Ein Fuchs liegt regungslos am Straßenrand, ein Schwan sitzt auf dem Eis, eine Taube hockt im Treppenhaus – und schon greifen viele Berliner zum Telefon. Was tun? Ist das Tier verletzt? Braucht es Hilfe? Genau für solche Fälle gibt es das Projekt Wildtiernah Berlin. Seit dem Start vor wenigen Monaten haben die Experten bereits hunderte Anfragen beantwortet. Der Berliner KURIER hat die verrücktesten Anrufe rausgesucht.
Balkon-Raubzug einer hungrigen Krähe
So meldete sich kürzlich ein Anrufer mit einer ungewöhnlichen Beobachtung. Eine Krähe hatte auf seinem Balkon ein Steak gestohlen – und war damit einfach davongeflogen. Hilfe brauchte er eigentlich nicht. Er wollte die Wildtier-Experten nur informieren. Offenbar beeindruckt von dem dreisten Diebstahl.
Weniger amüsiert war dagegen ein Berliner, der zwei Füchse entdeckte, die scheinbar „ineinander verheddert“ mitten im Grünen lagen – und das schon seit längerer Zeit. Seine Sorge: Die Tiere seien verletzt und kämen nicht mehr los. Die Antwort der Fachleute war beruhigend. Füchse verhaken sich nach der Paarung oft für bis zu 30 Minuten oder sogar länger. Das sieht dramatisch aus, ist aber völlig normal.

Auch ein Graureiher sorgte für Verwunderung. Immer wieder lief der Vogel über denselben Bürgersteig und starrte konzentriert in ein bestimmtes Gebüsch. Ein Anrufer fragte besorgt: „Was macht der da?“ Die Erklärung: Der Reiher war auf Rattenjagd und ziemlich erfolgreich.
Besonders kreativ zeigte sich eine Taube in einem Berliner Treppenhaus. Sie hatte sich ein Nest gebaut, allerdings nicht aus Zweigen oder Gras. Als die Tierärzte eintrafen, fanden sie eine gesunde, brütende Taube vor, deren Nest ausschließlich aus Kabelbindern, Drähten und Bauschrott bestand. Improvisation auf Großstadt-Niveau.
Darum brauchen Wildtiere kein Extra-Futter
Neben solchen Geschichten stoßen die Mitarbeiter von Wildtiernah aber auch immer wieder auf hartnäckige Missverständnisse. Viele Menschen glauben etwa, Wildtiere müssten unbedingt gefüttert werden. Doch das Gegenteil ist der Fall. Füchse, Waschbären oder Krähen sind längst an das Stadtleben angepasst und finden genug Nahrung in Müll, Essensresten und Parks. Gut gemeintes Füttern schadet oft mehr, als es hilft.


