Noch in dieser Woche?

Trotz 33 Tage Urlaub und 500 Euro mehr: „BVG-Streik ist unausweichlich!“

Verdi verhandelt in dieser Woche weiter mit der BVG um mehr Urlaub und Freizeit. Eine Streikdrohung steht im Raum.

Author - Norbert Koch-Klaucke
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Ein Bild, das Berliner Fahrgäste fürchten: Busse der BVG mit Verdi-Fahnen stehen im Betriebshof, weil wieder gestreikt wird.
Ein Bild, das Berliner Fahrgäste fürchten: Busse der BVG mit Verdi-Fahnen stehen im Betriebshof, weil wieder gestreikt wird.IMAGO/Florian Gaertner

Die Streikkeule im Tarifstreit bei der BVG hat die Gewerkschaft Verdi noch nicht zur Seite gelegt. Im Gegenteil: Ob es wieder zu einem Streik kommt, entscheidet sich schon in dieser Woche. Da trifft sich Verdi am Mittwoch oder Donnerstag erneut mit Vertretern aus der BVG-Chefetage, die ihren Beschäftigten 33 Tage Urlaub und 500 Euro mehr für die Ferienkasse anbieten. Verdi ist damit absolut nicht zufrieden.

BVG bietet mehr Urlaub, Verdi ist unzufrieden

Die Tarifverhandlungen, die am Anfang des Jahres begannen: Es geht nicht um mehr Lohn, sondern unter anderem um mehr Urlaub und um mehr Freizeit für die 16.000 BVG-Beschäftigten.

In den ersten Treffen zeigte sich die Chefetage der Berliner Verkehrsbetriebe noch recht zögerlich, auf die Forderungen von Verdi einzugehen. Die Folge: Ein zweitägiger Streik bei der BVG, der Ende Februar stattfand.

Busse, U- und Straßenbahnen, die 48 Stunden lang nicht in der Hauptstadt fahren: Das kann wieder passieren. Dabei hat die BVG vor wenigen Tagen ein „starkes Angebot“ vorgelegt. „Damit sind wir aber noch nicht zufrieden“, sagt Verdi-Sprecher Kalle Kunkel dem KURIER.

Dabei sieht das Angebot der BVG gar so schlecht aus, dass Ende vergangener Woche vorgelegt wurde – bis zu 33 Tage Jahresurlaub (statt 30 Tage) und mehr Urlaubsgeld. Im Detail: Alle BVG-Mitarbeiter sollen generell ab 2028 einen jährlichen Urlaubsanspruch von 31 Tagen haben. Dazu kommen zwei weitere Tage, bei denen die Mitarbeiter wählen können, ob sie frei machen oder Geld nehmen (bis zu 0,9 Prozent des Lohnes).

Zusätzlich sollen Mitarbeiter eine „Verlängerung des Urlaubsgeldes von 500 Euro pro Jahr“ erhalten. Für Fahrer ist eine Neuregelung und Anpassung des sogenannten „Nachturlaubs“ geplant: Für 100 Arbeitsstunden (statt bisher 150) soll es bis zu vier Tagen Urlaub geben.

Mehr Urlaub und Geld: Wollen BVGler trotzdem streiken?

Weitere Geldschenke liegen auf dem Verhandlungstisch. „Mitarbeitende erhalten eine Einmalzahlung von jeweils 150 Euro in den Jahren 2026 und 2027“, lautet der Vorschlag der BVG.

„Wir haben ein starkes und attraktives Gesamtpaket auf den Tisch gelegt und gehen damit wirtschaftlich an die Maximalgrenze. Wir erfüllen zentrale Forderungen von Verdi und sorgen weiter für Entlastung bei unseren Mitarbeitenden“, sagt BVG-Personalchefin und Verhandlungsführerin Jenny Zeller-Grothe.

Streikposten stehen am Busbahnhof Müllerstraße.
Streikposten stehen am Busbahnhof Müllerstraße.Maurizio Gambarini/imago

Die Verdi-Vertreter sind da weniger begeistert – und drohen indirekt mit Streik. Dass die Angebote erst in zwei Jahren greifen sollen, passt ihnen gar nicht. „Es ist gut, dass wir ins Verhandeln kommen. Aber die Frage des Urlaubsanspruchs auf den Sankt-Nimmerleins-Tag zu verschieben, ist inakzeptabel“, sagt Verdi-Verhandlungsführer Serat Canyurt.

Weiter erklärt der Verdi-Mann, was nun passiert. „Wir werden nun mit den Beschäftigten beraten, welche Antwort wir auf die Haltung des BVG-Vorstands geben“, sagt Canyurt. Verdi macht damit deutlich klar: Die Bus-, U- und Straßenbahnfahrer werden in den kommenden Tagen entscheiden, ob es einen Streik geben wird oder nicht.

An der Basis kocht es gewaltig! Ein BVG-Fahrer sagte dem KURIER: „Allein dieses vermeintlich Geldgeschenk von 150 Euro, das dazu noch versteuert werden muss, empfinde ich persönlich als Verarschung. Das sollten man denen in der Führungsetage einmal vorschlagen. Der nächste Streik ist unausweichlich!“

Ein kurzfristiger Arbeitskampf kann recht schnell ausgerufen werden, sollten die jetzt anstehenden Verhandlungen ins Stocken gerateu. Zum einem  besteht derzeit keine Friedenspflicht. Und ein Warnstreik muss auch nicht erst durch eine Urabstimmung seitens der Gewerkschaftsmitglieder beschlossen werden. In der Regel werden kurzfristige Arbeitskämpfe einen Tag vorher angekündigt.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com