Blackout Berlin

Razzia in Berlin: Auf der Jagd nach den Stromterroristen!

Die Polizei durchsucht 15 Objekte in Berlin wegen linksextremistischen Stromanschlägen.

Author - Sharone Treskow
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Polizei-Einsatz im Wedding. Ein halbes Jahr nach einem Brandanschlag auf die Stromversorgung des Berliner Technologieparks Adlershof hat die Polizei eine Razzia gegen Verdächtige gestartet.
Polizei-Einsatz im Wedding. Ein halbes Jahr nach einem Brandanschlag auf die Stromversorgung des Berliner Technologieparks Adlershof hat die Polizei eine Razzia gegen Verdächtige gestartet.Sven Käuler/dpa

Betroffene werden sich bestimmt noch erinnern. Vor dem großen Blackout im Südwesten der Hauptstadt Anfang Januar 2026 gab es im September 2025 auch in Johannisthal einen großen Blackout mit linksextremem Hintergrund. Bei der Suche nach den Schuldigen hat es jetzt einen Paukenschlag gegeben.

Razzia in Berlin, Suche nach Stromterroristen

Ein breit angelegter Polizeieinsatz richtet sich seit dem frühen Dienstagmorgen gegen mutmaßliche Linksextremisten, die mit dem Stromanschlag vom 9. September 2025 in Verbindung stehen sollen. Wie B.Z. berichtet, durchsucht die Polizei stadtweit insgesamt 15 Objekte, darunter die „anarchistische Bibliothek“ in der Reichenberger Straße in Kreuzberg sowie Räume in der Schererstraße im Wedding.

In Berlin läuft derzeit eine Razzia an 15 Orten, es geht um den Stromausfall in Johannisthal im Herbst 2025. (Symbolfoto)
In Berlin läuft derzeit eine Razzia an 15 Orten, es geht um den Stromausfall in Johannisthal im Herbst 2025. (Symbolfoto)Annette Riedl/dpa

Festnahmen oder Haftbefehle gibt es nach bisherigen Informationen nicht. Die Ermittlungsgruppe „Spannung“ des LKA war monatelang Hunderten Spuren nachgegangen und hatte mögliche Tatverdächtige identifiziert – nun folgte die koordinierte Razzia, um Beweismaterial sicherzustellen.

Polizeigewerkschaft nennt Linksextreme „Krebsgeschwür“

Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) betont im Zuge der Razzia: „Linksextremismus ist ein demokratiegefährdendes Krebsgeschwür, das sich durch unsere Gesellschaft frisst und leider auch im politischen Raum immer wieder auf Nährboden trifft.“

Auf der Jagd nach den Strom-Terroristen. Durchsuchung eines Gebäudes im Wedding.
Auf der Jagd nach den Strom-Terroristen. Durchsuchung eines Gebäudes im Wedding.Sven Käuler/dpa

Die GdP dankt den heute eingesetzten Kräften und allen, die den Einsatz über Monate akribisch vorbereitet haben. „Die Gefahren durch Linksextremisten werden in unserem Land seit Jahren kleingeredet, in den Verfassungsschutzämtern und beim BND genießt der Bereich bei der personellen Zuordnung kaum Priorität, so dass die Beschäftigten zwar engagiert sind, oft leider nur an der Oberflächen kratzen können“, kritisiert Jendro.

Stromanschläge sind „unglaublich schwer nachzuweisen“

„Wir reden über eine heterogene Szene, die aber international vernetzt ist, gut organisiert und durchaus intelligent vorgeht“, betont der GdP-Sprecher weiter. „Dabei profitieren sie weiterhin von fehlenden rechtlichen Anpassungen wie der überfälligen Ausweitung der Quellen-TKÜ, IP-Mindestspeicherfristen oder Nutzung KI-basierte Technik.“

Benjamin Jendro will, dass die linksextremen Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Doch das gestaltet sich aufgrund der Beweislage schwierig.
Benjamin Jendro will, dass die linksextremen Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Doch das gestaltet sich aufgrund der Beweislage schwierig.IMAGO/Bernd Elmenthaler

Jendro ist überzeugt: „Die Sicherheitsbehörden kennen die Protagonisten des harten Kerns, weil sie anders als Rechtsextremisten keinesfalls zur Passivität übergehen, wenn rechtsstaatliche Maßnahmen ergriffen werden.“ Aber nach wie vor sei es „unglaublich schwer“, ihnen Brandanschläge wie den in Johannisthal oder Zehlendorf nachzuweisen.

„Umso höher ist es einzustufen, was unser LKA da auf die Beine gestellt hat, um die heutigen Durchsuchungsbeschlüsse zu erwirken.“ Abschließend erklärt Jendro: „Wir hoffen, dass am Ende des Tages etwas dabei herumkommt, um auch die längst überfällige Einstufung dieser Personen als kriminelle Vereinigung voranzutreiben.“

Was ist damals in Johannisthal passiert?

Der Anschlag selbst hatte im vergangenen Herbst Berlin schwer getroffen: Unbekannte legten in Johannisthal zwei Strommasten in Brand. Die Folge war ein massiver Stromausfall, der rund 50.000 Haushalte und zahlreiche Betriebe lahmlegte. Besonders betroffen war der Technologiepark Adlershof. Dort standen rund 1300 Unternehmen bis zum 11. September teilweise ohne Energieversorgung da.

Ein Stromausfall legte 50.000 Haushalte und zahlreiche Betriebe in Johannisthal lahm.
Ein Stromausfall legte 50.000 Haushalte und zahlreiche Betriebe in Johannisthal lahm.Sabine Gudath/Imago

Noch am Tattag tauchte auf der linksextremistischen Plattform „indymedia“ ein Bekennerschreiben auf. Unterzeichnet von „einigen Anarchist:innen“ richtete sich der Angriff demnach gezielt gegen das Technologiezentrum. Die anonymen Verfasser erklärten, sie wollten vermeintliche Verstrickungen von Forschung und Technologie in Krieg und Überwachung offenlegen.

Zugleich bezeichneten sie Angriffe auf kritische Infrastruktur als Möglichkeit, „eine Hauptader der Unterwerfung“ zu treffen und ein Leben „ohne Herrschaft“ denkbar zu machen. Ihr Schreiben endete mit dem Aufruf an Gleichgesinnte, ähnliche Aktionen zu verüben – besonders gegen Unternehmen mit Nähe zur Rüstungsindustrie oder zur Bundeswehr.

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