Stromausfall

Terror von links: 22 Brandanschläge auf Infrastruktur in Berlin

Seit Jahren erlebt Berlin immer wieder gezielte Angriffe auf seine Infrastruktur. Mindestens 22 Brandanschläge auf Kabel oder Funkmasten wurden verzeichnet.

Author - Stefanie Hildebrandt
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Einsatzkräfte der Polizei stehen an der Brandstelle einer Kabelbrücke vor dem Kraftwerk Lichterfelde. Der Anschlag sorgte für einen massiven Stromausfall im Südwesten Berlins.
Einsatzkräfte der Polizei stehen an der Brandstelle einer Kabelbrücke vor dem Kraftwerk Lichterfelde. Der Anschlag sorgte für einen massiven Stromausfall im Südwesten Berlins.dpa

Wenn in Berlin mal wieder der Strom ausfällt, Hunderte Haushalte betroffen sind, steht immer wieder die Frage im Raum: War das wieder ein Anschlag? Die Frage ist berechtigt, wie neue Zahlen zeigen.

Linksextreme zielen auf Infrastruktur

In Berlin sind seit dem Jahr 2000 mindestens 22 Brandanschläge von Linksextremisten auf kritische Infrastruktur wie Stromleitungen verübt worden. Das geht aus einer Auflistung von Polizei und Senatsinnenverwaltung in einer Antwort auf eine AfD-Anfrage hervor.

Vor allem Stromkabel, Trafostationen, Kabelschächte und Funkmasten waren Ziel der Brandanschläge.

Die genauen Daten und Orte sind in der Liste nicht enthalten, sie endet mit dem Anschlag auf die Hochspannungskabel Anfang Januar im Südwesten Berlins mit einem tagelangen großen Stromausfall.

Beim jüngsten Stromausfall im Südwesten gab es hingegen bisher keine Hinweise auf Sabotage.

Anschläge in Brandenburg haben auch Wirkung in Berlin

Weitere Anschläge gab es in dem Zeitraum auch in Brandenburg mit Bezug zu möglichen Tätern oder Objekten aus Berlin. Sicherheitspolitisch werde „von einem gemeinsamen Gefahrenraum für Berlin und Brandenburg ausgegangen“, hieß es.

Im März 2024 führte etwa ein mutmaßlicher Brandanschlag der linksextremen „Vulkangruppe“ auf einen Strommast nahe der Tesla-Gigafactory in Grünheide zu einem tagelangen Produktionsstopp und immensen Schäden.

Nach dem Brand einer Kabelbrücke im Südwesten Berlins fiel für 45.000 Haushalte und 2000 Gewerbebetriebe der Strom aus.
Nach dem Brand einer Kabelbrücke im Südwesten Berlins fiel für 45.000 Haushalte und 2000 Gewerbebetriebe der Strom aus.dpa

Auf der linksextremistischen Internetplattform „Switch Off“ werden inzwischen über 50 Aktionen, Angriffe und Anschläge mit Bezug auf Berlin aufgelistet, teilt die Senatsinnenverwaltung mit.

„Switch Off“ wird als anarchistisch geprägt, linksextremistisch beschrieben und ist seit 2023 bundesweit aktiv. Zu den Sabotageakten der Gruppe zählen Sachbeschädigungen oder Brandstiftungen, bei denen sich die Schäden mittlerweile auf mehrere Millionen Euro belaufen.

Die Extremisten sehen sich auch als Teil der Klimabewegung und fordern einen „tatsächlichen revolutionären Bruch“ mit dem Kapitalismus und dem aktuell vorherrschenden politischen System. 

Die Initiative will mit Themen wie Umwelt, Technologien, Faschismus oder Israel möglichst viele Aktivisten ansprechen.

2000 Stromausfälle im Jahr in Berlin

Im Vergleich sind die 22 Anschläge, infolge derer es seit dem Jahr 2000 zu Stromausfällen kam, aber ein kleiner Faktor: Henrik Beuster, Sprecher bei Stromnetz Berlin, spricht von 1900 bis 2000 Stromausfällen im Jahr in der Stadt. Bei zweieinhalb Millionen Anschlüssen in Berlin – vom Einfamilienhaus bis zur Firma – sei das ein durchschnittlicher Wert.

Über die Auswirkungen eines Sabotageakts von links sagen die Zahlen allerdings wenig. Als im Januar im Südwesten der Stadt ein Stromausfall 45.000 Haushalte und 2200 Gewerbeeinheiten tagelang lahmlegte, wurde nach dem Brandanschlag auf eine Kabeltrasse im Berliner Stromnetz vom Bund eine Rekordbelohnung von einer Million Euro für Hinweise ausgelobt.

Diese Maßnahme sollte dazu dienen, die Täter zu überführen. Am Tag des Blackouts war ein Bekennerschreiben – unterzeichnet mit „Vulkangruppe – Den Herrschenden den Saft abdrehen“ – aufgetaucht.

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