Anschläge, Brände, Hacker

Sicherheitsalarm in Berlins Krankenhäusern

Warum Kliniken immer öfter ins Visier geraten – und was jetzt getan werden muss.

Author - Tobias Esters
Teilen
Ärzte laufen durch einen Flur zur Rettungsstelle des Vivantes-Humboldt-Klinikums in Berlin.
Ärzte laufen durch einen Flur zur Rettungsstelle des Vivantes-Humboldt-Klinikums in Berlin.Gregor Fischer/dpa

Unbekannte Drohnen über Klinikgeländen, Cyberangriffe auf IT-Systeme, aufgebrochene Türen, fremde Personen in eigentlich gesperrten Bereichen – und sogar Brand- und Sprengsätze. Was lange abstrakt klang, ist in Berliner Krankenhäusern längst Realität. Die Vorgänge häufen sich, die Verunsicherung wächst.

Explosion erschüttert Klinik

Wie real die Bedrohung ist, zeigten mehrere Vorfälle im vergangenen Jahr. In einer Novembernacht erschütterte eine Explosion das Vivantes-Klinikum in Buckow. Scheiben zerbarsten, Teile des Gebäudes wurden schwer beschädigt.

Nur Stunden später brannte es am Eingang der Charité an der Invalidenstraße in Mitte. In beiden Fällen waren Bereiche betroffen, in denen Krebspatienten behandelt werden. Die Hintergründe blieben zunächst unklar, der Staatsschutz übernahm die Ermittlungen wegen des Verdachts einer politisch motivierten Tat.

Auch im Bundeswehrkrankenhaus in Berlin-Mitte kam es im Sommer zu mehreren Bränden. Innerhalb weniger Wochen wurden dort wiederholt Feuer gelegt, unter anderem in technischen Bereichen des Gebäudes. Das berichtete die B.Z.

Das Bundeswehrkrankenhaus in Berlin-Mitte: Die Klinik war im vergangenen Jahr mehrfach von Brandvorfällen betroffen.
Das Bundeswehrkrankenhaus in Berlin-Mitte: Die Klinik war im vergangenen Jahr mehrfach von Brandvorfällen betroffen.dts Nachrichtenagentur/IMAGO

Sicherheitsbehörden stufen solche Vorfälle laut einem RBB-Bericht inzwischen teilweise als mögliche Akte von Spionage und Sabotage ein. Für die Kliniken ist klar, dass Handlungsbedarf besteht. Deshalb haben die Berliner Krankenhausgesellschaft (BKG) und die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege bereits Ende des vergangenen Jahres eine Informationsveranstaltung für Krankenhäuser initiiert.

Kliniken reagieren auf neue Bedrohungslage

Marc Schreiner, Geschäftsführer der Berliner Krankenhausgesellschaft, macht deutlich, warum der Handlungsdruck so groß ist. Krankenhäuser seien „das Rückgrat der Gesundheitsversorgung“ und Teil der kritischen Infrastruktur. Ihr Schutz sei Voraussetzung dafür, „um die Leistungsfähigkeit im Rahmen des Zivilschutzes zu gewährleisten“. Gerade hybride Angriffe zielten auf Destabilisierung – „das dürfen wir nicht zulassen“.

Studie zeigt massive Sicherheitslücken

Wie verwundbar Kliniken tatsächlich sind, belegt auch eine aktuelle Studie im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Sie identifiziert bundesweit gravierende Sicherheitslücken und beziffert den Investitionsbedarf auf rund 2,7 Milliarden Euro, hinzu kommen jährliche Betriebskosten von etwa 670 Millionen Euro.

Krankenhäuser stehen laut Studie in einem grundsätzlichen Zielkonflikt. Als öffentliche Einrichtungen sollen sie offen und zugänglich sein – zugleich aber sicher. Klinikgelände seien oft frei begehbar und nicht wie Industrieanlagen durch Zäune oder Wachschutz gesichert. Empfohlen werden daher klar abgegrenzte, verschließbare Sicherheitsbereiche, kontrollierte Zugänge zu Intensivstationen, OPs und Notaufnahmen sowie digitale Ausweissysteme und Videoüberwachung.

Eingang des Universitätsklinikums Düsseldorf. Ein Hackerangriff legte dort 2020 große Teile der IT lahm.
Eingang des Universitätsklinikums Düsseldorf. Ein Hackerangriff legte dort 2020 große Teile der IT lahm.Funke Foto/IMAGO

Auch die technische Resilienz gilt als kritisch. Die Studie fordert unter anderem Wasser- und Sauerstoffreserven für bis zu 72 Stunden sowie ebenso lange leistungsfähige Notstromversorgung.

Wie gravierend die Folgen von Angriffen sein können, zeigte bereits ein Cyberangriff auf das Universitätsklinikum Düsseldorf. Dort legte eine Schadsoftware große Teile der IT lahm, das Krankenhaus war tagelang nicht für Rettungsdienste anfahrbar.

Für Marc Schreiner ist die Lage eindeutig. Die Krankenhäuser in Berlin sind bereit, Verantwortung zu übernehmen und ihre Sicherheitskonzepte deutlich zu verschärfen. Doch ohne Unterstützung von außen stoßen sie an ihre Grenzen. Der Schutz der Kliniken sei „längst keine interne Aufgabe mehr“, sondern müsse gemeinsam mit den Sicherheitsbehörden angegangen werden. Seine Warnung ist unmissverständlich: „Die Zeit drängt. Sicherheit gibt es nicht zum Nulltarif. Wir brauchen unverzüglich einen Resilienzbooster.“

Was halten Sie von der Situation bei Krankenhäusern? Schicken Sie uns Ihre Meinung an leser-bk@berlinerverlag.com!