KURIER enthüllt

Weihnachtsmann aus Marzahn packt aus: Rührende Momente hinter dem Bart

Nur noch vier Wochen bis Weihnachten – die Hochsaison für professionelle Rauschebärte. Und einer der erfahrensten Weihnachtsmänner Berlins verrät hier seine besten Tricks.

Author - Stefanie Hildebrandt
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Bernd König (65) und Gudrun König (63) sind immer im Advent als Weihnachtsmann und Engel unterwegs.
Bernd König (65) und Gudrun König (63) sind immer im Advent als Weihnachtsmann und Engel unterwegs.Schlösser / Ostkreuz

„Wo wohnt der Weihnachtsmann?“, fragen die Kinder und schicken Postkarten nach Himmelfort oder gar nach Lappland, zu den Rentieren. Dabei müssten sie gar nicht so weit denken. Denn der Weihnachtsmann für die Berliner Kinder kommt aus Marzahn.

Naja, einer der vielen Bärtigen zumindest, die in den kommenden Wochen bis zum Fest auf Märkten, in Einkaufzentren und bei Feiern für großes Hallo sorgen.

Bernd König (65) ist ein Weihnachtsmann mit Erfahrung, ein Senior Christmas Manager, würde man neumodisch sagen. Seit vielen Jahren begleiten er und seine Frau Gudrun (63) als Engel die Weihnachtsfeiern für Bedürftige von Frank Zander.

Wir haben die Profis vier Wochen vor dem Fest im Eastgate Einkaufszentrum in Marzahn getroffen, mitten im vorweihnachtlichen Trubel.

Der Bart juckt, doch die Augen leuchten

Unter der Robe wird es schon langsam warm und der Bart juckt, doch Bernd König lässt sich nichts anmerken, als er der kleinen Ivie Anushka Jane und ihren Eltern eine Süßigkeit hinhält. Dieses Jahr ist Ivies erstes Weihnachten, da muss man erst recht einen guten Eindruck hinterlassen.

Ivie Anushka Jane macht große Augen, als der Weihnachtsmann sie und Mama Janet begrüßt.
Ivie Anushka Jane macht große Augen, als der Weihnachtsmann sie und Mama Janet begrüßt.Jordis Antonia Schlösser/ Ostkreuz

Ob mit roter Samtrobe oder ohne: Bernd König hat das Unterhaltungs-Gen. Als Stamm-Weihnachtsmann bei Frank Zanders Gänse-Essen oder in den Wohnzimmern in Marzahn und Hellersdorf – Bernd König und sein Engel lieben es einfach, die Augen zum Leuchten zu bringen.

Irgendwann vor über zehn Jahren haben die Königs sich das erste Mal verkleidet und konnten bis heute nicht damit aufhören.

Weihnachtswünsche der Kinder

Am Wunschbaum im Marzahner Eastgate hängen schon die Wünsche der Arche-Kinder (Bettwäsche, Lego, Spiele) und Herr und Frau König werden auf ihrem Weg durch das Einkaufzentrum immer wieder angehalten.

Die Leute wollen Fotos mit dem Weihnachtsmann machen, noch vier Wochen bis Heiligabend. Die aufregendste Zeit im Jahr für einen Berufsweihnachtsmann.

Zu Rauschebart und Engelsflügel kamen die Königs, als Frank Zander vor Jahren Helfer für sein Event für Obdachlose suchte. Bernd König bewarb sich und beobachtete die Weihnachtsmänner vor Ort. „Die waren nicht so das Richtige“, sagt er. Im darauffolgenden Jahr machte er den Job – und tut es bis heute.

Der Weihnachtsmann ist mit allen per Du

„Der Weihnachtsmann sagt zu allen Du“, das ist es, was Bernd König gefällt. Wenn sich bei Frank Zander alle Jahre wieder Helfer und Bedürftige, Politiker und Stars treffen, sei das wie bei einer großen Familie. Das Zander-Event ist auch für den Weihnachtsmann eines der Highlights im Advent.

Dazu kommen Termine in Rüdersdorf bei einer Kinderweihnachtsfeier in einem Krankenhaus. Einsätze in Einkaufszentren und schließlich die große Tour durch die Wohnzimmer in Hellersdorf und Marzahn an Heiligabend.

Den Heiligen Abend verbringen die Königs seit Jahren im Dienst für die anderen. „Wir feiern gar nicht“, sagt der Bärtige.

Goldene Regeln für den Heiligabend

Für den Einsatz in den Familien gibt es ein paar Regeln: nur ein Sack pro Familie, fünf sprengen den engen Zeittakt des Weihnachtsmanns. Bei Nachfragen neugieriger Kinder, wo denn die Rentiere seien, sagt man am besten, sie lägen „mit Hatschie und Schnief im Stall“. Stattdessen ist bei Bernd König stets ein Plüschesel dabei.

Den dürfen schüchterne Kinder dann füttern. Spätenstens, wenn dazu die Piccoloflasche Sekt hervorgezogen wird, ist das Eis auch bei den Eltern gebrochen.

Weihnachtsmann-Kostüm muss in die Reinigung

Unfälle mit dem Bart gab es bisher in seiner Weihnachtsmann-Laufbahn nicht. Ein Sturz am Ostbahnhof sorgte allerdings schon einmal für einen schmutzigen Mantel. Seitdem haben die Königs immer einen Ersatz-Dress dabei.

Nächster Supergau, weinende Kinder. Der Rat des erfahrenen Weihnachtsprofis: „Kinder spüren ganz genau, wer es gut mit ihnen meint. Wir zwingen sie zu nichts, mit viel Ruhe und Geduld, haben wir bisher jedes Kind glücklich gemacht. Gerade die Kleinen haben mächtig Respekt vor dem Weihnachtsmann“, sagt Bernd König.

Den Bart nimmt der Weihnachtsmann natürlich nur äußerst selten ab.
Den Bart nimmt der Weihnachtsmann natürlich nur äußerst selten ab.Jordis Antonia Schlösser/ Ostkreuz

In der Adventszeit sind die Königs manchmal mit ihrem 33 Jahre alten Bulli samt Holztanne und Schmuck unterwegs. „Die Leute hupen und winken, wenn sie uns sehen“, sagt Bern d König. Und wenn im Radio die gängigen Weihnachtslieder hoch und runter dudeln, nervt ihn kein einziges. Wirklich keins? „Nein.“

Kein Wunder, der Weihnachtsmann verbringt nämlich den Rest des Jahres als DJ. Seit 1973, als in Berlin die Weltfestspiele stattfanden und alles, was Platten drehen konnte, als Plattenunterhalter von der Konzert- und Gastspieldirektion angestellt wurde, verdingt sich Bernd König als DJ Fridolin.

Hier kommt ebenfalls sein Unterhaltungs-Gen zum Tragen. Jugendweihen, Kinderfeiern, Abschlussbälle, es gibt kaum etwas, das Bernd und Gudrun mit ihrer Musik nicht noch schwungvoller machen könnten. „Das hält uns jung“, sagen sie.

Doch die Zeiten als Musikunterhalter seien gerade nicht die rosigsten. „Die Leute schauen schon mehr aufs Geld“, so Bernd König. Und so wünscht sich der Weihnachtsmann selber zum Fest neben Frieden in den Familien und in der Welt, „dass nicht immer alles nur noch teurer wird.“