Denkt die Berliner Politik zu wenig an Gewerbetreibende? Zu wenig an Handwerker oder Lieferanten? Mario Mitzinger betreibt seit 25 Jahren einen Elektroinstallationsdienst – und er verzweifelt. Nicht an seinem Job, sondern an den Begleiterscheinungen.
Verkehrssituation führt zu Existenzängsten
Er sagt: „Wie ich als Handwerksmeister meine Fahrzeuge im Störungsdienst durch Berlin schicken muss, ist mittlerweile eine Katastrophe und führt zu Existenzängsten, Lustlosigkeit und sogar zu Überlegungen, aufzugeben.“
Was der 60‑Jährige meint: Die Verkehrssituation in der Hauptstadt wird immer schwieriger. Mitzinger: „Einmal in der Woche kommt ein Monteur inzwischen auf vier Stunden Fahrzeit und nur vier Stunden Arbeitszeit. Das macht bei drei Fahrzeugen in unserer Firma zwölf Stunden pro Woche, in denen wir theoretisch kein Geld verdienen. Die Löhne für die Monteure und alle laufenden Fahrzeugkosten müssen trotzdem bezahlt werden.“
Trotz Plakette finden Handwerker kaum Parkplätze
Vor allem das Thema Verkehrsberuhigung in den Kiezen bereitet ihm Sorgen. Einbahnstraßen entstehen, Parkplätze verschwinden, Poller schneiden ganze Viertel ab. Leidtragende sind Firmen wie die von Mitzinger, der daraus bereits Konsequenzen gezogen hat: „Die Park‑Handwerkerplakette kostet 200 Euro pro Fahrzeug, aber sie garantiert keine Parkplätze. Wenn man dann noch auf Poller trifft, die in keinem Navi verzeichnet sind, und auf der falschen Straßenseite landet, heißt es: ‚Rundendrehen‘. Viele meiner Berufskollegen haben deswegen den kleinteiligen Kundendienst aufgegeben. Wir bieten ihn noch an." Aber mit einem Poller‑Kiez‑Zuschlag!

Pauschal legt er in diesen Gebieten 25 Euro auf jede Rechnung drauf. Mitzinger: „Wir erheben diesen Zuschlag, um die Kosten für Kunden in ‚Nicht‑Poller‑Kiez‑Gebieten‘ gerechter zu verteilen.“ Seine Firma (noch drei Monteure, eine Sekretärin) sitzt heute in Weißensee. Früher war sie im Prenzlauer Berg beheimatet. Doch die hohen Mieten trieben ihn vor drei Jahren in die Außenbezirke. Ein Trend, den er nach eigenen Angaben bei vielen Handwerksbetrieben beobachtet.
Einige Aufträge nimmt Mitzinger gar nicht mehr an
Der Effekt: Firmen müssen sich regelmäßig wieder in die Innenstadt quälen. Manche Aufträge nimmt Mitzinger inzwischen gar nicht mehr an. Anforderungen im Samariterkiez in Friedrichshain lehnt er wegen der Verkehrssituation ab. Auch Einsätze an der Frankfurter Allee versucht er abzulehnen. Zu viele Parkplätze seien dort durch geschützte Radstreifen weggefallen.
Als der KURIER mit dem Unternehmer durch Prenzlauer Berg fährt, zeigt er die Poller an der Stargarder Straße. Früher war diese Strecke eine Abkürzung zwischen Prenzlauer Allee bzw. Pappelallee und der Schönhauser Allee. Nun ist an der Gethsemanekirche Schluss. Folge: Umwege. Und die kosten Zeit.
Vor Jahren schrieb der gebürtige Berliner seinen Frust in einer Mail an die damalige Senatorin für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz, Bettina Jarasch (Grüne). Die Senatsverwaltung antwortete sogar, geholfen habe ihm das nicht. Dort hieß es unter anderem: „Da kein zusätzlicher Verkehrsraum zur Verfügung gestellt werden kann, wird in den nächsten Jahren vor allem die Verteilung der einzelnen Verkehrsarten entscheidend sein.“




