Doppelte Täuschung

Stromausfall in Berlin: Kai Wegner steht wegen Falschaussagen unter Druck

Berlins Bürgermeister Kai Wegner sieht sich einem doppelten Täuschungsvorwurf ausgesetzt. Am Blackout-Tag koordinierte er angeblich nur sporadisch.

Author - Sebastian Krause
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Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) soll nach dem Stromausfall in der Stadt mehrfach nicht die Wahrheit gesagt haben.
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) soll nach dem Stromausfall in der Stadt mehrfach nicht die Wahrheit gesagt haben.Jens Schicke/imago

Doppelter Täuschungs‑Vorwurf gegen Berlins Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU). Am Blackout‑Tag, dem 3. Januar 2026, soll er die Öffentlichkeit gleich zweimal über sein Krisenmanagement in die Irre geführt haben – das berichtet der „Tagesspiegel“ am Dienstag.

Gab wohl keine Kontakte zur Bundesregierung

Der CDU-Politiker hatte öffentlich erklärt, er habe sich den ganzen Tag in seinem Homeoffice in Kladow eingeschlossen und intensiv koordiniert, ausdrücklich mit Gesprächen mit dem Bundeskanzleramt und dem Bundesinnenministerium. Doch laut Unterlagen der Senatskanzlei gab es vor seinem Tennismatch am Mittag solche Kontakte zur Bundesregierung wohl nicht.

Austausch nur mit kurzer Textnachricht

Die Dokumente wurden nach einem Eilantrag vor dem Berliner Verwaltungsgericht freigegeben. Demnach bestand Wegners Austausch am Vormittag lediglich aus einem kurzen Textnachrichten‑Dialog mit Innensenatorin Iris Spranger (SPD) sowie Kontakten zur Senatskanzlei und Teilen des Krisenstabs.

Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) versuchte am Vormittag, Wegner zu erreichen – ohne Erfolg. Sein Rückruf erfolgte erst gegen 12.45 Uhr.

Anfang des Jahres standen weite Teile von Berlin wegen eines Stromausfall im Dunkeln.
Anfang des Jahres standen weite Teile von Berlin wegen eines Stromausfall im Dunkeln.Emmanuele Contini/imago

Kritik an Kai Wegner reißt nicht ab

Schon zuvor stand Wegner in der Kritik: Am ersten Tag des Blackouts zeigte er sich nicht im betroffenen Berliner Stadtteil Zehlendorf, sondern spielte gemeinsam mit Schulsenatorin Katharina Günther‑Wünsch (CDU) Tennis. Zu dem Vorwurf, beim TV‑Auftritt die Unwahrheit gesagt zu haben, wollte die Senatskanzlei dem „Tagesspiegel“ zufolge keine Stellung nehmen.

Die Recherchen befeuern erneut die Kritik an dem Krisenmanagement des Regierenden. Werner Graf, Fraktionsvorsitzender der Berliner Grünen, teilte mit: „Strom kann ausfallen, ein Regierender darf es nicht.“ Wegner habe „seine Prioritäten falsch gesetzt“. Dass der Bürgermeister offenbar erneut die Öffentlichkeit getäuscht hat, schade dem Vertrauen in seine Regierung und in die Demokratie allgemein.

Strom kann ausfallen, ein Regierender darf es nicht.

Werner Graf, Fraktionsvorsitzender der Grünen

Rund 100.000 Menschen vom Stromausfall betroffen

Der Stromausfall in Berlin im Januar war der größte der Stadt seit dem Zweiten Weltkrieg. Insgesamt 100.000 Menschen waren betroffen, tagelang herrschte im Süden der Stadt Ausnahmezustand.

Die Bundesanwaltschaft ermittelt. Verantwortlich für den Stromausfall war ein mutmaßlich linksextremistischer Brandanschlag der sogenannten „Vulkangruppe“.

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