Ein neues Taubenabwehrsystem, zwei tote Tauben am Rathaus Köpenick und eine Strafanzeige der Tierschützer von Peta: Jetzt geht der Vogel-Thriller im Südosten Berlins in die nächste Runde. Denn Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) und sein Bezirksamt lassen nicht den Vorwurf auf sich sitzen, sie seien etwa Taubenmörder.
Rathaus Köpenick: Wurde Gel zur Todesfalle für Tauben?
Wir erinnern uns: Seit Februar testet der Bezirk am Rathaus Köpenick ein neues Abwehrsystem, um unter anderem das alte Gemäuer vor dem Kot der Tauben zu schützen. Ein Gel namens „Bird Free“, das in mehreren Petrischalen an Gebäuden ausgelegt wird. Es soll die Vögel durch seinen Geruch und einen Farbreflex vergraulen, ohne den Tieren Schaden zuzufügen.
Doch genau dies soll am Rathaus geschehen sein. Laut Peta hätten Taubenschützerinnen am Rathaus eine Taube mit verklebtem Gefieder an einer Schale entdeckt – offenbar hatte sie Kontakt mit der klebrigen Paste, die eigentlich die Vögel nur abschrecken soll. In der Nähe fanden sie zwei tote Tauben, zerrissen von einem Turmfalken, der am Rathaus lebt.
Peta glaubt: Die beiden Tauben konnten wegen verklebter Flügel nicht vor dem Falken fliehen. Die Folge: Peta stellte Strafanzeige bei der Berliner Staatsanwaltschaft gegen das Bezirksamt Treptow-Köpenick wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz.
Das ist schon ein heftiger Vorwurf. Denn wer laut Gesetz Tiere ohne Grund tötet, dem drohen Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren oder hohe Geldstrafen. Hat also der Bezirk wirklich gegen das Tierschutzgesetz verstoßen?
Tote Tauben am Rathaus Köpenick: Reaktion auf Strafanzeige
Die Behörde des Bezirksbürgermeisters Igel will den Vorwurf von Peta so nicht stehen lassen und wehrt sich. Zunächst stellt Behördensprecherin Sabrina Kirmse fest: „Dem Bezirksamt Treptow-Köpenick als Auftraggeber des Vergrämungsmittels liegt derzeit keine Mitteilung der Staatsanwaltschaft Berlin über eine Strafanzeige im Zusammenhang mit der Taubenabwehr am Rathaus Köpenick vor.“ So war der Stand vom 18. März.
Weiter erklärt die Sprecherin: „Das Bezirksamt nimmt die in der Öffentlichkeit erhobenen Vorwürfe sehr ernst. Nach aktuellem Kenntnisstand gibt es jedoch keinen belastbaren Nachweis für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen dem am Rathaus eingesetzten, zugelassenen Vergrämungsmittel und den aufgefundenen toten Tauben.“



