Dauerfrost, Eisregen, vereiste Böden! Der Berliner Winter zeigt sich gerade von seiner härtesten Seite und bringt viele Wildtiere an ihre Grenzen. Während Menschen sich mit dicken Jacken schützen können, kämpfen Rehe, Wildschweine und Vögel in der Hauptstadt ums tägliche Überleben.
Vereister Boden wird zur größten Gefahr
„Die Tiere leiden weniger unter der Kälte als unter dem gefrorenen Boden“, sagt Derk Ehlert, Wildtierexperte des Berliner Senats gegenüber dem Berliner KURIER. „Rehe und Wildschweine sind daran gewöhnt, dass es kalt wird.“
Denn genau dort, auf dem vereisten Boden, liegt die Nahrung. Rehe kommen dann nicht mehr an Gräser heran und weichen auf Baumrinde aus. Wildschweine wiederum wollen wühlen – doch der gefrorene Untergrund macht ihnen das fast unmöglich. „In dicken Laubschichten klappt das manchmal noch“, erklärt Ehlert.
Besonders dramatisch ist die Situation für Wildschweine mit Nachwuchs. In Berlin gibt es bereits Frischlinge. „Die Wildschweine bekommen nicht umsonst sechs oder sieben Junge“, sagt Ehlert. Viele würden die ersten Wochen nicht überstehen. Die Kleinen müssten ständig gewärmt werden, gleichzeitig reiche die Milchleistung der Mutter bei der Kälte oft nicht aus. Zusätzlich droht Gefahr durch Eisflächen. Brechen Tiere ein, kann das tödlich enden.

Ganz anders sieht es unter Wasser aus. Fische kommen mit dem Frost gut zurecht. Sie verfallen in eine Art Winterstarre und ziehen sich in tiefere Wasserschichten zurück. „Bei Wassertiefen unter 80 Zentimetern sind sie gut aufgehoben“, so Ehlert. Problematisch werde es allerdings, wenn Menschen das Eis betreten. Der Lärm zwingt die Tiere zur Bewegung – das kostet Energie.
Eis zwingt Wasservögel zur Winterflucht
Für Wasservögel ist die Lage deutlich angespannter. Stockenten können noch auf Wälder und Grünflächen ausweichen. Andere Arten wie Kormorane, Gänse oder Schellenten sind jedoch auf offene Wasserflächen angewiesen. „Für sie wird es jetzt eng“, sagt Ehlert. Viele befinden sich in der sogenannten Winterflucht. Sie ziehen planlos umher und suchen verzweifelt nach eisfreien Stellen.
Besonders hart trifft es die Kormorane. Sie sind Fischfresser und brauchen offene Gewässer. Doch wenn alles zufriert, konzentrieren sich viele Tiere auf wenige freie Stellen. Dort fischen sie, bis kaum noch Nahrung da ist. „Allein in den vergangenen Tagen wurden an mehreren Stellen in Berlin über 40 tote Kormorane gefunden“, berichtet Ehlert.
Für den Eisvogel wird der Winter zur Falle
Noch schlechter steht es um eine Vogelart, deren Name in diesen Tagen trügt: den Eisvogel. „Der freut sich überhaupt nicht über Eis“, sagt Ehlert. Da er nicht wegzieht und ausschließlich von Fisch lebt, sterben in strengen Wintern bis zu 80 Prozent eines Bestands. Eisvögel können allerdings im Jahr zweimal brüten – so gleichen sie Verluste zumindest teilweise wieder aus. Nach milden Wintern hätten viele Tiere überlebt, „dieses Jahr sieht es leider anders aus“.



