Große Neueröffnung

Humpeln, Lungern, Pullern: Im Altenheim für Tiere ist alles erlaubt

Am 29. Mai feiert das Altenheim für Tiere in Pankow die Eröffnung seines neuen Standortes.

Author - Stefanie Hildebrandt
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Das Altenheim für Tiere  von Dirk Bufé und Hartmut Benter feiert im Mai große Neueröffnung am neuen Standort in Pankow.
Das Altenheim für Tiere von Dirk Bufé und Hartmut Benter feiert im Mai große Neueröffnung am neuen Standort in Pankow.Benjamin Pritzkuleit/Berliner Kurier

Das Altenheim für Tiere in Berlin Pankow ist eine Institution, die viele Freunde hat. Mit Herzblut haben die Gründer Dirk Bufé (59), Hartmut Benter (64) und viele ehrenamtlichen Mitstreiter ein Refugium für die Ausgestoßenen geschaffen. Ein Domizil für gestrandete tierische Existenzen, Hospiz und Heim in einem. Jetzt wird endlich die Neueröffnung des neuen Standorts gefeiert.  

Ein Tierheim für Alte und Kranke in Berlin Pankow

Seit mittlerweile 20 Jahren geben die ehemaligen Postboten Dirk und Hartmut alles für alte und kranke Hunde, Katzen und Vögel. Zuerst in ihrem eigenen Haus und Garten in Berlin Blankenburg und seit einiger Zeit auf der Noch-Baustelle des neuen Standorts des Altenheims für Tiere in einem Gewerbegebiet in Pankow.

Nur mit Spendengeldern schufen Hartmut und Dirk gegen alle bürokratischen Hürden einen Ort, an dem die geschundenen Kreaturen in Ruhe sein dürfen. Bis zum Ende gibt es hier für jeden ein Körbchen. 

Am 29. Mai wird der Neubau des Altenheims für Tiere feierlich eingweiht und offiziell eröffnet.

Katzen im Altenheim für Tiere. Diese Katzen sind noch jünger und suchen ein neues Zuhause.
Katzen im Altenheim für Tiere. Diese Katzen sind noch jünger und suchen ein neues Zuhause.Benjamin Pritzkuleit/Berliner Kurier

Graue Häuser gibt es schon genug

Schon von der Autobahn aus, sieht man die neu gebauten Häuser mit dem knallgelben und orangen Anstrich. „Wir wollten nicht noch mehr Grau“, sagt Dirk Bufé, „gibt ja schon genug davon.“

Wenn erst die jungen Bäume ausschlagen und die Wege zwischen den Tierhäusern und Volieren gepflastert sind, wollen sie die Türen des Hofs für alle Besucher weit aufreißen.

Ein Herz für den Tierschutz

Alle sollen kommen und das Wunder sehen. „Wir haben es nie für möglich gehalten, dass der Vogelgnadenhof irgendwann so groß wird“, staunt Hartmut Benter. „Aber wir mussten ja wachsen.“ Der Bedarf nach einem Ort für die Tiere, die einmal treue Begleiter waren, und die dann keiner mehr wollte, wuchs stetig.

So mancher Halter will den Gefährten lieblos entsorgen.  Wenn  ein Tier Kosten  verursacht, nicht mehr in den Alltag passt, etwa. Andere handeln aus Not. Wohin mit dem Tier bei Krankheit oder Armut?

Dirk Bufé und Kakadu Bella. Neben Hunden und Katzen leben auch 300 Vögel im Altenheim für Tiere. Sie werden nich weiter vermittelt.
Dirk Bufé und Kakadu Bella. Neben Hunden und Katzen leben auch 300 Vögel im Altenheim für Tiere. Sie werden nich weiter vermittelt.Benjamin Pritzkuleit/Berliner Kurier

Jeden Tag ein Hilferuf

„Wir haben noch immer jeden Tag Anfragen“, sagt Hartmut Benter und zeigt den jüngsten Hilferuf aus Bayern. Helga, eine 11-jährige Hündin, soll nach Berlin kommen. Bei ihrer jetzigen Halterin kann die taube, inkontinente Hunde-Omi nicht bleiben. „Natürlich nehmen wir die Kleene“, sagt Dirk Bufé.

Heute leben 35 Hunde, 20 Katzen und an die 300 Vögel im Altenheim für Tiere auf 4000 Quadratmetern. 20 Ehrenamtliche kommen regelmäßig, um sie zu versorgen.

Helga ist 11 Jahre alt und taub. Aus Bayern wird sie bald nach Berlin umziehen.
Helga ist 11 Jahre alt und taub. Aus Bayern wird sie bald nach Berlin umziehen.Stefanie Hildebrandt

Wer sein Tier abgeben will, muss, anders als in den Anfangstagen, mittlerweile eine monatliche Gebühr zahlen. „Wir wollen Sicherheit für die Tiere, die hier sind“, erklären die Gründer des privaten Tierheims.

