Es ist der Moment, in dem die Alte Försterei den Atem anhält. Direkt nach dem Rückstand bekommt der 1. FC Union Berlin einen Elfmeter – und plötzlich geht es nicht nur um den Ball, sondern um Verantwortung. Wer schießt? Wer darf? Und wer muss warten? Der Elfer beim 1:1 (0:0) gegen Eintracht Frankfurt wird zum internen Kräftemessen und wird Union noch weiter beschäftigen.
Livan Burcu will Elfmeter gegen Frankfurt schießen
Es läuft die 86. Minute im Spiel gegen die SGE. Nur eine Minute zuvor kassierte Union das 0:1, dann ringt Frankfurts Højlund Rani Khedira im Strafraum nieder. Schiedsrichter Sören Storks zeigt sofort auf den Punkt. Elfmeter. Ausgleichschance. Druck pur.
Khedira schnappt sich den Ball, blickt sich um, sucht Leopold Querfeld. Der Österreicher ist Unions etatmäßiger Schütze, hat zuvor drei von vier Elfmetern verwandelt.
Burcu fordert Querfeld heraus – Sekunden vor dem Elfer
Doch diesmal ist da noch ein anderer. Livan Burcu (21), gerade erst eingewechselt, will den Strafstoß gegen Frankfurt auch schießen. Der Deutsch-Türke bringt sich um den Elfmeterpunkt in Position, sucht das Gespräch mit Khedira. Doch der Vize-Kapitän Khedira drückt Querfeld den Ball in die Hand. Burcu redet weiter auf den geplanten Schützen ein. Tritt dann zurück. Und schluckt. Eine Szene, die Querfeld störte und für Burcu den nächsten Rüffel von Trainer Steffen Baumgart bedeuten könnte.

Der Rest ist bekannt. Querfeld verzögert, schiebt den Ball nach dem Elfer-Zoff mutlos fast in die Mitte. Ein Kullerball. Ein Geschenk. Eintracht-Keeper Kaua Santos lässt den Ball durch die Arme rutschen. 1:1. Union jubelt. Doch der Elfmeter sorgt weiter für Gesprächsstoff.
Khedira entscheidet, doch Querfeld trifft nur mit Glück
Für Burcu ist es eine bittere Szene. Wieder nur Zuschauer, wieder kein entscheidender Moment. Dabei hätte dieser Elfmeter für ihn besonders viel bedeutet. „Die Eintracht ist mein Kindheitsverein. Es ist für mich immer schön, gegen sie zu spielen. Ich liebe Eintracht Frankfurt, das ist meine Heimat“, sagt der gebürtige Frankfurter offen.

Der Elfer-Zoff passt in eine Phase, die für Burcu nicht einfach ist. Nach der öffentlichen Baumgart-Breitseite beim 1:3 in Hoffenheim kämpft der 21-Jährige weiter um Vertrauen – und um Minuten.
Heldt stärkt Livan Burcu nach Baumgart-Breitseite
Rückendeckung bekommt Burcu vom Manager. „Nach seiner Verletzung zu Saisonbeginn ist er jetzt auf dem Niveau, auf dem er zu Beginn der Saison hätte sein sollen“, sagt Horst Heldt. Und legt nach: „Er hat Eigenschaften, die uns flexibler machen. An und mit ihm werden wir noch ganz viel Spaß haben.“
Fast hätte Burcu diesen Worten selbst Nachdruck verliehen. In der Nachspielzeit tritt er zu einem direkten Freistoß aus rund 20 Metern an. Der Ball segelt haarscharf am Pfosten vorbei. Kein Tor. Wieder warten.
Elfmeter-Hierarchie wackelt: Wer schießt als Nächstes?
Trotzdem bleibt Burcu Teamplayer. „In der Schlussphase waren wir am Drücker und hatten unsere Möglichkeiten. Da hätte es auch 2:1 ausgehen können. Insgesamt war es eine gute Leistung des gesamten Teams, den Punkt nehmen wir gerne mit“, sagt er.






