Aufatmen in Berlin-Marienfelde: Nach einem stundenlangen Geiseldrama in einem Rewe-Supermarkt konnte am Morgen ein SEK, ein Sondereinsatzkommando der Berliner Polizei, die Geisel befreien und den Geiselnehmer überwältigen. Die Geisel war eine Kassiererin, die am späten Abend die letzten Kunden im Supermarkt abkassierte. „Sie war einfach am falschen Ort zum falschen Zeitpunkt“, sagte vor Ort ein 22-Jähriger Rewe-Mitarbeiter.
SEK überwältigt Geiselnehmer mit Taser-Angriff
„Spezialeinsatzkräfte haben den Täter überwältigen und die festgehaltene Frau befreien können“, erklärte am Morgen Polizeisprecher Florian Nath. Der Zugriff erfolgte gegen 9.20 Uhr. Dabei sei ein sogenannter Taser eingesetzt worden. Solche Geräte machen Menschen durch elektrische Impulse kurzzeitig bewegungsunfähig.
Die Frau wurde unmittelbar nach ihrer Befreiung von Rettungskräften versorgt. Nach ersten Informationen steht sie unter Schock. Weitere Angaben zu ihrem Gesundheitszustand machte die Polizei zunächst nicht.

Das Geiseldrama hatte am Freitagabend kurz vor 22 Uhr begonnen. Nach Angaben der Ermittler brachte der Mann die Frau in dem Supermarkt im Süden Berlins in seine Gewalt und bedrohte sie.
Im Rewe-Supermarkt: An der Kasse zog der Täter ein großes Messer
In BILD berichtet ein Rewe-Angesteller, der abends vor Ort war, vom Tatgeschehen. „Der Täter befand sich an der Kasse, wollte die Ware nicht auf das Kassenband legen und zog dann plötzlich das Messer. Es war auf jeden Fall ein großes Messer.“ Der junge Mitarbeiter ergriff die Flucht und brachte sich in Sicherheit.
Der Mitarbeiter arbeitet als Minijobber in der Filiale und war an dem Abend für die Sicheheit an der Tür zuständig. Er habe die übrigen Kunden rausschicken wollen, als der Mann das Messer gezogen habe. Er sei dann mit einer anderen Mitarbeiterin rausgelaufen und habe die Polizei gerufen.

Die Polizei hat die Schilderungen des Mannes auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur noch nicht bestätigt. Er könne das nicht kommentieren, sagte der Polizeisprecher. „Es ist ein laufender Einsatz.“ Nach Angaben von Polizeisprecher Nath stellte der Geiselnehmer verschiedene Forderungen. Welche Motive hinter der Tat stecken, war zunächst unklar.
Die ganze Nacht war der Rewe-Supermarkt in der Hildburghauser Straße 29 (Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg) hell erleuchtet. Schon kurz nach der Alarmierung um 22 Uhr rasten viele Einsatzwagen von Polizei und Feuerwehr herbei, die Polizei umstellte das Gebäude, ein Sondereinsatzkommando SEK der Berliner Polizei marschierte auf.
Nach Angaben der Ermittler bestand Kontakt zum Täter. Speziell geschulte Einsatzkräfte führten durch eine offene Tür Gespräche mit dem Mann, um die Situation friedlich zu lösen.

Das Gebäude des Rewe-Supermarkts wurde weiträumig abgesperrt. Beamte des SEK waren die ganze Nacht über schwerbewaffnet und mit Sturmmasken ausgestattet vor dem Rewe-Supermarkt zu sehen. Am frühen Morgen verschafften sich Beamte mithilfe einer Leiter einen Blick in das Gebäude.
Für die Anwohner des Rewe-Supermarkts gab es nachts schon Entwarnung
Die Straßen rund um den Tatort waren in der Nacht nahezu menschenleer. Hinter den Absperrungen warteten in der Nacht mehrere Mitarbeiter des Supermarkts, die von der Polizei noch als Zeugen befragt wurden. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur befanden sich die Beschäftigten zum Zeitpunkt der Geiselnahme im Laden.
Der Rettungsdienst versorgte die Betroffenen unter anderem mit Decken. Nach der Befragung durch die Polizei konnten die Betroffenen am Morgen nach Hause gehen.
Trotz des laufenden Einsatzes gab die Polizei rasch Entwarnung für die Menschen in der Umgebung. Der Ortsteil Marienfelde im Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg gilt als ruhige Wohngegend am südlichen Stadtrand Berlins. In der Umgebung befinden sich Wohnhäuser, Schulen und Kindertagesstätten.