Die meisten Tiere sind krank und benötigen Medikamente oder Spezialfutter. Auch für die Tierarztkosten wird das Geld verwendet, ebenso für Futter und Material.

Neue Anlage für zwei Millionen

Und auch die Kosten für die neue Anlage – zwei Millionen Euro – sind über Spendengelder zusammengekommen. Seit 2018 verhandelten Benter und Bufé über einen neuen Standort für ihr Lebenswerk.
Schließlich war der Platz im eigenen Garten längst viel zu knapp für all die Tiere geworden.

Hartmut Benter und eine der Katzen, die im Altenheim für Tiere auf ein neues Zuhause warten.
Hartmut Benter und eine der Katzen, die im Altenheim für Tiere auf ein neues Zuhause warten.Stefanie Hildebrandt

Kein Sofa, keine Bank, auf der nicht ein alter Hund lag, keine Ecke in der es nicht krächzte oder miaute.  Das über die Jahre gewachsene Konstrukt, immer von der Politik nur geduldet, musste endlich auf stabile Füße gestellt werden.

Neue Aufgaben für die Rentner

Mit dem neuen Grundstück, das in  einem Gewerbegebiet an der Autobahn lange gepachtet werden kann, haben Benter und Bufé nun die Weichen für die Zukunft gestellt. „Wir wissen gar nicht, wie wir das so lange durchgehalten haben“, sagen die beiden Ex-Postboten. Jetzt, wo sie in Rente sind, starten sie für ihre Schützlinge noch einmal durch.

Dirk Bufé und Hartmut Benter haben bis zur Eröffnung noch viel zu tun. Demnächst sollen alle Wege zwischen den Volieren gepflastert werden.
Dirk Bufé und Hartmut Benter haben bis zur Eröffnung noch viel zu tun. Demnächst sollen alle Wege zwischen den Volieren gepflastert werden.Benjamin Pritzkuleit/Berliner Kurier

Würde im Alter für Dogge Ronaldo und Mischling Elli

Und wer in die großen, wässrigen Augen von Dogge Ronaldo schaut, der weiß, warum sich die beiden für die Tiere aufopfern. Ronaldo und seine Schwester Ronja wurden mit wenigen Monaten an einer Autobahn ausgesetzt. Seit zehn Jahren lebt Ronaldo auf dem Gnadenhof.

Auch wer zusieht, wie Elli, die sich als Kettenhund in einer Silvesternacht vor Angst so strangulierte, dass ihre Wirbelsäule brach, über den Auslauf humpelt, der ahnt, wie wichtig Orte wie dieser sind.

All die Arbeit lohnt sich für Lenny, der als Welpe in Polen gekauft wurde und entsorgt werden sollte, als er nicht sofort stubenrein war. „Heute ist Lenny unser Therapiehund, er animiert die Alten, aufzustehen“, sagt Dirk Bufé. Jeder ist nützlich und jeder ist wertvoll, bis zu einem Ende in Würde.

Gleich nebenan: Das Krematorium für Tiere

Direkt neben dem Altenheim für Tiere befindet sich das Portaleum, das berlinweit erste  Krematorium für Tiere. Ob das nicht makaber ist? Nein, wieso, fragen Benter und Bufé.

Es gebe ja auch Altenheime für Menschen neben Friedhöfen. „Das ist eben der Lauf der Dinge. Wir arbeiten mit dem Krematorium zusammen.“ Wichtig sei doch, das hier bis zum Schluss keiner schön aussehen oder nützlich sein muss. Im Altenheim für Tiere darf gehumpelt, gelungert und gepullert werden.

Eröffnung mit viel Schlager-Prominenz

Und zur Eröffnung am 29. Mai kommen alle, die das Herz am richtigen Fleck haben. Von 11 bis 16 Uhr gibt es für 3 Euro Eintritt ein buntes Programm. Michael Niekammer, bis zu seinem Tod der Partner von Ekki Göpelt, wird moderieren, Bert Beel singt, ebenso Mario Marschall, Kammersänger Heiko Reisig, Andrea und Wilfried Peetz und Oliver Thomas.

Es gibt  Trödelstände und Gegrilltes und natürlich jede Menge Streicheleinheiten für die Tiere. Wer weiß, vielleicht findet sich ein neues Zuhause für eine der Katzen, oder einen der rumänischen Schäferhunde, die derzeit zur Vermittlung stehen.

Das Altenheim für Tiere befindet sich Am Posseberg 31, erreichbar unter der Woche auch mit dem Bus der Linie 259.

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