Wird 150 Meter hoch

Jetzt kommt der nächste Wolkenkratzer, der den Berliner Fernsehturm schluckt

Der Hines-Tower: Jetzt nimmt das nächste Hochhaus-Vorhaben am Alexanderplatz Fahrt auf, das uns die Sicht auf den Fernsehturm nimmt.

Author - Norbert Koch-Klaucke
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Der Hines-Turm soll nun am Alexanderplatz gebaut werden. Der nächste Wolkenkratzer, der dem Berliner Fernsehturm im Weg stehen könnte (Symbolbild).
Der Hines-Turm soll nun am Alexanderplatz gebaut werden. Der nächste Wolkenkratzer, der dem Berliner Fernsehturm im Weg stehen könnte (Symbolbild).KURIER-Illustration, KI erstellt

Es geht weiter hoch hinaus am Berliner Alexanderplatz. Dort soll nun der nächste Wolkenkratzer entstehen, der uns die Sicht auf den Berliner Fernsehturm nimmt. Mit 150 Metern würde der sogenannte Hines-Turm derzeit der höchste Wolkenkratzer auf dem Platz werden.

Wolkenkratzer am Alex: Keine Sicht auf Fernsehturm

Nachdem jahrelang gar nichts lief, schießen jetzt am Alex die Wolkenkratzer wie Pilze aus dem Boden. Die Baukräne drehen sich am Covivio-Hochhaus (130 Meter). Und das „The Berlinian“ am Galeria-Warenhaus hat bereits mit 146 Metern das Endstadium erreicht – und damit den Fernsehturm geschluckt.

Denn dank des Hochhauses am Warenhaus verschwindet das Berliner Wahrzeichen aus einer prominenten Sichtachse, die vor allem für Touristen ein beliebter Foto-Hotspot mit dem Fernsehturm war.

Dieser ist mit seinen 368 Metern das höchste Gebäude in Deutschland. Und die Aufregung der Berliner war groß, wie der Senat und der Bezirk es zulassen konnten, dass ein Wolkenkratzer den Fernsehturm aus dem Sichtfeld nimmt.

Der Wolkenkratzer am  Warenhaus am Alex hat den Berliner Fernsehturm fast komplett geschluckt. Es bleibt nur noch die Spitze.
Der Wolkenkratzer am Warenhaus am Alex hat den Berliner Fernsehturm fast komplett geschluckt. Es bleibt nur noch die Spitze.Norbert Koch-Klaucke

Doch nun nimmt das Projekt Hines-Turm Fahrt auf, benannt nach seinem US-amerikanischen Bauherrn. 150 Meter soll er hoch werden.

Auch er könnte an seinem Standort am Alex (neben Saturn) den Fernsehturm verschwinden lassen. Etwa bei denjenigen, die von der Karl-Marx-Allee beziehungsweise der Alexanderstraße auf das Berliner Wahrzeichen blicken.

Hines-Wolkenkratzer am Alex nahe am U-Bahntunnel

Eigentlich sollte der Hines-Tower einer der ersten neuen Wolkenkratzer am Alex werden. Dort, wo der Sockelbau mit dem Elektronik-Warenhaus steht.

Den Bebauungsplan gibt es seit 2000. Doch das Projekt geriet ins Stocken. 2017 hatte die BVG massive Bedenken gegen den Wolkenkratzer. Denn in der Nähe des Baus verläuft der Tunnel der vielbefahrenen U-Bahn-Linie U5.

So soll der Hines-Tower neben dem Saturn am Alex aussehen. Die Computer-Animation zeigt den Siegerentwurf.
So soll der Hines-Tower neben dem Saturn am Alex aussehen. Die Computer-Animation zeigt den Siegerentwurf.Frank Gehry

Der Tunnel liegt laut BVG vollständig im Grundwasser. Sollte es durch den Bau des Hochhauses zu einem unkontrollierten Wassereintritt in die U-Bahnröhre kommen, könnten „bis zu 17 U-Bahnhöfe geflutet werden“ und „infolgedessen der U-Bahnbetrieb mehrere Jahre erheblich beeinträchtigt“ werden, warnte die damalige BVG-Chefin Sigrid Evelyn Nikutta in einem Schreiben an die Senatsbauverwaltung.

Bauarbeiten auf dem Gleis im U-Bahnhof Alexanderplatz: Im Oktober 2022 sackte der Tunnel der U2 ab. In der Nähe befand sich eine Hochhaus-Baustelle.
Bauarbeiten auf dem Gleis im U-Bahnhof Alexanderplatz: Im Oktober 2022 sackte der Tunnel der U2 ab. In der Nähe befand sich eine Hochhaus-Baustelle.Sabine Gudath

Was das für Folgen haben kann, sah man am Bau des Covivio-Hochhauses, das im Mai 2027 fertig sein soll. Dort sackte 2022 der Tunnel der U2 ab, der direkt neben der Wolkenkratzer-Baustelle liegt.

Monate fuhr die U-Bahn nur im Pendelverkehr am Alex. Die Schuldfrage ist nicht offiziell geklärt. Der Millionen-Schaden ist allerdings beglichen worden.

Das alles soll nun beim Hines-Bau nicht passieren. Es wurde mit der BVG verhandelt und eine Grundsatzvereinbarung getroffen. „Darin wurden grundlegende Regelungen zur Sicherung, Ertüchtigung und Überwachung der im Bereich des Bauvorhabens gelegenen U-Bahnanlagen und die Kostenübernahme durch die Vorhabenträgerin (die Bauherrin, Anm. d. Red.) vereinbart“, teilt die Senatsbauverwaltung mit.

Wolkenkratzer am Alex: Berliner werden jetzt befragt

Auch der Streit um die Höhe des Wolkenkratzers ist vom Tisch. 2021 wollte die damalige Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, dass der Hines-Tower nur 130 Meter hoch wird – so wie das Hotel Park Inn und ursprünglich auch der Wolkenkratzer an der Galeria.

Doch der wird nun 146 Meter hoch. Und seit einigen Monaten hat der Senat auch nichts mehr gegen einen 150 Meter hohen Hines-Wolkenkratzer.

Offensichtlich soll der Bau nun zügig entstehen. Denn die Senatsbauverwaltung startet jetzt die Öffentlichkeitsbeteiligung für einen neuen Bebauungsplan für das Hines-Hochhaus. Darin geht es um die Formalie, dass der Wolkenkratzer an der unbebauten Seite des Saturn-Sockelbaus entstehen soll. Darin werden „die planungsrechtlichen Voraussetzungen“ für das Bauvorhaben geschaffen. An der Höhe von 150 Metern soll es bleiben.

Vom 23. März bis zum 24. April können sich die Berliner bei der Senatsbauverwaltung über den neuen Bebauungsplan informieren und dazu Stellungnahmen abgeben. Diese werden, in Abwägung mit anderen öffentlichen und privaten Belangen, in den Planungsprozess einbezogen, heißt es. Fraglich ist, ob auch eine versperrte Sicht auf den Fernsehturm berücksichtigt wird.

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