Gesundheitsgefahr

Wo versteckt sich Asbest in Berlin? Betroffene Bezirke im Überblick!

Reinickendorf und Tempelhof-Schöneberg kämpfen mit den höchsten Fallzahlen.

Author - Sharone Treskow
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Berlin ist noch lange nicht asbestfrei.
Berlin ist noch lange nicht asbestfrei.Daniel Bockwoldt/dpa

Auch wenn Asbest seit den 1990er-Jahren nicht mehr verbaut wird, zeigen aktuelle Statistiken, dass immer noch Zehntausende Berliner Wohnungen in Gebäuden untergebracht sind, die entweder potenziell oder nachweislich asbestbelastet sind.

Wie viele Wohnungen sind betroffen?

Eine jüngste Anfrage im Abgeordnetenhaus offenbart das alarmierende Ausmaß der Asbestproblematik, die in den Beständen der landeseigenen Wohnungsunternehmen Berlin zu finden ist.

Über 50.000 Wohnungen in Berlin sind noch mit Asbest befallen – oder es besteht der dringende Verdacht.
Über 50.000 Wohnungen in Berlin sind noch mit Asbest befallen – oder es besteht der dringende Verdacht.SSR Schadstoffsanierung

Eine Erhebung zum Stichtag 31. Dezember 2025 zeigt, dass bei den sieben landeseigenen Gesellschaften sowie bei Berlinovo insgesamt 58.847 Wohnungen als asbestbelastet oder –verdächtig registriert sind.

Besonders betroffen sind dabei:
  • degewo: 23.883 Wohnungen
  • GESOBAU: ca. 15.089 Wohnungen (Schätzung, da keine flächendeckenden Gutachten vorliegen)
  • HOWOGE: 6571 Wohnungen
  • Gewobag: 5639 Wohnungen
  • berlinovo: 2610 Wohnungen

Somit bleibt Asbest ein erhebliches Problem im Bestand der landeseigenen Unternehmen, vor allem in Böden, Spachtelmassen oder Platten, die in den 1960er bis 1980er Jahren verbaut wurden.

In welchen Bezirken ist die Lage am schlimmsten?

Die Auswertung der Bezirksdaten zeigt, dass es deutliche Schwerpunkte gibt. Am stärksten betroffen ist Reinickendorf mit 9039 Wohnungen.
Die hohe Zahl ist vor allem auf den großen Bestand von HOWOGE und GESOBAU aus den betroffenen Baualtersklassen zurückzuführen.

Auf Platz zwei liegt Tempelhof-Schöneberg mit 8008 Wohnungen.
Hier hält insbesondere die degewo einen umfassenden Altbestand, der zur hohen Zahl beiträgt. In Neukölln sind es 6821 Wohnungen:
Besonders hervorzuheben ist hier der Gewobag-Bestand mit fast 5000 betroffenen Wohnungen.

Auch die Bezirke Spandau und Pankow weisen hohe Zahlen auf. Die wenigsten Fälle wiederum gibt es in Treptow-Köpenick, Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf.

Wie viele Wohnungen wurden bereits saniert?

Im Jahr 2025 konnten insgesamt 3.453 Wohnungen erfolgreich asbestsaniert werden. Besonders bemerkenswert ist die Gewobag, die mit 2119 Sanierungen den größten Teil ausmacht. Dies liegt möglicherweise daran, dass viele Verdachtsfälle sich nach Proben als unbelastet herausstellten, was in der Statistik als „Sanierung“ verbucht wird.

Die weiteren Sanierungen verteilen sich wie folgt:
  • degewo: 622
  • GESOBAU: 282
  • berlinovo: 173
  • HOWOGE: 107
  • Stadt und Land: 82
  • WBM: 68

Berlin hat ein Asbest-Problem – woher weiß man, ob man betroffen ist?

Laut dem Senat wurden im Jahr 2025 übrigens keine belasteten Wohnungen mehr angekauft. Doch obwohl jährlich mehrere Tausend Wohnungen saniert werden, stellen Asbestbelastungen weiterhin ein langfristiges Problem für die landeseigenen Gesellschaften dar. Besonders die Bezirke Reinickendorf und Tempelhof-Schöneberg stechen mit ihren hohen Fallzahlen ins Auge.

Während viele Sanierungen im Leerstand durchgeführt werden, benötigen einige Wohnungen – wie im Fall der WBM – sogar eine erneute Nachbearbeitung, falls weitere Asbestquellen entdeckt werden. Die Herausforderung bleibt bestehen.

Asbest findet sich häufig in Wellplatten, Fensterkitt (Leinölkitt), Dichtungen oder Fliesenkleber.
Asbest findet sich häufig in Wellplatten, Fensterkitt (Leinölkitt), Dichtungen oder Fliesenkleber.Bernd Wüstneck/dpa

An alle Berliner, die sich jetzt fragen, ob ihre Wohnung auch von Asbest betroffen ist – und direkt nachschauen wollen: Mit bloßem Auge lässt sich Asbest nicht erkennen. „Eine eindeutige Bestimmung ist nur durch eine Laboranalyse von Materialproben möglich“, erklärt Tüv Süd.

Wie gefährlich ist Asbest?

Asbest ist vor allem dann gefährlich, wenn Fasern freigesetzt werden – etwa durch beschädigte Bodenbeläge, Bohrlöcher, Renovierungen oder bröselnde Bauteile. Gelangen die mikroskopisch kleinen Fasern in die Luft und werden eingeatmet, können sie Jahrzehnte später schwere Krankheiten auslösen, darunter Lungenentzündungen, Lungenkrebs, Mesotheliome und Asbestose.

Solange asbesthaltige Materialien jedoch unbeschädigt und vollständig gebunden bleiben, geht im normalen Wohnalltag meist nur ein geringes Risiko von ihnen aus. Problematisch wird es vor allem dann, wenn Bewohnerinnen oder Bewohner unwissentlich an belasteten Stellen arbeiten oder Handwerksfirmen ohne Schutzmaßnahmen renovieren.

Asbestfasern können unter anderem Lungenentzündungen auslösen.
Asbestfasern können unter anderem Lungenentzündungen auslösen.Dmitrii Marchenko/Imago

Deshalb gilt: Keine Eingriffe in alte Böden oder Wände vornehmen, ohne dass geprüft wurde, ob Asbest verbaut ist. Wird eine Belastung festgestellt, müssen Sanierungen ausschließlich von Fachfirmen durchgeführt werden – und in der Regel nur im Leerstand oder mit Ausweichwohnungen für die Mieter.

Sind Sie betroffen? Wie ist Ihre Meinung zu dem Thema? Schicken Sie uns gerne einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.