Betroffene werden sich bestimmt noch erinnern. Vor dem großen Blackout im Südwesten der Hauptstadt Anfang Januar 2026 gab es im September 2025 auch in Johannisthal einen großen Blackout mit linksextremem Hintergrund. Bei der Suche nach den Schuldigen hat es jetzt einen Paukenschlag gegeben.
Razzia in Berlin, Suche nach Stromterroristen
Ein breit angelegter Polizeieinsatz richtet sich seit dem frühen Dienstagmorgen gegen mutmaßliche Linksextremisten, die mit dem Stromanschlag vom 9. September 2025 in Verbindung stehen sollen. Wie B.Z. berichtet, durchsucht die Polizei stadtweit insgesamt 15 Objekte, darunter die „anarchistische Bibliothek“ in der Reichenberger Straße in Kreuzberg sowie Räume in der Schererstraße im Wedding.

Festnahmen oder Haftbefehle gibt es nach bisherigen Informationen nicht. Die Ermittlungsgruppe „Spannung“ des LKA war monatelang Hunderten Spuren nachgegangen und hatte mögliche Tatverdächtige identifiziert – nun folgte die koordinierte Razzia, um Beweismaterial sicherzustellen.
Polizeigewerkschaft nennt Linksextreme „Krebsgeschwür“
Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) betont im Zuge der Razzia: „Linksextremismus ist ein demokratiegefährdendes Krebsgeschwür, das sich durch unsere Gesellschaft frisst und leider auch im politischen Raum immer wieder auf Nährboden trifft.“

Die GdP dankt den heute eingesetzten Kräften und allen, die den Einsatz über Monate akribisch vorbereitet haben. „Die Gefahren durch Linksextremisten werden in unserem Land seit Jahren kleingeredet, in den Verfassungsschutzämtern und beim BND genießt der Bereich bei der personellen Zuordnung kaum Priorität, so dass die Beschäftigten zwar engagiert sind, oft leider nur an der Oberflächen kratzen können“, kritisiert Jendro.
Stromanschläge sind „unglaublich schwer nachzuweisen“
„Wir reden über eine heterogene Szene, die aber international vernetzt ist, gut organisiert und durchaus intelligent vorgeht“, betont der GdP-Sprecher weiter. „Dabei profitieren sie weiterhin von fehlenden rechtlichen Anpassungen wie der überfälligen Ausweitung der Quellen-TKÜ, IP-Mindestspeicherfristen oder Nutzung KI-basierte Technik.“

Jendro ist überzeugt: „Die Sicherheitsbehörden kennen die Protagonisten des harten Kerns, weil sie anders als Rechtsextremisten keinesfalls zur Passivität übergehen, wenn rechtsstaatliche Maßnahmen ergriffen werden.“ Aber nach wie vor sei es „unglaublich schwer“, ihnen Brandanschläge wie den in Johannisthal oder Zehlendorf nachzuweisen.
„Umso höher ist es einzustufen, was unser LKA da auf die Beine gestellt hat, um die heutigen Durchsuchungsbeschlüsse zu erwirken.“ Abschließend erklärt Jendro: „Wir hoffen, dass am Ende des Tages etwas dabei herumkommt, um auch die längst überfällige Einstufung dieser Personen als kriminelle Vereinigung voranzutreiben.“
Was ist damals in Johannisthal passiert?
Der Anschlag selbst hatte im vergangenen Herbst Berlin schwer getroffen: Unbekannte legten in Johannisthal zwei Strommasten in Brand. Die Folge war ein massiver Stromausfall, der rund 50.000 Haushalte und zahlreiche Betriebe lahmlegte. Besonders betroffen war der Technologiepark Adlershof. Dort standen rund 1300 Unternehmen bis zum 11. September teilweise ohne Energieversorgung da.




