Linksterrorismus

Das Teflon-BKA: Ermittler lassen Fragen zu den Berliner Strom-Terroristen abprallen

Nach dem Mega-Blackout mit 100.000 Betroffenen fehlt von den Strom-Attentätern jede Spur. Das BKA prüfte Hunderte Hinweise – ohne Durchbruch.

Author - Norbert Koch-Klaucke
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Ein BKA-Beamter steht an einem Tatort. (Symbolbild)
Ein BKA-Beamter steht an einem Tatort. (Symbolbild)Bihlmayerfotografie/imago

Erst Strom weg, dann Karriere kaputt. Der Mega-Stromausfall im Südwesten Berlins hat Berlins Regierenden zu Fall gebracht. Nach einem halben Jahr Ausreden und Unwahrheiten zog Kai Wegner (CDU) vor wenigen Tagen die politischen Konsequenzen und trat von seiner Spitzenkandidatur für die Berlin-Wahl zurück. Und die Polizei? Sie jagt noch immer nach den Linksterroristen, die sich zu dem Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz bekannten. Doch es ist seltsam ruhig um den Fall geworden.

Anschlag auf Stromnetz: 100.000 Berliner fünf Tage ohne Licht und Wärme

Wir erinnern uns: Anfang Januar waren mehr als 100.000 Menschen in Steglitz-Zehlendorf ohne Strom und Heizung – und das bei klirrenden Minusgraden. Bis zu fünf Tage hatten sie kein Licht, kein warmes Wasser und froren in ihren Wohnungen.

Grund war ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke nahe dem Kraftwerk Lichterfelde. Zu dem Attentat bekannten sich die Linksterroristen der Vulkangruppe.

Nahe dem Kraftwerk Lichtefelde hatten am 3. Januar 2026 Linksterroristen eine Kabelbrücke in Brand gesetzt.
Nahe dem Kraftwerk Lichtefelde hatten am 3. Januar 2026 Linksterroristen eine Kabelbrücke in Brand gesetzt.Sebastian Gollnow/dpa

Mit voller Härte wolle man die Attentäter verfolgen und zur Rechenschaft ziehen, die für den größten Blackout der Berliner Nachkriegsgeschichte verantwortlich waren.

Die Generalbundesanwaltschaft schob im Januar eine Öffentlichkeitsfahndung an und lobte vier Wochen lang eine Million Euro für Hinweise aus, die zur Ergreifung der Täter führen. Zu der Jagd auf die Attentäter wurden BKA-Ermittler eingesetzt.

Auf großen Werbeplakaten fahndete das BKA Anfang des Jahres nach den Strom-Terroristen, die den Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz verübt hatten.
Auf großen Werbeplakaten fahndete das BKA Anfang des Jahres nach den Strom-Terroristen, die den Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz verübt hatten.Sebastian Gollnow/dpa

Seitdem ist nun mehr als ein halbes Jahr ins Land gegangen. Die großen Fahndungsplakate an den Straßenkreuzungen und in den Bahnhöfen sind längst aus dem Stadtbild verschwunden. Auf Erfolgsmeldungen seitens der BKA-Ermittler wartet man bisher vergeblich.

Wie ist nun der Stand der Dinge? Der KURIER fragte beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden nach. Wir wollen ganz konkret wissen: Wie viele Hinweise sind bis heute beim BKA eingegangen? Wie viele Hinweise sind davon verwertbar? Gibt es eine heiße Spur? Wenn ja, in welche Richtung?

Können Attentäter gefasst werden? Das sagt das BKA

Natürlich wollen wir auch wissen, wie die Ermittler arbeiten. Was wird seitens des BKA unternommen, um die Attentäter zu ergreifen? Und: Konnte aufgrund der Hinweise die Belohnung von einer Million Euro ausgezahlt werden?

Doch die Fragen zu Ermittlungen und Erkenntnissen lässt das BKA abprallen. Eine Sprecherin erklärt dem KURIER nur ganz allgemein: „Der vier Wochen begrenzte Zeugenaufruf mit einer Auslobung in Höhe von einer Million Euro endete am 24.02.2026. Dem Bundeskriminalamt wurden bis zum Ablauf der Frist eine mittlere dreistellige Zahl an Hinweisen zugeleitet, welche entsprechend auch über den Auslobungszeitraum hinaus weiterhin bearbeitet und intensiv überprüft werden. Ich bitte um Verständnis, dass aufgrund des laufenden Ermittlungsverfahrens keine weitergehende Auskunft erteilt werden kann.“

Mit anderen Worten: Es gibt keine heiße Spur. Die Ermittler tappen tatsächlich im Dunkeln. Darauf weist schon hin, dass das BKA noch nicht einmal die genaue Zahl der Hinweise verraten will, die bis heute bei den Ermittlern eingegangen sind. Erfolgsmeldungen würden sich ganz anders lesen.

Fakt ist: Die Ermittler sind weiterhin auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. Auf der Fahndungsseite des BKA-Portals im Internet wird weiterhin nach einer oder mehreren „unbekannten Personen gesucht“, die am 3. Januar 2026 ein Stromkabel durch einen Brandanschlag am Heizkraftwerk Lichterfelde massiv beschädigten. Allerdings wird keine Millionensumme mehr ausgelobt.

Auf der Internetseite des Bundeskriminalamtes fahndet man noch immer nach den Attentätern des Brandanschlages vom Januar 2026 in Berlin.
Auf der Internetseite des Bundeskriminalamtes fahndet man noch immer nach den Attentätern des Brandanschlages vom Januar 2026 in Berlin.Screenshot

Kann nach Meinung des BKA der Fall aufgeklärt und können die Täter festgenommen werden? Auch diese KURIER-Frage wird vom BKA nicht beantwortet. Schon kurz nach dem Bekennerschreiben der Vulkangruppe hatten Terror-Experten im Januar erklärt, dass es nicht einfach sein wird, die Linksterroristen der Vulkangruppe zu fassen, die seit 2011 mehrere Anschläge auf Bahn- und Stromanlagen in Berlin und Brandenburg verübt hat.

Der ehemalige Berliner LKA-Ermittler Klaus Nachtigall sagte damals im ZDF, dass man auf der Jagd nach den Attentätern vor allem nachrichtendienstliche Mittel einsetzen müsste. Etwa V-Leute, die man in der linksextremistischen Szene einschleusen müsste. Bis es zu Festnahmen kommt, „wird es eine lange Zeit brauchen“.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com