpacken, zum ersten Mal in der Geschichte der DDR unseren Fünfjahresplan nicht nur erfüllen, sondern übererfüllen.“
Clara-Zetkin-Medaille bekommt große Bedeutung
Die Botschaft war klar. Anerkennung – und Integration in den Produktionsauftrag. Entsprechend ehrte der Staat Frauen in großer Zahl, oft stellvertretend für die Mütter und Frauen der Welt und im Geist internationaler Solidarität.
Ein Gradmesser für die symbolische Aufladung war die Clara‑Zetkin‑Medaille. 154 Frauen und zehn Kollektive erhielten sie an einem Vormittag in Berlin. Die Auszeichnung verlieh der Vorsitzende des Ministerrates. Solche Momente verbanden persönlichen Stolz mit politischer Loyalität.
Die jetzt vorliegende Abrechnung der ersten vier Jahre des Fünfjahrplans zeigt, daß wir ein gewaltiges Stück bei der Verwirklichung der vom VIII. Parteitag beschlossenen Hauptaufgabe vorangekommen sind. Wir werden, wenn wir alle weiterhin tüchtig anpacken, zum ersten Mal in der Geschichte der DDR unseren Fünfjahresplan nicht nur erfüllen, sondern übererfüllen.
Die Medien dienen als Verstärker der Inszenierung
Zeitungen und Rundfunk inszenierten den 8. März als Schaufenster der Gleichberechtigung. Porträts von Brigadierinnen, Wissenschaftlerinnen und Agraringenieurinnen füllten die Seiten. „Leistungsträgerinnen der Gesellschaft“ erhielten Dankesworte.
Die Bedeutung war klar. Fortschritt, Sicherheit, Geborgenheit. Damit schloss der 8. März an die große Erzählung vom Frieden und der sozialistischen Gemeinschaft an.

Für die frühere Bundesrepublik nur Aktivismus
Und doch war der Tag mehr als Kulisse. Er bot Anerkennung, Sichtbarkeit, konkrete Förderwege. Gleichzeitig markierte er die Grenzen. Gleichberechtigung blieb oft auf Arbeit beschränkt, während Familienarbeit im Privaten traditionell weiblich blieb.
Dass Berlin (seit 2019) und Mecklenburg‑Vorpommern (seit 2023) den 8. März zum gesetzlichen Feiertag gemacht haben, ist ein politisches Signal – und ein Bruch mit der früheren Bundesrepublik, die den Tag lange als Aktivismus‑Datum verstand.




