Staatsanwalt soll ermitteln

Peta stellt Strafanzeige: Tod von Tauben am Rathaus Köpenick schockiert Tierschützer

Strafanzeige bei der Staatsanwaltzschaft Berlin: Laut Peta soll eine neue Taubenabwehrmethode am Rathaus Köpenick tödliche Folgen gehabt haben.

Author - Norbert Koch-Klaucke
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Zwei Stadtauben vor dem Rathaus Köpenick.
Zwei Stadtauben vor dem Rathaus Köpenick.Jürgen Ritter/imago, Newscom World/imago, Montage von KI erstellt

Eine Strafanzeige der Tierschutzorganisation Peta, gestellt bei der Staatsanwaltschaft Berlin: Diese soll jetzt dem Bezirksamt Treptow-Köpenick ins Haus Rathaus geflattert sein. Der Grund sind tote Tauben. Tierschützer wollen sie im Hof des Rathaus Köpenick gefunden haben. Die Vögel seien aufgrund einer neuen Taubenabwehrmethode gestorben, behaupten die Tierschützer.

Wer tötete Tauben am Rathaus Köpenick?

Dabei war die Sache  gut gemeint. Statt mit scharfen Abwehrspikes sollten mit einem harmlosen Gel die Tauben vom Rathaus Köpenick vertrieben werden, um unter anderem zu verhindern, das Taubenkot das über 130 Jahre alte Gemäuer verziert. Das sogenannte „Bird Free“ soll den Vögeln keinen Schaden zufügen.

Die klebrige Paste soll laut Peta-Darstellung in Petrischalen als getarnte „Futterstellen“ im Hof des Gebäudes ausgelegt worden sein. „Ein Leuchtstoff in der Paste sorgt dafür, dass die Tauben glauben, sie sehen Feuer und verschwinden“, sagt eine Peta-Sprecherin dem KURIER.

Das harmlose Mittel ging beim Einsatz wohl nach hinten los. Laut Peta hätten Taubenschützerinnen am Rathaus eine Taube mit verklebtem Gefieder an einer Schale entdeckt – offenbar hatte sie Kontakt mit der klebrigen Paste, die eigentlich die Vögel nur abschrecken soll. In der Nähe fanden sie zwei tote Tauben, zerrissen von einem Beutegreifer.

Das sind die Schalen mit dem Gel, die vor allem auf Fassaden historischer Gdebäude ausgelegt werden, um Tauben zu vergraulen.
Das sind die Schalen mit dem Gel, die vor allem auf Fassaden historischer Gdebäude ausgelegt werden, um Tauben zu vergraulen.Bird Free

Der Verdacht: Die Tiere konnten wegen verklebter Flügel nicht vor dem Turmfalken fliehen, der im Rathausturm lebt. Die Folge: Peta stellte Strafanzeige bei der Berliner Staatsanwaltschaft. Vorwurf: möglicher Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Danach drohen Freiheitstrafen bis zu drei Jahren oder hohe Geldstrafen, wer Tiere ohne Grund tötet.

Neben der Strafanzeige fordert Peta  ein bundesweites Verbot des Gels – in den Bundesländern Bayern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Bremen ist es bereits untersagt.

„Taubenschwärme in Berlin sind menschengemacht“

„Immer wieder sind Stadttauben die Opfer qualvoller Vergrämungsmethoden“, sagt Tauben-Expertin Lisa Kainz von Peta. Sie erklärt: Die riesigen Taubenschwärme in den Städten seien menschengemacht. „Stadttauben sind Nachkommen gezüchteter Brieftauben. Die Kommunen sind in der Pflicht!“

Sie sind überall in Massen in Berlin. Hier lässt sich ein Taubenschwarm an der Schönhauser Allee von Passanten füttern.
Sie sind überall in Massen in Berlin. Hier lässt sich ein Taubenschwarm an der Schönhauser Allee von Passanten füttern.Schoening/imago

Denn die Tiere leiden: Als Körnerfresser finden sie in der Stadt kaum Nahrung und werden oft krank, so die Peta-Expertin. Gleichzeitig würden Tauben überall mit Spikes, Netzen und Plexiglas vertrieben – häufig mit schlimmen Folgen.

An vielen Gebäuden in Berlin (etwa an Bahnhöfen) ragen scharfkantige Metallspitzen heraus, die verhindern sollen, dass Tauben landen oder brüten. Doch der Plan gehe oft brutal nach hinten los: Verletzte Tiere, verendete Jungvögel in schlecht gesicherten Netzen sind die Folge. Manche Tauben würden ihre Nester sogar mitten ins Stachelfeld bauen – aus purer Not.

Laut Peta-Sprecherin wurde die Strafanzeige gegen das Bezirksamt Treptow-Köpenick bereits am 11. März gestellt. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft konnte allerdings den Eingang nicht bestätigen, will ihn aber auch nicht ausschließen. „Wir werden dem Fall nachgehen, so wie bei jeder Anzeige“, sagte der Sprecher.

„Turmfalke vom Rathaus Köpenick erlegt immer Tauben“

Das Bezirksamt konnte ebenfalls den Eingang einer Strafanzeige noch nicht bestätigen. Ob wirklich die Paste an dem Tod von zwei Tauben am Rathaus Köpenick, Amtssitz von Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) schuld hat, ist mehr als fraglich. Beweise dafür hat Peta offenbar nicht. Auch keine Fotos von den toten Tauben, die den Fund bestätigen könnten.

„Na ja, der Turmfalke hat schon immer Tauben bei uns erlegt“, heißt es aus dem Rathaus Köpenick. Auf die KURIER-Anfragen zur Peta-Strafanzeige und zu dem Einsatz des „Bird free“-Mittels wolle man antworten, könne dies aber nicht ad hoc. Man bat um Geduld.

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