Nach Stromausfall

Nach monatelanger Kritik: Kai Wegner entschuldigt sich für Tennismatch

Kai Wegner spielte Tennis, während Berliner Nothilfe benötigten. Über zwei Monate später bittet er nun um Verzeihung.

Author - Sharone Treskow
Teilen
Über zwei Monate nach dem Stromausfall räumt Kai Wegner jetzt Fehler ein.
Über zwei Monate nach dem Stromausfall räumt Kai Wegner jetzt Fehler ein.Jens Schicke/Imago

Alle Berliner werden sich noch zu gut erinnern: Anfang des Jahres hat es im Südwesten der Hauptstadt einen fatalen Stromausfall gegeben, durch den rund 45.000 Haushalte frieren mussten. Die Ursache war ein linksextremer Brandanschlag. Doch das war im Nachhinein nicht der einzige Aufreger in der Großschadenslage: Sondern auch der Umgang unseres Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner (CDU) mit der Situation. Der Politiker ist am ersten Tag des Blackouts nicht nur Tennisspielen gegangen – er hat sich auch trotz wiederholter Aufforderung nicht dafür entschuldigt. Bis jetzt.

Der Aufreger um Kai Wegners Tennis-Spiel

Wochenlang gab es rund um Kai Wegner kein anderes Thema als sein zweifelhaftes Tennis-Match am Samstag, dem 3. Januar. Während Zehntausende Berliner – auch Familien mit Kindern und Senioren, Kranke – sich nach dem Stromausfall nach Ausweichquartieren umsehen mussten, hat der Regierende ein bisschen Sport gemacht.

Während etliche Freiwillige sofort angepackt haben, um zu helfen – darunter auch Politiker – hat Wegner mit seiner Lebensgefährtin und Jugendsenatorin Katharina Günther-Wünsch den Schläger geschwungen. Ein Detail, über das sich viele aufgeregt haben: Der Bürgermeister hat das Spiel nicht von sich aus zugegeben. Es kam erst später heraus, was ihn natürlich direkt in ein schlechtes Licht gerückt hat.

Katharina Günther-Wünsch und Kai Wegner haben Tennis gespielt, während in Berlin eine Großschadenslage bewältigt werden musste.
Katharina Günther-Wünsch und Kai Wegner haben Tennis gespielt, während in Berlin eine Großschadenslage bewältigt werden musste.Brigitte Dummer/Imago

Doch viel schlimmer war, dass der CDU-Politiker sich einfach nicht für die Nummer entschuldigt hat. Stattdessen betonte er nur immer wieder, er habe den „Kopf freikriegen müssen“ und sei ja auf seinem Handy „erreichbar gewesen“. Trotz mehrfacher Aufforderungen seitens konkurrierender Parteien und von betroffenen Berlinern hat Wegner nicht um Verzeihung gebeten. Umso überraschender kommt nun endlich seine Entschuldigung.

Wegner entschuldigt sich endlich

Zu den Vorwürfen, er habe sich nicht rechtzeitig und ausreichend um Betroffene des Stromausfalls gekümmert, sagt Wegner jetzt der B.Z: „Ja, ich habe kommunikative Fehler gemacht und möchte mich dafür bei allen Berlinerinnen und Berlinern entschuldigen. Es tut mir aufrichtig leid.“

Aber: Er habe nicht bewusst getäuscht, das will Wegner klarstellen. „Ich habe meinen Job gemacht!“ Gegen Vorwürfe, nicht gearbeitet zu haben, wehrt er sich: „Es war eine emotional angespannte Situation. Aufgrund meiner Fehler in der Kommunikation ist ein Eindruck entstanden, den ich sehr bedauere. Tatsächlich habe ich mich mit aller Kraft um die Bewältigung dieser Krise gekümmert, als absehbar war, welche Dimension das annimmt.“

Wollte den Kopf freikriegen beim Tennis: Berlins Regierender Kai Wegner
Wollte den Kopf freikriegen beim Tennis: Berlins Regierender Kai Wegnerkai-wegner.de

Auf die Frage, weshalb er denn nicht schon am Tage des Brandanschlags, sondern erst am nächsten Tag vor Ort bei den Helfern und Opfern erschien, sagt Wegner entschieden: „Da hätte ich niemandem geholfen, im Gegenteil, ich hätte die Arbeiten behindert, ich hätte nur gestört und Hilfsarbeiten unterbrochen.“

Warum hat Wegner nicht früher um Verzeihung gebeten?

Warum entschuldigt sich der Regierende erst jetzt? Diese Frage stellen sich bestimmt viele Berliner. Immerhin hatte er dazu bereits unzählige Möglichkeiten. Und am wirkungsvollsten wäre die Entschuldigung wohl direkt nach dem Tennisspiel gewesen.

Stattdessen musste die Wut der Berliner über zwei Monate lang brodeln. Hatte Wegner unterschätzt, wie lange man ihm die Aktion nachtragen würde? Möglich ist natürlich auch, dass er sich aufgrund der anstehenden Berlin-Wahl in einem halben Jahr jetzt einfach entschuldigt hat, damit das Tennis-Gate seine Partei keine Stimmen kostet.

Was sagen Sie dazu, dass Wegner sich jetzt entschuldigt hat? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.