Stromausfall in Mitte

Stromausfall in Berlin-Mitte: Was steckt dahinter?

Nach einem Stromausfall in Berlin-Mitte rund um Rotes Rathaus und Hackescher Markt erklärt Stromnetz Berlin, was hinter den Ausfällen steckt.

Author - Stefanie Hildebrandt
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Das Rote Rathaus mit der Landesflagge von Berlin. Rund um die Senatskanzlei von Kai Wegner und den Alexanderplatz gab es am Morgen einen Stromausfall.
Das Rote Rathaus mit der Landesflagge von Berlin. Rund um die Senatskanzlei von Kai Wegner und den Alexanderplatz gab es am Morgen einen Stromausfall.Dirk Sattler/imago

Am Freitagvormittag hatte Stromnetz Berlin gegen 9.30 Uhr einen Stromausfall in Berlin-Mitte gemeldet. Das Nikolaiviertel, die Museumsinsel, der Hackesche Markt mit seinen brummenden Geschäften und auch das Rote Rathaus mit Kai Wegners Senatskanzlei lagen im Kreis der betroffenen Straßen, berichtete der KURIER. Doch warum gibt es immer wieder Stromausfälle in Berlin, wie häufig sind sie und wie wird kritische Infrastruktur geschützt?

Stromausfall nach 90 Minuten behoben

Zuerst die gute Nachricht: Nach weniger als zwei Stunden hatten die schätzungsweise 8000 bis 12.000 betroffenen Haushalte in Mitte am Freitagvormittag schnell wieder Saft. Schon vor 11.30 Uhr konnte die Störung wieder behoben werden.

Dieser Bereich ist von dem Stromausfall betroffen.
Dieser Bereich ist von dem Stromausfall betroffen.Stromnetz Berlin

Henrik Beuster, Sprecher bei Stromnetz Berlin, erklärt: „Die meisten Störungen in der Stadt können wir innerhalb von 90 Minuten beheben.“ Dazu muss noch nicht einmal ein Techniker ausrücken, um vor Ort nachzusehen.

Allein durch Umschalten auf andere Netzteile haben Betroffene wieder Strom. Einige Klicks am Computer genügen. Es sei immer die oberste Priorität, bei Ausfällen schnellstmöglich den Stromfluss für die Kunden wieder herzustellen, so Beuster. Erst danach beginnt die Ursachenforschung.

Ein Klassiker, wie vermutlich auch bei diesem Stromausfall in Mitte, ist das rege Baugeschehen in der City rund um Alexanderplatz und Hackeschen Markt. Es kommt häufig vor, dass Bagger dabei Kabel beschädigen. Auch bei früheren Bauarbeiten können Kabel beschädigt worden sein, erst nach einer gewissen Zeit sorgen dann Feuchtigkeit und weitere natürliche Einflüsse dafür, dass ein Kabel den Geist aufgibt und die elektrischen Geräte stumm bleiben.

Je dicker das Kabel, desto größer der Schaden

Jede Menge Stromkabel in unterschiedlichen Dicken liegen in Berlin unter der Erde. „Je dicker das Kabel, desto größer der Schaden“, fasst Beuster zusammen. Je dünner ein Kabel, desto höher liegt es auch in der Erde.

Bis zu 7500 Fußgänger pro Stunde sind am Hackeschen Markt unterwegs. Auch dieses Gebiet war vom Stromausfall betroffen.
Bis zu 7500 Fußgänger pro Stunde sind am Hackeschen Markt unterwegs. Auch dieses Gebiet war vom Stromausfall betroffen.Gerd Engelsmann

Dass Kai Wegner und die Senatskanzlei im Roten Rathaus am Morgen den Stromausfall überhaupt bemerkt haben, ist unwahrscheinlich. Kritische Infrastruktur wie beispielsweise Krankenhäuser haben eine Notstromversorgung, die einspringt. Bei einem Anruf im Sekretariat der Senatskanzlei hatten die Mitarbeiter jedenfalls nichts von einem Stromausfall mitbekommen. Später versendet die Senatskanzlei auf KURIER-Anfrage die Nachricht, das Rathaus sei von dem Stromausfall nicht betroffen gewesen. 

Auch im Fernsehturm, der ebenfalls auf der Karte im betroffenen Gebiet lag, sichert ein Notstromaggregat innerhalb von Sekunden bei einer Störung die Versorgung. Es bleibt also kein Tourist im Fahrstuhl stecken, Tim Raue kriegt die Currywurst trotzdem warm, wenn ein Bagger mal wieder ein Kabel durchtrennt.

Tägliche Stromausfälle in Berlin

Störungen wie heute in Mitte kommen täglich in Berlin vor. Henrik Beuster spricht von 1900 bis 2000 solcher Vorfälle im Jahr. Bei zweieinhalb Millionen Anschlüssen in Berlin – vom Einfamilienhaus bis zur Firma – ist das ein durchschnittlicher Wert.

Im deutschlandweiten Vergleich liege Berlin sogar über dem Durchschnitt. 2025 etwa sei jeder Berliner im Schnitt 7,7 Minuten ohne Strom gewesen, meist ohne es überhaupt zu bemerken. In ganz Deutschland liegt der statistische Mittelwert bei 12 Minuten.

Wann haben Sie zuletzt einen Stromausfall erlebt?  Bitte schreiben Sie uns:leser-bk@berlinerverlag.com