Darf der das? Tim Raue präsentierte auf der Grüne Woche seine neue Currywurst für sein Restaurant Sphere auf dem Fernsehturm.
Sie ist der Knaller, zugegeben. Aber sie ist keine Berlinerin!
Berliner Currywurst aber aus dem Pott
Von vorn. Tim Raue bespielt hoch über der Stadt das Restaurant mit dem gigantischen Blick auf Berlin. Alles was man von hier oben sehen kann, soll auch auf den Tellern landen. Typisch Berlin und Brandenburg eben. Da darf das berühmteste Imbiss-Gericht der Stadt nicht fehlen: die Currywurst.
Auf der Suche nach der besten Currywurst weit und breit ist Raue aber nicht in der Hauptstadt fündig geworden – sondern ausgerechnet tief im Westen, in Bochum. Wenigstens die Soße aber hat er sich von der legendären Currybaude am Bahnhof Gesundbrunnen geschnappt und verfeinert.
Beste Currysoße aus Berlin
Raue schwärmt von den zwei Soßen die sie dort auf die Wurst gießen. In seinem Restaurant macht er es ebenso. Eine Tomatensoße und eine Spicy-Soße mit geschmolzenen Zwiebeln und Gewürzen kommt auf die Turm-Curry. Ganz oben in den Wolken krönt ein Wölkchen aus Schaum mit Jaipurcurry das Gericht. „Das braucht man, wie auch das Pulver an der Bude unbedingt für die Nase“, sagt Tim Raue.

Darauf angesprochen, warum die Currywurst auf dem Berliner Fernsehturm nicht aus Berlin kommt, sagt Raue dem KURIER auf der Grünen Woche. „Es geht ja nicht darum, wo die Wurst herkommt, es geht darum, die beste Wurst zu finden.“ Im Rahmen seiner TV-Show „Tim Raue isst!“ hat sich Raue durch die halbe Republik probiert und ist bei der Fleischerei Dönninghaus in Bochum fündig geworden. „Ich probiere immer blind und schaue, was für meinen Geschmack am besten ist.“ Was wohl Konnopke und Co. dazu sagen?
„Die Qualität der Wurst aus dem Pott ist grandios“, so Raue. Die Metzgerei habe sich komplett der Currywurst verschrieben. Typisch Ruhrgebiet, wird sie mit Darm gebraten, in Berlin geht die Currywurst ansonsten auch oft ohne Darm über den Tresen.
Am Tag 20.000 Currywürste
Dirk Schulz ist Chef bei der Metzgerei Dönnighaus, die sein Opa 1937 gründete. Er erzählt, man verwende bestes, mageres Muskelfleisch vom Schwein und nur drei vier Gewürze. Die Herausforderung sei es, eine gleichbleibende Qualität zu sichern. Seine Würste, von denen er 15.000 bis 20.000 am Tag produziert, verschickt er auch nach München oder Bremen und nun eben auch nach Berlin.
Tim Raue lässt sich von Currybaude inspirieren
Wenn auch die beste Wurst aus dem Pott kommt, dann ist eines klar. Die beste Soße für die Currywurst gibt es, wenn es nach Tim Raue geht, in Berlin-Gesundbrunnen. In der Currybaude am S-Bahnhof serviert man sie seit jeher zweigeteilt. Eine Tomatenkomponente und eine Gewürzsoße. So macht es auch Raue auf dem Fernsehturm und fügt noch eine Geheimzutat hinzu. Sternanis. Das sei für Tomaten wie ein Seidenkleid für eine Frau, schwärmt Tim Raue. „Ein Muss für Tomaten.“

Wo gibt es die beste Currywurst
In NRW ist man der Meinung, man habe die Currywurst erfunden. In Berlin ist man sich mindestens ebenso sicher. Aufgewachsen in Kreuzberg mit Curry 36 am Mehringdamm gehört eine Currywurst für Tim Raue jedenfalls schon immer mit dazu. „Immer wenn Geld da war, habe ich mir bei Curry 36 eine gekauft.“ Noch heute schickte er Verwandte in das kulinarische Dreieck am Mehringdamm. „Mustafas Gemüsekebap, Curry 36 oder Burgermeister, da ist für jeden Geschmack was dabei.“
Auch in seinem Restaurant auf dem Fernsehturm will er Berlin pur auf die Teller bringen. „Gnocchi kann ich auch woanders essen“, sagt Tim Raue. Die 19 Quadratmeter kleine Küche, aus der bis zu 1000 Gäste am Tag bekocht werden müssen, sei schon eine Herausforderung. „Man muss schauen, wie bekommt man die Zutaten hoch, wie kriegt man es zubereitet.“
Restaurant für jedermann
Das Restaurant soll in jedem Fall für jedermann zugänglich sein. Die Currywurst kostet erschwingliche 9,50 Euro. Doch die Auffahrt ist mit 28,50 Euro pro Person nicht ohne. „Es sollen alle kommen, vom Steppke bis zur Oma“, sagt Tim Raue. Nur gut zu Fuß müssten sie sein.
Denn wenn doch einmal der Aufzug ausfalle, müsse man über 900 Stufen nach unten laufen. „Da brennt dir der Arsch“, sagt der Starkoch, wobei man wieder bei der Currysoße wäre. Mit feiner Schärfe ist sie genau richtig austariert. Und mit richtig viel Soße vergessen die Berliner vielleicht für einen Augenblick, dass die höchste Wurst der Stadt aus Bochum kommt.

